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Wolfgang Behr
The "Anti-*itler"




WIR?!

Die Konstitution einer Gemeinschaft aller Menschen jenseits der wirtschaftlichen Globalisierung und diesseits der "Neuen Weltordnung"

von Wolfgang Behr

(1997)

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Wir, das könnten alle Menschen unabhängig von ihren sozialen Positionen und ihren traditionellen Zugehörigkeiten sein - eben die Gemeinschaft der Menschheit.
Überall auf der Erde leben Menschen sehr gut, haben Arbeit und können zufrieden sein mit sich und der Welt. Aber gleichzeitig müssen andere Menschen unter Bedingungen existieren, die alle Fortschrittsutopien weit übertreffen, allerdings ins Negative.
Und immer wieder wird es zum menschlichen Hauptanliegen, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen oder zu nehmen. Deshalb ist die Menschheit heute höchstens in einem passiven Sinne zusammengehörig, insofern nämlich durch die Risiken unserer Zivilisation nicht mal den "happy few" eine sichere Zukunft garantiert ist. Die aktive Gemeinschaft aller Menschen scheint dagegen ein Ziel zu sein, das weit jenseits aller Hoffnungen liegt.
Trotzdem ist es auf die Dauer ohne Alternative, einen politischen Weg zu finden, der uns zu einer freien und lebendigen Gemeinschaft macht - und sei es zuerst nur für eine kurze Zeit!


I. Revolution und Innovation

Sollen wir um unser Auskommen und eine menschenwürdige Existenz kämpfen, wenn unsere Firmen oder unsere Staaten - so wir überhaupt welche haben - sie uns nicht mehr gewähren können? Wogegen könnten wir kämpfen und womit? Einige finden noch Anlässe und Wege zu kämpfen, wie die öffentlich Bediensteten Frankreichs im Dezember 95'. Aber die allermeisten von uns haben es schwerer, denn zu abstrakt, zu lebensfern und jenseits unseres alltäglichen Horizontes vollzieht sich die wirtschaftliche Globalisierung, die uns oft regelrecht den Boden unter den Füssen wegzieht. Man kann die negativen Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung nicht ohne weiteres jemand als unbedingte Schuld anrechnen. Zwar betreiben genügend Leute ihre Geschäfte auf verbrecherische Art und Weise. Das ist eine Sache für den Staatsanwalt. Aber die normalen wirtschaftlichen Akteure tun nichts per se Böses oder Strafbares, sondern verfahren in weltweiter Dimension nach einer Logik, deren Wurzeln weit in die menschliche Geschichte zurückreichen bis zur Erfindung der Schrift und des Geldes, bis zur Entstehung der Seßhaftigkeit, des Handels und der Machtakkumulation, ja in letzter Konsequenz sogar bis zur Entwicklung der Sprache. Denn die Sprache ist die Voraussetzung einer das Individuum verachtenden Objektivierung von Dingen und Lebewesen, aber auch das Mittel der Kreativität. Ihrer Ambivalenz können wir nicht entkommen.

Die traditionellen Muster gesellschaftlicher Macht und Ordnung, seien sie staatlich- territorial, seien sie organisatorisch-hierachisch, verlieren im Zuge der Vereinheitlichung und Entmaterialisierung der Weltzivilisation immer mehr an Substanz. Aber warum sollte man dem nachtrauern? Zwar entstehen viele Ängste, sei es vor zivilisatorischen Katastrophen, sei es vor Zerstörung der Lebensgrundlagen oder vor Verlust der Selbstbestimmung. Gerade solche Phänomene müssen wir jedoch ständig auch in und durch die Staaten und Organisationen zur Kenntnis nehmen.
In vielen Ländern der Erde wächst eine Generation heran, der es schlechter gehen wird als ihren Eltern, ein Phänomen, das seit einhundert Jahren beinahe unbekannt war. Dafür haben vielleicht anderswo auf der Erde Menschen erstmals überhaupt eine Arbeit und können am modernen Wohlstand teilnehmen - so fragwürdig das den saturierten Bürgern der reichen Länder mittlerweile erscheint. Und gegen die Produktivitätssteigerung, die in hohem Maße für die Arbeitslosigkeit mitverantwortlich ist, kann man an sich wenig einwenden. Noch vor kurzem lagen auf ihr alle Hoffnungen. War es nicht jener Traum, daß die Menschen mehr und mehr vom Kampf ums Überleben entlastet werden, der den technischen Fortschritt zum Religionsersatz werden ließ?

All das zeigt vor allem eines: Das Zeitalter der Umbrüche, in dem wir schon seit einigen Jahrhunderten leben, ist noch nicht zu Ende. Vielmehr sollten wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, daß die gewaltigsten zivilisatorischen Veränderungen noch bevorstehen.
Dabei gilt es zu bedenken, daß nicht gewaltsame Revolutionen und Kriege die größte Langzeitwirkung entwickelt haben. Diese sind immer eher die Notlösungen gewesen. Viel effektiver waren die zivilen Fortschritte durch Innovationen. Aus ihrer unüberschaubaren Zahl seien hier nur drei Beispiele genannt: Das Prinzip der doppelten Buchführung, Hobbes' politische Theorie und die Entdeckung der Elektrizität.
Aber solche Innovationen haben im kollektiven Gedächtnis längst nicht denselben Stellenwert wie die Aktionen der Gewalt, etwa die Kreuzzüge, Dschingis Khans Eroberungszüge oder die französische Revolution. Die Kultur und das Bewußtsein der Menschen sind beherrscht von der langen Tradition solcher Kämpfe und Gewaltakte, von der schon die ältesten Schriften (z.B. Homers Ilias) künden. Heute legt die zeitgenössische Filmkultur beredtes Zeugnis von dieser Geisteshaltung ab.

Aber wie sollte man sich Veränderungen in einer Welt, die waffentechnologisch jedes menschliche Maß verloren hat, anders vorstellen, als durch friedliche innovative Entwicklung. Würde man sich allerdings bei dieser Entwicklung auf die Kräfte des kapitalistischen Weltmarktes und seiner Deregulierungsansprüche verlassen, dann stünden im Zeitalter der Rationalisierung und des damit verbundenen Arbeitsplatzabbaus zu große Gefahren neuer gesellschaftlicher Destabilisierungen ins Haus. Eine weltweite Massenarmut, die auch die reicheren Länder miteinbezöge, könnte sogar die Wirtschaft selbst zum Ersticken bringen. Im Gefolge all dessen würde ideologischer Populismus und neue Brutalisierung der Gesellschaften um sich greifen. Wie weit wären wir dann noch von gewaltsamen Umbrüchen entfernt, die uns zumindest um Jahrzehnte zurückwerfen, wenn sie nicht die ganze Zivilisation vernichten würden?

II. Das Individuum als Dreh- und Angelpunkt zukünftigen Lebens

In der Ära nach dem zweiten Weltkrieg fand vor allem in den reicheren Ländern der Erