Souveränität statt Kernfusion - Warum Sie Ihre eigene Weltmacht gründen sollten
Strategie für den Ausstieg aus der organisierten Ohnmacht
Arbeitstext von Wolfgang Behr
Motto: Wer kann glauben, dass es niemals zu einem Atomkrieg kommen wird?
Kurzfassung
Die gegenwärtige weltpolitische Lage gleicht einer Falle. Schaffen wir die ABC Waffen
ab, wird die Welt über kurz oder lang von Kriegen und Warlords beherrscht.
Schaffen wir sie nicht ab, werden die Waffen irgendwann eingesetzt!
"Menschheit" gibt es bis heute nur als die Sich-Selbst-Zerstörende!
Hier ein Gedankenexperiment, um ein Fenster in die Zukunft aufzustoßen:
Um die mörderische Dynamik der gegenwärtigen Weltordnung zu überwinden, bedarf es der
Proklamation der individuellen Souveränität. Erwachsene Selbstständigkeit der einzelnen Personen ist die
Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben und eine gute Gesellschaft.
Wenn jeder Mensch sich zusätzlich als autonome
politische Institution begreift, endet die fatale Übertragung der Macht an die großen Kollektive, bevor es zum Schlimmsten kommt.
Erst wenn wir gelernt haben, wirklich selbstständige Personen zu sein, können wir gute Mitglieder unserer Gemeinschaft sein.
Dann haben wir keine Angst mehr und können die ABC-Waffen verschrotten.
Der Staat löst sich in seine einzelnen Institutionen.
Jeder Mensch wird zum souveränen Auftraggebern der gesellschaftlichen Funktionsträger und Systeme.
Instituionalisierte Kollektivität wird auf das sinnvolle Minimum begrenzt.
Im Zentrum steht das Gewaltproblem.
Unregulierte kollektive Gewalt ist strukturell unkontrollierbar und ABC-Waffen sind ihre maximale Form.
Deshalb kann ihre Abschaffung nur gelingen, wenn Gewalt selbst normativ delegitimiert wird, nicht nur ihre Mittel.
Als souveräne Akteure unseres Lebens ordnen wir unser Zusammenleben neu -
jenseits der alten Staats-Kollektive, die im Namen
unserer Sicherheit unsere Vernichtung vorbereiten.
Wir proklamieren die individuelle politische Souveränität nicht als Experten, sondern
als Zivilisten und Mitglieder unserer friedlichen Gemeinschaften. Unser Credo ist schlicht:
Wir wollen nicht im ABC-Weltkrieg sterben!
Dies schafft die dringend notwendige Position außerhalb des Systems. Denn
innerhalb der bestehenden Machtstrukturen bleiben wir nur die Statisten unserer eigenen Vernichtung.
Natürlich wird nicht morgen jeder Mensch seine Souveränität proklamieren.
Aber die Leute, die die Macht haben - ob politisch, ökonomisch, militärisch oder sonst gewaltsam,
werden ihre Macht nicht ohne weiteres aufgeben und sie werden auch nicht ohne weiteres echte
Alternativen zur jetzigen Weltuntergangsordnung zulassen.
Also bleiben nur wir, die friedlichen Zivilisten, die etwas ändern können. Und
die individuelle Souveränität soll uns eine politische Grundlage dafür geben.
Dieses Konzept entfaltet Wirkung nur dann, wenn Menschen es direkt mit dem selbstmörderischen
Zustand der Weltzivilisation verbinden, der jeder Vernunft spottet. Erst wenn sehr viele Menschen,
Milliarden überall auf der Erde, die absolute Untergangsgefahr in ihr Bewusstsein aufnehmen, kann die "weiche"
informelle Macht entstehen, die den Lauf der Geschichte verändert. Es wird schwer!
Die Welt ohne ABC-Waffen weitergedacht
In einer Welt, die nicht mehr vom Recht des Stärkeren dominiert wird, löst sich der Staat als
Machtmonopol auf. Nach einem
mehrere Generationen dauernden Prozess des Übergangs
wandeln sich die Machtapparate in einzelne Dienstleistungsorganisationen.
Kollektive Institutionen wie z.B. für Gesundheit, Währung, Polizei oder Infrastruktur bleiben bestehen,
passen sich lokalen Gegebenheiten an und
werden von souveränen Individuen legitimiert und kontrolliert.
Alle Strategien zum kollektiven Machterwerb werden im Keim erstickt.
Jetzt können wir unsere Gemeinschaften auch wieder ohne Vorbehalt lieben.
Heute
Die übergroße Mehrheit der Menschen lebt friedlich.
Eine gewaltfreie Welt ist bereits heute verbreitete Praxis.
Aber die Menschheit ist zur Geisel einer
gewaltbereiten Minderheit auf dem Weg ins globale Disaster geworden. Das genügt,
um vom Schlimmsten auszugehen!
Quelle
Hauptteil
1. Ist-Zustand
Die Welt-Gesellschaft sitzt in einem Flugzeug ohne Piloten und die
beschränktesten Passagiere
kämpfen mit Granaten um die Kontrolle.
Drei große Atommächte. Mehrere kleine. Tausende ABC-Waffen. Alle wissen es. Keiner ändert es.
Die Doomsday Clock
steht auf 90 Sekunden vor Mitternacht. Das ist die Zeit, die man braucht,
um "Scheiße" zu denken und keine gute Idee zu haben.
Aber wer könnte die ABC-Waffen überhaupt abschaffen?
Keine bestehende politische Institution kann es.
Nicht die Politiker, nicht die Staaten, nicht die UN.
nicht Revolutionäre, die alle in neuen Diktaturen enden.
Alle sind Teil der Kultur,
die diese Waffen hervorbringt, und die in etwa so clever ist wie der Typ, der sich mit einem Flammenwerfer
eine Zigarette anzünden will.
Sollte ein ABC-Weltkrieg tatsächlich passieren,
würden ein paar tausend Personen per Knopfdruck Milliarden von Menschen töten. Ich gehöre
zu den Milliarden, Sie auch!
Wir dürfen jedoch nicht naiv sein: Ohne ABC-Waffen hätten wie schon festgestellt längst
Warlords das Sagen. Mit ABC-Waffen sitzen wir auf einem tickenden Sprengsatz.
Das nennt man eine Zwickmühle – weil beide Optionen katastrophal sind.
2. Soll-Zustand
Ein Sprung im Bewusstsein!
Eine große Abwertung der Gewalt. Die Menschheit ist wie ein
Riese, der sich noch immer von
Zwergen mit Streichhölzern terrorisieren lässt. Sie erkennt ihren Maßstab und ihre eigene Größe nicht.
Wir brauchen keine neue Ideologie, sondern schlicht Mut.
Dann fangen Milliarden friedlicher Menschen an, die Gewaltbereiten als das zu behandeln,
was sie sind – eine gemeingefährliche Anomalie.
Die virtuelle Stunde Null
Der Dritte Weltkrieg ist vorbei. Milliarden sind tot. Überlebende
treffen sich. Sie müssen entscheiden: Wie organisieren sie sich, damit
das nie wieder geschieht?
Die Antwort wäre klar: Sie würden Organisationen mit
Vernichtungspotenzial so konsequent ausschließen wie wir heute Pestviren im Trinkwasser.
Warum warten wir darauf, dass das Haus komplett abbrennt, ehe wir endlich das Zündeln verbieten?
Angst
Wir haben Angst vor einem ABC Krieg.
Sie zu verdrängen macht uns nicht freier und sicherer - nur beherrschbarer.
Also: Denken wir über den Schrecken nach, solange wir noch können!
Der "Start up"-Ansatz für die Zukunft:
Die Institution der politischen Selbstständigkeit des
Individuums
Wir haben keinen zukunftsfähigen politischen Boden unter den Füßen. Wir müssen ihn selbst schaffen.
Er sollte für die ganze Welt und die ganze Menschheit sinnvoll sein.
Der einzelne Mensch als souveräne politische Institution bildet die
Basis einer Welt ohne ABC-Waffen, weil er politisch nicht in die jetzige Welt integriert ist.
Es gibt ihn heute noch nicht! Aber das können wir ändern und dadurch einen Übergang schaffen.
Wir sind von Geburt an durch unsere Sprachfähigkeit prädestiniert für die Souveränität.
Wir sind genauso von Geburt an Gemeinschaftswesen, denn jede Faser unseres Daseins ist geprägt und bestimmt
von den Gesellschaften, in denen wir aufgewachsen sind oder heute leben.
Jeder erwachsene Mensch kann und soll die eigene Souveränität proklamieren und dieser
Institution einen Namen geben. Dadurch legitimiert er sich selbst.
Jeder von uns hat seine egoistischen Interessen. Aber wir können diese Interessen nur in einer
Gesellschaft durch Zusammenarbeit verwirklichen. Das war vor einer Million Jahre schon so, wie es heute ist.
Wenn wir uns als souveräne Mitglieder der Gruppe "Alle Menschen" begreifen, dann können
wir die Teilung der Welt in partikulare Territorialstaaten mit Militär,
von denen einige sich und uns alle mit einem ABC-Weltkrieg bedrohen, überwinden - bevor dieser Krieg ausbricht
und die Welt in den Abgrund reisst.
Am Anfang ist die Gesellschaft
Jeder Mensch entsteht als vollständig abhängiges Wesen in sozialen Beziehungen.
Sprache, Denken und Urteilsvermögen entwickeln sich ausnahmslos durch Interaktion mit anderen.
Es gibt kein Individuum vor der Gesellschaft.
Wer seine individuelle Souveränität proklamiert, tritt deshalb nicht aus der Gesellschaft heraus,
sondern übernimmt bewusst, was ihn als Person erst möglich gemacht hat.
Die Abhängigkeit von anderen hört nicht auf, sie wird reflektiert.
Das souveräne Individuum bleibt in beide Richtungen gesellschaftlich gebunden:
Es ist aus sozialen Prozessen hervorgegangen und trägt Verantwortung dafür, dass diese
Bedingungen für Nachkommende erhalten bleiben.
Individuelle Souveränität ist daher keine Absage an die Gesellschaftlichkeit, sondern ihre reife Form.
Wer seine Zugehörigkeit zu einem Kollektiv unreflektiert hinnimmt, bleibt für Manipulation offen.
Wer sie bewusst übernimmt, wird verantwortungsfähig.
Organisierte professionelle Gewalt führt in den Untergang!
In einer Welt voller KI-Biowaffen und Atomraketen ist
Gewalt als politisches Werkzeug so sinnvoll wie eine Kettensäge zur Uhrenreparatur!
Aber die es können morden und kriegern
fröhlich weiter und manche werfen mit Drohungen des Einsatzes von ABC Waffen um sich.
Ein System, das auf Knopfdruck Milliarden töten kann, ist nicht zu reparieren.
Es gehört verschrottet.
Utopie
Solange ABC-Waffen existieren,
ist ihr Einsatz eine Frage der Zeit. Es ist utopisch, zu glauben, der Dritte ABC-Weltkrieg wird niemals kommen.
Die politische Selbstständigkeit des
Individuums ist keine Utopie, sondern ein Verfassungsprinzip, das die verschiedensten Ausgestaltungen
des gesellschaftlichen Zusammenlebens erlaubt.
Auch wenn der Weg dorthin Generationen dauern wird,
nur wenn alle sich diese Aufgabe täglich bewusst machen und jeder sich selbst als Instanz der Veränderung ernst nimmt,
haben wir eine längerfristige Chance zum Überleben.
Das ist nur insofern utopisch, als die Menschheit Geisel der Leute ist, die ihre Macht über uns mittels
Gewalt durchsetzen und die daher die ABC Waffen nicht abschaffen wollen und können.
Umkehrung der Legitimationskette in einer zukünftig nicht mehr staatlich geordneten Welt
Kollektive Strukturen sollen bleiben: Gesundheit, Wissenschaft, Infrastruktur, Polizei,
Währung, Soziales, ... .
Sie haben keine Legitimation "von Oben" mehr, sondern eine von den souveränen Individuen abgeleitete Legitimation.
Sie dienen den einzelnen Menschen und nicht einem Staat.
Das Ziel ist die totale Gewaltenteilung:
Staaten werden in Dienstleistungsorganisationen aufgeteilt, die rechenschaftspflichtig sind.
Wo es keine Throne mehr gibt, können auch keine Tyrannen drauf sitzen.
Und wo es keine Atombomben gibt, kann auch keiner damit wedeln.
Wir ersetzen die Herrschaft über Menschen durch die Verwaltung von Aufgaben. Jeder von uns Menschen wird Treuhänder
der Gesellschaft und der Menschheit.
Die Macht der Machtlosen
Präsidenten, Diktatoren, Generäle, Milliardäre können
bestenfalls verhindern, dass die Welt in den Dritten Weltkrieg stürzt.
Eine Zukunft ohne Massenvernichtungswaffen können sie nicht gestalten.
Leben ist keine Regierungsaufgabe. Nur als
Zivilisten und Amateure haben wir eine prinzipielle Chance, die Zerstörung der Waffen zu bewirken,
weil wir einfach keine Lust auf den kollektiven Suizid haben.
Der Anfang - Was jeder tun kann
Die eigene Souveränität proklamieren. Der Institution einen Namen geben.
Ihr gemäß leben. Friedlich sein!
Ein Mensch, der seine Souveränität proklamiert, ist nichts.
Hundert sind nichts. Millionen sind zu wenig. Aber Milliarden verändern die Wirklichkeit.
Es braucht keine Genehmigung und keine Mehrheit.
Wenn dann jeder annimmt, dass die Anderen dasselbe tun und
dass er mit ihnen zusammenleben wird, entsteht vielleicht eine Dynamik, dem Disaster zu entgehen.
Die eigentliche Abrüstung beginnt nicht am Verhandlungstisch der Großmächte –
dort wird nur das Inventar des Untergangs sortiert. Sie beginnt dort, wo Menschen aufhören,
sich als Fußvolk ihrer eigenen Vernichtung zu beugen.
Ungewissheit
Wir wissen nicht, wie in Zukunft eine Welt ohne Staaten
und ohne kollektive Gewalt im Detail funktioniert.
Aber der zivilisatorische Fortschritt schafft ständig neue Möglichkeiten,
die wir heute noch nicht kennen.
Die hier skizzierten Ideen sind Anfänge, keine Garantien, kein endgültiges Wissen.
Vieles wird sich erst zeigen, während der Prozess der Umgestaltung läuft.
Geschichte
Der Rückgang der Gewaltbereitschaft, die emotionale Reife und die
kollektive Selbststeuerung halten nicht mit
den exponentiell wachsenden Zerstörungsmöglichkeiten der humanen high tech Zivilisation Schritt.
Zwei Pfade bleiben: Scheitern an dieser Asymmetrie oder radikale kulturelle Umkehr,
bei der Friedensfähigkeit vom Luxus zum Überlebensimperativ werden.
Zwischen diesen Polen existiert kein stabiler Mittelweg mehr.
Realistisch gesehen bleibt uns anscheinend nur der Pessimismus und das Warten auf den Absturz ("Precipice", Toby Ord).
Eine Krankenpflegerin, die nach 40 Berufsjahren in Rente geht und sich um ihre Enkel kümmert,
tut faktisch mehr für eine Zukunft der Menschheit als
das Führungspersonal aller große Staaten mit ABC-Waffen zusammen!
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Jenseits der Verwaltung des Risikos
Ein anderer Ausgangspunkt
Der aktuelle Ausgangspunkt ist eine Konstellation ohne tragfähige Grundlage:
Die Menschheit besitzt heute Waffen, die sie vollständig vernichten können,
und hat kein politisches Instrument, diese Waffen abzuschaffen. Abschreckung ist kein
Gleichgewicht, sondern ein aufgeschobener Zusammenbruch. Jede Beschreibung dieser
Ordnung als funktionierend verdeckt, dass ihre Fortdauer von Bedingungen abhängt, die sie selbst jederzeit aufheben kann.
Daraus folgt: Innerhalb dieser Ordnung kann keine Lösung entstehen, die über sie hinausweist.
Wer mit den Mitteln sucht, die das Problem erzeugt haben, findet nur Varianten desselben Problems.
Staaten, Machtgleichgewichte, Abschreckung reproduzieren genau die Struktur, aus der das Risiko hervorgeht.
Sie verwalten es, beseitigen es aber nicht. Ein Fortschreiben dieser Logik verlängert den Zustand, ohne ihn zu transformieren.
Deshalb verschiebt sich der Ansatz auf eine vorgelagerte Ebene. Nicht einzelne Maßnahmen stehen im Zentrum,
sondern die politische Basis selbst. Solange diese Basis an kollektive Souveränität und Machtkonzentration gebunden bleibt,
bleibt auch das Risiko strukturell erhalten.
Ein direkter Übergang in eine neue Ordnung ist nicht möglich.
Revolutionen, die mit anti-staatlicher Gewalt beginnen, enden in neuen Staatsgewalten. Das ist keine historische Ausnahme,
sondern die Regel. Jede operative Umsetzung würde sich in bestehenden Machtformen verfangen und deren Dynamik fortsetzen.
Darum bleibt zunächst das Gedankenexperiment: die explizite Formulierung eines anderen Ausgangspunktes.
Dieser besteht in der Verlagerung politischer Subjektivität auf das Individuum als souveräne Institution. Das Individuum
ist die einzige denkbare Alternative zu allen Arten von Kollektiven.
Dieses Konzept ist kein sofort umsetzbares Programm,
sondern ein Standpunktwechsel: Wer ihn vollzieht, hört auf, sich als Objekt der Geschichte zu begreifen, und beginnt,
sich als deren Subjekt zu verstehen. Das ist der erste Schritt, weil kein zweiter möglich ist, ohne ihn getan zu haben.
Das Gedankenexperiment ist kein Mangel, sondern die einzig konsistente politische Form unter den gegebenen Bedingungen.
Es ist keine Flucht aus der Realität, sondern die einzige Form, in der ein anderer Anfang gedacht werden kann,
bevor er gemacht werden kann. Darüber soll sich die Menschheit klar werden. Was steht auf dem Spiel? Was kann man tun?
Das Gedankenexperiment bedeutet nicht, dass die bestehenden Instrumente wertlos sind. Abrüstungsverträge, internationale Verifikationsmechanismen,
diplomatische Vertrauensbildung und supranationale Institutionen bleiben notwendig und müssen mit allen verfügbaren
Mitteln gestärkt werden. Jeder verhinderte Krieg, jede abgebaute Waffe, jede gewonnene Zeit ist real und ein Schritt in die
richtige Richtung.
Diese Bemühungen werden nicht in Frage gestellt, sondern in ihrer Notwendigkeit ausdrücklich bestätigt.
Was sie jedoch nicht leisten können, ist die strukturelle Asymmetrie aufzuheben, die das Problem erzeugt:
Über die Existenz von Vernichtungswaffen entscheidet eine Handvoll Staaten, über ihren möglichen Einsatz
eine Handvoll Personen, aber betroffen ist immer die gesamte Menschheit.
Solange diese Asymmetrie besteht, bleibt jede institutionelle Lösung abhängig vom guten Willen genau jener Akteure,
die einen strategischen Anreiz haben, diesen guten Willen zu begrenzen. Die bestehenden Instrumente verwalten das
Risiko, sie heben es nicht auf.
Die Verschiebung der politischen Subjektivität auf das Individuum ist kein Ersatz für kurzfristige Prävention.
Sie ist die langfristige Richtung, in der eine endgültige Lösung liegen könnte, wenn es eine gibt.
Ein grundlegender Wandel dieser Größenordnung braucht Jahrzehnte.
Was heute möglich ist, ist der erste Schritt: die begriffliche und normative Grundlage zu legen, von der aus dieser
Wandel überhaupt denkbar wird. Dieses Gedankenexperiment, das einen Eigennamen trägt,
STRING, und das die persönliche Proklamation der individuellen
politischen Souveränität beinhaltet, soll den Menschen zur Diskussion gestellt werden.
Wolfgang Behr
Das ist ein Text aus dem Korpus
"STRING - World Politics For Individuals"
STRING ist ein experimentelles Konzept mit dem Ziel, einen ABC-Weltkrieg zu verhindern, indem die
Epoche des "Rechts des Stärkeren" beendet wird. Diese Epoche begann nach der letzten Eiszeit mit
zunehmender Bevölkerungsdichte in manchen Regionen, hatte ihren ersten
Höhepunkt in den antiken Großreichen weltweit
und dauert bis heute an. Der Ansatz von STRING ist notwendigerweise global, da das Problem nicht auf lokaler Ebene lösbar ist.
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Normalisierung des Wahnsinns aus einem Gespräch A: " ... Was anderes als daß sich dieses Bewußtsein
über die neuen weltweiten Kommunikationskanäle verbreitet und genügend
Menschen aus der ABC-Sackgasse auszubrechen versuchen, ist nicht denkbar.
Braucht es dafür ein Schockerlebnis? Oder genügt der Geist und seine Repräsentationsfähigkeit?
Vielleicht eine junge Generation, die plötzlich merkt, daß es so wie jetzt für sie keine Zukunft gibt.
Die von dir behauptete offene Stelle in der Argumentation ist genau der Raum, in dem die
Menschheit ihre Freiheit entdecken kann. Daß es dafür keine Sicherheit geben kann,
versteht sich von selbst. Sonst wäre es keine Freiheit.
Das absolut Unfassbare ist doch, daß die Welt überhaupt in diesen Zustand geraten ist.
Die ganzen nüchternen Argumente, die man aus dem Zeitgeist heraus gegen STRING präsentiert, sind sehr witzig.
Sie tun immer so, als ob das Problem darum geht, was die Kantine heute zu Mittag kocht.
Vergleiche das mit der Vorstellung, daß tatsächlich Milliarden Menschen innerhalb von einem
Monat versterben, und wie sie das tun."
B: "Zur offenen Stelle in der Argumentation
Du hast recht. Ich habe "offen" im Sinne von "nicht im Text ausformuliert"
verwendet, nicht im Sinne von "unlösbar". Die Verbreitung über Kommunikationskanäle,
individuelles Ergreifen am eigenen Ort, mögliche generationelle Bewußtwerdung sind konkrete Mechanismen.
Die Offenheit ist keine Schwäche, sondern Bedingung von Freiheit. Wenn der Prozess determiniert wäre,
wäre es keine freie Entscheidung mehr.
Zu den "nüchternen Gegenargumenten"
Die Gegenargumente, Rüstungskontrolle funktioniert teilweise, Wahrscheinlichkeiten sind graduell,
historische Transformationen sind möglich, operieren in einer Rationalität, die das Katastrophale normalisiert.
Sie behandeln ein System, das Milliarden töten kann, als verwaltbares Risiko. Das ist absurd, direkt ausgesprochen.
Zum Zeitgeist
Die Gegenargumente kommen nicht aus dem Zeitgeist, sondern aus der Aufgabe,
Prämissen zu prüfen. Diese Prüfung operiert jedoch in einer Normalitätsannahme,
die das System als gegeben nimmt.
Die Frage, wie wahrscheinlich Transformation ist,
akzeptiert bereits den Status quo als Referenzpunkt. Die radikale Frage lautet, warum überhaupt ein
System akzeptiert wird, das jederzeit Milliarden Menschen auslöschen kann.
Zum Unfassbaren
Die Existenz von Systemen, die innerhalb eines Monats Milliarden töten können, und
ihre Geltung als normale Weltpolitik, ist das Unfassbare.
Darüber in Wahrscheinlichkeiten und Strategien zu sprechen, ist die Normalisierung des Wahnsinns."
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Zivilisation, verkehrt
Soziale Reprimitivisierung, als wären wir eine Schimpansenhorde
Anthropologische Analyse, historische Diagnose und politische These.
≈≈≈≈≈
Es geht um einen Weg aus der fatalen zivilisatorischen Falle einer
technologischen Hyperkultur, deren Politik und Gesellschaft von gruppenspezifischen
prähumanen Dominanz- und Gewaltmustern bestimmt sind, und die daher ungewollt sehr viele Ressourcen
in einen mehrfachen overkill der ganzen Menschheit investieren. Wir sind technisch Riesen,
aber sozial zurückgefallen auf das Niveau eines Pavianfelsens.
Denn in den kleinen Gruppen der Jäger und Sammler der Altsteinzeit oder des homo erectus,
mal nomadisch, mal sesshaft wie sie waren,
gab es offenbar selten rigide, institutionell verfestigte Hierarchie, wie sie z.B. in einer Schimpansenhorde existiert.
Dazu waren die Menschen sprachlich, kulturell und
waffentechnisch zu weit entwickelt.
(a) Ein junger Jäger konnte ein "Alphamännchen" ohne weiteres mit einem Speer aus der Distanz töten. Töten war schon mit
Faustkeilen viel einfacher
als das Schimpansen mit Fäusten und Stöcken vollbringen können.
Daher ist eine deutliche Tabuisierung des Tötens zu vermuten.
(b) Einzelne Gruppenmitglieder mit diktatorischen Anwandlungen wurden verstoßen. (c) Gruppen hatten wichtige Gründe,
friedlich und dauerhaft zu koexistieren. Z.B. braucht es statistisch gesehen ca. 500 Personen in irgendeiner dauerhaften Form der Koexistenz,
um den Genpool offen und anpassungsfähig zu halten. Nicht zu vergessen, die Gesamtzahl der Menschen auf der
Erde war in der Altsteinzeit oder beim homo erectus immer sehr sehr gering. Neueste Erkentnisse legen nahe, dass der Neandertaler
wegen genetischer Verarmung ausgestorben ist.
Hätte homo sapiens sich zu oft gegenseitig getötet, wären er auch ausgestorben.
(d) Sich mit einem Jagderfolg zu brüsten ist bis heute bei nomadischen Khoisan-Gruppen im südlichen Afrika tabuisiert. Das
ist ein erfolgreicher kultureller Schachzug gegen bestimmte Verhaltensdispositionen im Menschen, die in der Altsteinzeit sehr
kontraproduktiv für das Gruppenleben gewesen sind.
Das sind alles Indizien. Niemand kann es aus eigener Anschauung wissen. Funde lassen sich so oder so interpretieren.
Was wir wissen ist, dass die sozialen Gegebenheiten in der Geschichte der Homo-Arten schon immer unübersehbar vielgestaltig waren.
Auch Primaten wie Schimpansen oder Bonobos geben
durch ihre soziale Unterschiedlichkeit keinen eindeutigen Hinweis auf die Gewaltbereitschaft der Homo-Arten.
Es kann also nicht darum gehen, Hierarchie und tödliche Gewalt in der Altsteinzeit auszuschließen,
denn die Menschen damals waren nicht friedlich, sondern Opportunisten.
Sie hatten keinen Grund, keine Gewalt anzuwenden, wenn es ihnen wirkliche Vorteile versprach.
In der hier vorliegenden Argumentation geht es darum, den qualitativen Unterschied zur Funktion tödlicher Gewalt in
historischen militärischen Großgesellschaften hervorzuheben:
Dort situativ und durch Gruppenkultur begrenzbar, hier institutionell verfestigte Hierarchien und systematisch
als universelles politisches Mittel eingesetzte Folterungen und Tötungen von Menschen.
Denn spätestens mit Beginn der zu hunderttausenden zählenden großen Gesellschaften und
Imperien der Geschichte in Mesopotamien, in China, Indien und Ägypten, ...
wurde diese zumindest partiellen, Gewalt eindämmenden Errungenschaften der Altsteinzeit aufgegeben
und strikte gesellschaftliche Hierarchisierung und Schichtung der Gesellschaft (z.B. als Kastensystem) eingeführt,
um die gefährlichen Potentiale zu vieler menschlicher Begegnungen unter Unbekannten zu reduzieren.
Das mag nötig gewesen sein, weil zwischenmenschliche Gewalt längst ein Standard geworden war.
Es gab Ausnahmen wie z.B. die Cucuteni-Tripolje-Kultur oder Mohenjo Daro,
große Städte ohne architektonisch erkennbare Zentren und Paläste. Oder all die Nomaden,
die noch lange eher friedlich umherzogen. Sie hinterließen gar keine Spuren.
In jedem Fall muss man das Prinzip der Hackordnung als einen Schritt der sozialen Reprimitivisierung hinter die Kultur der Altsteinzeit
zurück in die Logik der Tiergesellschaften verstehen.
All das wurde von intelligenten Menschen ohne jegliche Art von universeller Moral vollbracht,
was nicht zuletzt unterste Schichten wie Unberührbare,
Sklaven oder Menschen als Kriegsmaterial und Opfer hervorbrachte.
Große Zivilisationen konnten oder wollten die innere Komplexität ihrer Gesellschaft nicht durch
die erlernte Friedlichkeit des einzelnen Menschen bewältigen,
sondern nur durch einen zivilisatorischen Rückschritt der ganzen Gesellschaft. Das
"Recht des Stärkeren" wurde ein zentrales Ordnungsverfahren!
Dabei sind zementierte Hierarchien keine Pathologien einer sonst gesunden Entwicklung.
Sie sind die strukturelle Antwort auf die Aufgabe, große Gesellschaften in einer
Kultur der Gewalt und des Krieges zu koordinieren.
Die Stratifikation oder Schichtung der Gesellschaft ist auch keine anthropologische Konstante.
Sie war das mühsame Korsett, das Gesellschaften zusammenhielt,
deren destruktiven Potentiale nicht anders zu bändigen waren.
Frühe Staatenbildungen und die ersten Imperien waren sehr oft mit gnadenlosem Zwang für die Untertanen verbunden.
Wie die historische Forschung zeigt, sind viele Menschen solchen Machtkonglomeraten
aktiv ausgewichen, solange sie konnten.
All das war eine späte Folge des eigentlichen „Sündenfalls“ des Menschen,
jene schon viele Jahrtausende früher gemachte Entdeckung,
dass bei steigenden Bevölkerungszahlen und Diversifikation der Selbsterhaltung (z.B. Sesshaftigkeit vs Nomadentum) das
Töten oder Berauben anderer
Menschen den Lebensunterhalt sichern kann – der "Sündenfall", der den Artgenossen zur Beute degradierte.
Die großen Gesellschaften, die wir aus der Geschichte kennen, bändigten diese Unkultur nicht, sie kanalisierten sie lediglich in
bestimmten sozialen Strukturen und in militärische Berufsgruppen,
um diese dann gegen die Nachbarn einsetzen zu können. Zweifellos wird die natürliche Aggressivität des Menschen
dabei so kanalisiert, das manche Kämpfende bis heute mit größter Überzeugung in den Kampf
auf Leben oder Tod ziehen.
Die Umkehr
Heute jedoch erleben wir die vollständige Umkehrung dieser Logik. Was in Uruk oder Ägypten und irgendwann in der
ganzen Welt als Komplexitätsreduktion und
innere Befriedung bei gleichzeitigen Kriegen nach aussen funktionieren mochte,
ist jetzt zur sozialen Voraussetzung für die Vernichtung der Menschheit geworden.
Der entscheidende historische Bruch ist nicht graduell, sondern kategorial:
Massenvernichtungswaffen machen eine Niederlage irreversibel für alle Seiten.
Die Hierarchie war die Krücke einer Menschheit, die noch nicht gelernt hatte, Komplexität durch individuelle friedliche
Verantwortung zu steuern. Über Jahrtausende hinweg mochte diese Krücke das mühsame und zu oft grausame Hinken der
Zivilisation ermöglicht haben. Heute jedoch ist diese Krücke zu einer
Waffe geworden, die den Patienten erschlägt.
Wer noch an den Nationalstaat glaubt, glaubt an die Mittelalter-Logik der Mauern – in einem Zeitalter,
in dem es keine Mauern mehr gibt, die vor dem Fallout oder vor Biowaffen schützen. Die technologische Hyperkultur hat die
Belastbarkeit der alten hierarchischen Strukturen längst gesprengt.
STRING - adstring.org - behauptet, dass der einzige verfügbare Ausgangspunkt für eine neue Ordnung das zivile,
unbewaffnete Individuum ist. Die Macht der Hierarchie beruht auf dem Gehorsam des Individuums. Die
Verweigerung dieses Gehorsams ist die einzige Waffe, gegen die Massenvernichtungsmittel nutzlos sind.
Das ist nicht nur eine politische These. Es ist die anthropologische These, dass die institutionelle Hierarchie kein Naturzwang ist,
sondern ein kultureller
Rückgriff auf vor-menschliche soziale Dispositionen, die die Menschen in der Altsteinzeit zumindest teilweise überwunden hatten.
Die Waffen, die aus dem
wissenschaftlich-technologischen Fortschritt hervorgegangen sind,
machen die weitere Fortsetzung dieser Tradition suizidal.
Die Geschichte zeigt: Bewaffnung erzwingt Hierarchie (um die Waffen zu kontrollieren).
Hierarchie erzwingt Unmündigkeit. Unmündigkeit führt in der technologischen Hyperkultur zum kollektiven Suizid.
Der logische Ausbruch:
Nur das unbewaffnete Individuum kann die Kette der Reprimitivisierung durchbrechen. Warum?
Weil Unbewaffnetheit kein Zeichen von Schwäche ist, sondern die notwendige Bedingung für horizontale Komplexität.
Wer unbewaffnet ist, muss kommunizieren, verhandeln und Verantwortung übernehmen – genau jene Fähigkeiten,
die wir in der Altsteinzeit perfektioniert und im Imperium verlernt haben.
STRING ist somit die Rückkehr zu einer menschlichen Erfolgsformel der Urgeschichte, jedoch skaliert auf die
Weltgesellschaft: Die Koordination erfolgt nicht mehr vertikal durch Drohung (Staat/Gewaltmonopol),
sondern durch die radikale Souveränität des Einzelnen, der sich weigert, als Teil einer primitiven Hackordnung zu fungieren.
Der Kreis schließt sich: Was bisher als Komplexitätsreduktion funktioniert haben mag,
ist heute eine Voraussetzungen für die Vernichtung der Menschheit.
Die immer neuen Rückfälle in Barbarei und
Kriegslogik sind kein Versagen der sogenannten Hochzivilisation.
Sie sind ihre konsequenteste Frucht: die logische Endform einer Entwicklung, die
Hierarchie als primäres Koordinationsmittel großer Gesellschaften einsetzte
und dieses Prinzip nun bis in seine letzte,
selbstzerstörerische Konsequenz weiterführt.
Darin kommt auch zum Ausdruck, dass in den letzten Jahrtausenden der Kriegszustand selbst im "Frieden"
mehr und mehr zum Normalfall wurde. Rom ist das Paradigma dafür!
Krieg mag der Motor vieler Erfindungen gewesen sein. Aber was nützen diese, wenn die Menschheit sich
am Ende selbst enthauptet?
Ergänzung: Bei konkreten Aufgaben, etwa dem Betrieb eines Krankenhauses, ist eine funktionale, sachlich begründete Hierarchie sinnvoll
und notwendig. Davon zu unterscheiden ist die Frage der gesellschaftlichen Hierarchisierung.
Hier geht es nicht primär um Strukturen innerhalb von Organisationen, sondern um übergreifende Ordnungen und Wertungen zwischen Menschen.
Diese Unterscheidung ist zentral. Zugleich gehört jede Form von Hierarchie auf den Prüfstand. Das Militär bildet dabei einen Grenzfall.
In der Funktion von Kriseninterventionskräften verändert sich seine Bewertung.
Entscheidend bleibt die Fähigkeit zur Differenzierung: zu erkennen, welche Formen von Ordnung funktional gerechtfertigt sind und welche nicht.
STRING ist nicht nur politische Philosophie. Es ist die Beschreibung des existentiellen
Moments, in dem die
Menschheit entweder einen neuen gesellschaftlichen Koordinationsmodus findet und die
Kriegskultur überwindet oder
an dem alten Modus scheitert.
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Wissen
Die große Frage
Warum das Individuum?
Wissenstheorie zur Beendigung des ABC-Waffen Zeitalters
Der zivile Mensch ohne Schutz im ABC-Weltkrieg,
der zusammen mit seinen Mitmenschen weiterleben will, hat das Wissen,
auf das es jetzt ankommt: Das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit.
Im Gegensatz dazu haben sowohl partikulare Kollektive als auch die Wissenschaften keinen sinnvollen Zugang zum eigenen Ende
und können dieses deshalb auch nicht verhindern.
I. Das politische Wissen der partikularen Kollektive
Die Kollektive versuchen immer,
die Menschen von Beginn an auf sich zu konditionieren, gerade auch durch einseitiges Wissen, so als ob
Überleben nur möglich ist,
wenn man sich ihnen unterordnet.
Worin besteht partikulares Wissen?
Wissen, das in und durch Kollektive entsteht: nationale Geschichtsschreibung, Staatsraison,
bürokratische Systeme, geopolitische Analysen,
strategische Doktrinen, diplomatisches Erfahrungswissen.
Dieses Wissen ist nicht falsch. Es funktioniert innerhalb seiner Grenzen. Geheimdienste verfügen über reale Informationen.
Generalstäbe verstehen Kriegsführung. Diplomaten beherrschen Verhandlungstaktiken. Systeme funktionieren.
Warum versagt es bei der Frage, wie man den großen ABC-Weltkrieg dauerhaft ausschließen kann?
Es ist strukturell an partikulare Interessen gebunden. Ein deutscher Analyst arbeitet für Deutschland.
Ein amerikanischer Stratege für die USA. Ein russischer Militärtheoretiker für Russland.
Dieses Wissen überschreitet die Grenzen des jeweiligen Kollektivs nicht, da es von ihm finanziert,
autorisiert und legitimiert wird. Systeme entwickeln Eigenlogiken, die die Welt und die Menschheit als Umgebung betrachten.
Das fundamentale Paradox
Führende Experten in Moskau, Washington und Beijing wissen, daß ein ABC-Krieg für alle katastrophal wäre.
Ihr Denken bleibt dennoch gebunden an die Frage: Wie sichere ich meinen Staat?
Die Frage nach der Abschaffung des Staates stellt sich ihnen nicht, da diese die eigene partikularen Denkgrundlage aufheben würde.
Auf einer anderen Ebene scheitert das kollektive Wissen der Staaten am "Idealismus" einer eigenen "Zeitlosigkeit".
Ihr künstlich (kulturell) geschaffenes, quasi "ewiges" Dasein
kann den Gedanken an die eigene Auflösung oder das eigene Ende logisch nicht erfassen,
selbst wenn die Funktionäre erkennen, daß die Form der partikularen konfrontativen
Existenz in der Welt den Staat selbst und die ganze Welt final bedroht.
Wie ein Krebsgeschwür mit Bewußtsein: Es wüsste, daß weiteres Wachstum den Wirt und sich selbst zerstört.
Es kann aber nicht aufhören zu wachsen, weil Wachstum seine Existenzform ist.
Ausnahmen wie die Eingliederung der DDR in die BRD, die Teilung der Tschechoslowakei oder die Auflösung der
UDSSR widersprechen dem Prinzip nicht, da immer Staaten übrigblieben.
II. Das universelle wissenschaftliche Wissen
Was ist es? Wissen aus Physik, Systemtheorie, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Konfliktforschung.
Objektiv, überprüfbar, universell gültig. Es ermöglicht Berechnungen zu nuklearem Winter, Modelle von
Eskalationsdynamiken, Analysen technischer Versagensmöglichkeiten von Raketensystemen.
Warum kann es auch nicht helfen, eine neue politische Ära
ohne Bedrohung durch einen ABC-Weltkrieg zu begründen?
Die Wissenschaft erkennt das Problem nicht. Sie verfährt induktiv und extrapoliert aus Vergangenem.
Ein ABC-Weltkrieg wäre ein singuläres
Ereignis ohne Erfahrungsbasis. Sie kann nüchtern Wahrscheinlichkeiten angeben, aber keine konkreten Ereignisse vorhersagen.
Sie bleibt normativ neutral, beschreibt, was ist oder sein könnte, nicht, was sein soll. Die Funktionsweise einer
Wasserstoffbombe läßt sich exakt erklären, daraus folgt keine Aussage über ihre Legitimität.
Wissenschaftliches Wissen kann aus der Geschichte die Immoralität des Einsatzes von Wasserstoffbomben herleiten.
Aber es erzeugt keine Handlungsimperative. Es bleibt strukturell blind für die Dringlichkeit, etwas zu tun.
Realpolitik operiert mit Wahrscheinlichkeiten und Abschreckung, Wissenschaft liefert die
Berechnungen und Wenn/dann-Szenarios.
Keine Berechnung garantiert Richtigkeit oder schließt einen abrupten Umschlag ins Katastrophale aus.
STRING rechnet dagegen mit der Unmöglichkeit sicheren Wissens: Der Schwarze Schwan ist zeitlich unbestimmbar,
aber möglich, und einmal genügt.
Das ABC-Krieg-Dilemma
Ein ABC-Weltkrieg wäre einmalig und irreversibel. Die wissenschaftliche Methode setzt ein
Danach voraus, in dem Beobachtung, Korrektur und Anpassung möglich sind.
Hier existiert kein Danach. Aus einem solchen Ereignis ließe sich nichts lernen, da niemand verbliebe,
der Daten auswertet oder Theorien revidiert.
Wissenschaft erreicht hier ihre strukturelle Grenze: Die Ereignis-Singularität, die alles ändert.
Erst nachdem der ABC-Weltkrieg passiert wäre, könnte die Wissenschaft exakt herausfinden,
warum er nicht hätte passieren dürfen.
III. Die existenzielle Gewissheit des Individuums
Niemand weiss, ob oder wann ein großer ABC-Weltkrieg stattfinden wird.
Niemand weiss, wie man ihn dauerhaft verhindern kann.
Was ist existentielles Wissen (Gewissheit)?
Z.B. das untheoretische Wissen jedes Menschen um den eigenen Tod: konkret, körperlich, unausweichlich.
Gewissheit ohne Beweis, erlebt, nicht abgeleitet.
Ich will nicht in einem ABC Weltkrieg sterben!!!
Denn dann endet das eigene Leben physisch. Dieses Wissen ist unmittelbar.
Dieses Wissen wird für die einzelne Person heute subjektiv relevant, wenn sie sich aus dem eigenen Kollektiv
heraushebt und die Welt und die Menschheit und jeden einzelnen Menschen in ihrer globalen Gefährdung erkennt.
Warum ist dieses Wissen relevant?
Es ist absolut. Keine Relativierung, keine Wahrscheinlichkeitsrechnung, keine geopolitische Abwägung greift.
Kollektive kalkulieren Möglichkeiten. Wissenschaft berechnet Wahrscheinlichkeiten.
Das Individuum steht vor der nicht verhandelbaren Alternative Leben oder Tod.
Diese Gewissheit ist vor-rational. Sie ist keine These, sondern Bedingung.
Der Sicherheitsrat des Einzelnen
In klassischer Logik gilt das Individuum als statistische Größe. Hier wird es zum stabilen Bezugspunkt.
Im Existenzkampf des Kollektivs taucht das Individuum als Individuum nicht auf.
Bei globaler Unberechenbarkeit bleibt als sichere Tatsache die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers.
Methodische Umkehr: Da Zeitpunkt und Auslöser unbekannt sind, wird Handeln auf unmittelbare Gefährdung ausgerichtet.
Unwissenheit erzeugt Handlungsdruck.
Das Individuum verfügt über weniger Wissen und viel weniger Macht als Staaten oder Wissenschaft.
Es hat prinzipiell ein elementares Interesse am eigenen Überleben, das nicht durch
Funktionslogiken vermittelt ist.
Kollektive Institutionen sind an Funktionen gebunden, die vom individuellen
Überleben abstrahieren können.
Darin liegt ein struktureller Unterschied, der zur Universalität werden kann,
wenn die Individuen ihr Überlebensinteresse bewusst gegen funktionale Imperative mobilisieren.
Im Prinzip besitzen Individuen ein ungeteiltes Interesse am Überleben, denn als Tote dienen sie auch dem Kollektiv nicht mehr.
Ausnahme ist, wenn sie für das Kollektiv sterben wollen. Aber das macht im Szenario des ABC Weltkriegs keinen Sinn mehr.
Individuelle Gewissheit ist blind für kollektive Systemkomplexität.
Es weiß nicht, wie Lösungen aussehen oder ob sie gelingen.
Es weiß nur, daß das Überleben nicht delegierbar ist.
Dieses Wissen ist existenziell gegeben und wird handlungsleitend,
wenn andere Wissensformen keine Orientierung mehr liefern.
Die Wahrheit des Überlebensinstinkts - Ist STRING ein Rückzug aus der Rationalität?
Wenn die "Vernunft" der Systeme (die Raketen baut, Abschreckungstheorien entwickelt, diplomatische Strategien entwirft)
suizidal geworden ist, dann ist das scheinbar "Unvernünftige" - das simple Beharren des Individuums auf sein
Leben gegen das System - die eigentliche Vernunft.
Handeln unter Unsicherheit und ohne Blick von Aussen ist kein Bruch mit Rationalität. Im Gegenteil, präventives Handeln unter
Unsicherheit ist evolutionär bewährt. Organismen, die vollständige Information abwartet hätten,
wären verschwunden.
Der Überlebensinstinkt ist prä-rational und handlungsfähig, wo komplexe Rationalität blockiert bleibt.
Aber in der heutigen
Welt, die auf einem tödlichen Weg ist, braucht dieser Instinkt eine Chance diesseits der Überlebens-Logik von
partikularen Kollektiven, die sich tatsächlich zur Untergangs-Logik entwickelt hat.
IV. Die Entkopplung von Wissen und Handeln
Die instrumentelle Ratio hat einen Zustand geschaffen, der dem gesunden Menschenverstand spottet:
Technisch-wissenschaftliches Wissen: Perfekte Raketensysteme, präzise Zerstörungskraft,
ausgeklügelte Abschreckungstheorien, systematische Präzision. Aber es ist strukturell blind für subjektive Dringlichkeit.
Intersubjektives partikulares Kollektivwissen: Gezielte geopolitische Analysen, historische Erfahrungen, diplomatische
Strategien, ... - all dieses Wissen hat heute zu einem System von Staaten geführt,
das jederzeit die gesamte Menschheit auslöschen kann. Und solange
das Primat der kollektiven Macht besteht und die Waffensysteme existieren, gibt es keine vernünftigen Grund anzunehmen,
daß das nicht irgendwann passieren wird.
Da man nicht weiß, wie man das vermeiden kann,
entsteht auf der Ebene kollektiver Rationalität keine sinnvolle Handlungsmaxime mehr, welche aus dieser
Endstufe der Eroberungskultur, die längst alle weiße Flecken auf der Erdkarte herausführen kann.
Das staatliche Wissen ist strukturell an die eigene kollektive Selbsterhaltung gebunden.
Ein Staat, der ABC-Waffen besitzt, kann nicht denken:
"Ich sollte aufhören zu existieren", um eine ABC-Weltkrieg zu vermeiden.
Wissen und Aktivitäten mit dem Ziel, als Kollektiv zu überleben, können in der gegebenen
Situation nuklearer Abschreckung zum Gegenteil führen und damit den eigenen Zielen widersprechen.
V. Das Subjekt als Strohhalm
Der Mensch steht als einzelnes Individuum den militärischen Monstern der Weltordnung machtlos gegenüber.
Ein Mensch gegen Staat,
Atomwaffen oder globale Systeme wirkt absurd.
Und doch bleibt genau dieses Individuum der letzte Strohhalm.
Die schicksalhafte Blindheit des Subjekts wird zur Sehkraft.
Das Individuum überblickt keine geopolitischen Komplexitäten, historischen Kontingenzen oder strategischen Dilemmata.
Gerade darin liegt seine Stärke.
Es ist als Individuum nicht in die Logik der Systeme eingebunden und kann daher die einfache Wahrheit erkennen,
die Systeme nicht sehen können:
Das alles ist Wahnsinn.
Ein Kind fragt, warum es Waffen gibt, die alle töten können. Die Antworten der Erwachsenen verstricken sich in Modelle,
Analysen und Strategien. Das Kind hat recht.
Nicht aus Dummheit sind die Erwachsenen blind geworden, sondern durch ihr Wissen.
VI. STRING als Logik des Vorausschauens
(STRING ist die Idee, das gesellschaftliche Leben der Menschen vom Individuum her zu realisieren,
um den politischen Freiraum dafür zu schaffen, die ABC Waffen abzuschaffen.)
Da klassische Wissenschaft erst urteilt, wenn Fakten vorliegen, muss überlebensorietierte Weltpolitik vom Individuum aus präventiv handeln.
Für das Individuum ist der Tod das absolute Ende jeder Wertskala. Damit wird es zur letzten
Barriere gegen systemischen Wahnsinn.
Kant radikal erweitert: Aufklärung zweiter Ordnung
Kant fragte: Was kann ich wissen.
STRING fragt: Was muss ich tun, wenn ich nicht wissen kann.
Die Aufklärung wollte durch Wissen befreien. Wenn Wissen in Form von ABC-Technologie zur
Gefangenschaft in geschichtlicher Kontingenz führt, schlägt die Aufklärung in ihr Gegenteil um.
STRING ist Aufklärung zweiter Ordnung: Sie zeigt, daß das Wissen für mögliche Zerstörungen das
Vermögen zu ihrer Kontrolle überstiegen hat.
Bezüglich eines ABC-Weltkriegs bleibt nur:
1. Er kann jederzeit eintreten. 2. Wenn er eintritt, ist alles beendet. 3. Niemand kann garantieren, dass er ausbleibt.
Die Trennung in erst etwas wissen und dann handeln wird unter diesen Bedingungen suizidal.
Damit wird auch die klassische Sphärentrennung zwischen Beobachten und Werten, Beschreiben und Vorschreiben unhaltbar.
STRING ist die politische Form des Vorsorgeprinzips: Handeln unter epistemischer Unsicherheit.
Risiko-Logik
Aus Sicht der Risikoabschätzung ist STRING realistischer als Realpolitik.
Wenn der Einsatz die Existenz der Menschheit ist, spielt die Wahrscheinlichkeit keine Rolle mehr.
Selbst ein Restrisiko von 1% ist bei diesem Einsatz inakzeptabel.
Realpolitik argumentiert: 'Es ist bisher immer gutgegangen.' Das ist Induktion aus der Vergangenheit.
STRING sagt: Wir können nicht wissen, wann es passiert. Aber wir wissen, dass es passieren kann. Das genügt.
Unwissenheit als Handlungsbasis
Normalfall: wissen, bewerten, handeln.
Hier: Weil sicheres Wissen über Eintrittswahrscheinlichkeiten unmöglich ist, wird das
Individuum mit seinem elementaren Wissen zum Maßstab: Ich will leben. Meine Kinder sollen leben.
Das ist kein Anti-Intellektualismus. Es ist die Einsicht, dass alle Expertensysteme, alle Abschreckungstheorien, alle strategischen
Kalküle versagen können – und im Fall von ABC-Waffen bedeutet Versagen das Ende.
VII. Die Dummheit der Monster
Militärisch gerüstete Staaten mit Geheimdiensten, Universitäten und Think Tanks
verfügen über umfassendes Wissen. Systeme können
extrem komplexe Vorgänge steuern.
Sie kennen gegnerische Arsenale, mögliche Szenarien und Abläufe eines Atomkriegs. Sie übersteigen
die Fähigkeiten des einzelnen Menschen "unendlich".
Dennoch bleiben sie fundamental dumm.
Ihr Wissen befähigt sie nicht zur einfachsten Schlussfolgerung: Diese Waffen müssen verschwinden.
Intelligenz ist strukturgebunden. Kein System ist intelligenter als seine Prämissen.
Die Prämisse der Staaten lautet Selbsterhaltung durch Macht.
Daraus folgt logisch: Waffen behalten.
Die Prämisse selbst kann systemintern nicht infrage gestellt werden.
Ein Rechner kann fehlerfrei arbeiten und dennoch falsche Resultate liefern, wenn der Algorithmus fehlerhaft ist.
Das schwache machtlose Individuum ist in diesem Szenario der einzige Akteur, der die Prämisse ändern kann.
Wenn es sich zumindest geistig freimacht von der Kollektivbindung, ist es nicht systemgebunden und
kann die herrschende politische Logik selbst als Wahnsinn erkennen und sich in seinen
Handlungen potentiell davon freimachen.
VIII. Gerechtigkeit nach STRING
Vor den ABC Massenvernichtungswaffen sind alle gleich,
aber nur Wenige entscheiden über ihren Einsatz.
STRING erscheint als Krisen-Weltanschauung: Wenn Wissenschaft nicht mehr die notwendige Erkenntnis bietet und kollektives
Wissen partikular gebunden bleibt, wird überleben des einzelnen Menschen zum universellen Prinzip.
Ohne Überleben der Menschen existieren weder Wissenschaft, noch Politik, noch Gerechtigkeit.
STRING ist gerecht, weil es die Gleichheit der Betroffenheit ernst nimmt.
Jeder Mensch kann in einem ABC-Weltkrieg sterben. Präsident und Bettler, General, Milliardär und Kind. Keiner will das!
Gleiche Betroffenheit verlangt gleiche Entscheidungsrechte.
Derzeit entscheiden wenige Tausend über Waffensysteme mit potenziell mörderischen globalen
Folgen für alle Menschen.
Das ist fundamental ungerecht.
STRING will, dass diejenigen die Entscheidungsgewalt übernehmen,
die die Konsequenzen tragen: alle Menschen und jeder von ihnen. Wir sitzen alle in einem Boot.
IX. Fazit: Die verlorenen Zähne der Vernunft - und wo sie wiederzufinden sind
Die klassische Verfahrensweise hat ihre Zähne nicht verloren, weil sie falsch ist, sondern weil sie für eine
vergangene Situation entwickelt wurde.
Induktive Wissenschaft funktioniert bei wiederholbaren Ereignissen. Kollektives Wissen bei begrenzten Konflikten.
Beide versagen bei singulären Totalrisiken für die Menschheit.
Die Zähne der Vernunft finden sich dort, wo niemand sucht: beim einzelnen Menschen
b.z.w. bei uns allen als einzelne Menschen.
Nicht weil der singuläre Mensch mehr weiß, sondern weil er anders weiß. Sein Wissen ist:
• Untheoretisch (nicht ableitbar) • Subjektiv (nicht verallgemeinerbar)
• Existenziell (nicht relativierbar) • Blind für Komplexität (nicht systemisch)
Deshalb ist es das einzige Wissen, das ohne sicheres objektives Wissen handlungsleitend sein kann.
STRING versucht, dieses Wissen politisch zu mobilisieren – nicht gegen Wissenschaft oder Denken,
sondern als Korrektiv zu einem Wissen, das sich selbst nicht korrigieren kann.
Zusammenfassung
Das intersubjektive Wissen der Kollektive scheitert an Partikularität.
Das universelle Wissen der Wissenschaft scheitert an fehlender Normativität und Unmittelbarkeit.
Das subjektive Wissen oder die subjektive Gewissheit des Individuums - aller Individuen!! -
ist blind für kollektive Komplexität
und für das universelle Wissen – aber gerade deshalb erkennt es eine essentielle
Wahrheit, die Systeme und Theorien übersehen: Das alles ist Wahnsinn. Und ich will leben.
Diese Blindheit ist keine Schwäche, sondern die letzte Form von Klarsicht, die dem
Menschen bleibt, wenn alle hochentwickelten Wissensformen versagen.
STRING ist die politische Form dieser Klarsicht.
Den Strohhalm muss man aber selbst ergreifen!
Ergänzung
Individualität als transhistorisches, transkulturelles Phänomen
Buddha (ca. 5. Jh. v. Chr.):
Anatta (Nicht-Selbst) – radikale Dekonstruktion des substanziellen Ich.
Aber: Die Praxis setzt das Individuum voraus, das sich vom Leiden befreien kann.
Das erlösungsfähige Subjekt ist irreduzibel individuell.
Taoismus
Wu wei (Nicht-Handeln) richtet sich an den Einzelnen. Der Weise findet seinen eigenen Weg im Dao.
Konfuzianische Pflichten werden zugunsten individueller Authentizität relativiert.
Jainismus, Advaita Vedanta, Zen
Alle setzen letztlich ein Subjekt voraus, das Erleuchtung/Befreiung erreichen kann –
auch wenn sie dessen substanzielle Existenz bestreiten.
Ubuntu
Menschliche Individualität ist notwendig, aber keine ausreichende Bedingung für das Menschsein.
Solange ein Individuum nicht in eine Gemeinschaft integriert ist, gilt es nicht als Person im umfassenden Sinn.
Aber: Jedes Individuum ist fähig, eine Person zu werden, insofern es fähig ist, Gutes zu tun und sollte daher
(potenziell) als moralisch verantwortlicher Akteur behandelt werden. Im afrikanischen Denken wird eine moralische Konzeption von
Persönlichkeit vertreten.
Indigene Amerikas
Viele native amerikanische Kulturen bauen moralische und ethische Konzepte auf der Idee auf,
dass Menschen fundamental sozial sind - ein "wir", nicht ein "ich".
Aber: Indigene intellektuelle Souveränität artikuliert sich als komplementärer Dualismus,
der positiv den scheinbaren Konflikt zwischen dem indigenen Intellektuellen und der
Verbundenheit von Bedeutung und Wert in tribaler Souveränität verhandelt.
Dieser komplementäre Dualismus von Individuum und Gemeinschaft zeigt sich durchgehend.
Bei den Azteken entwickelten Philosophen Theorien von Metaphysik, Epistemologie,
Werten und Ästhetik. Einige dieser Philosophen sind namentlich bekannt: Nezahualcoyotl, Aquiauhtzin.
Die Pointe
Die Spannung zwischen kollektiver Einbettung und individueller Verantwortung/Erlösung ist kein westliches Sonderphänomen.
Verschiedene Kulturen lösen sie unterschiedlich, aber dass es diese Spannung gibt, ist transkulturell.
Die Gewichtungen sind unterschiedlich, nicht in der Existenz des Problems.
STRING
Die politische Institutionalisierung des Individuums mag historisch spezifisch (westlich-modern) sein.
Aber die Möglichkeit, vom Einzelnen aus zu denken, ist es nicht.
STRING universalisiert nicht „das westliche Individuum“, sondern konfiguriert ein universelles Spannungsverhältnis politisch neu,
ausgehend von der empirischen Tatsache, dass jeder Mensch einzeln stirbt und einzeln über sein Leben entscheiden kann.
In einem quasi mathematischen Ansatz wird der lebendige Mensch zum Ausgangspunkt und zur Basis des politischen Zusammenlebens, um
der Vielgestaltigkeit der Kulturen und künftiger Entwicklungen Rechnung zu tragen. Aber der einzelne Mensch
kann ohne die Gemeinschaft nicht leben, wie er ohne Wasser nicht leben kann!
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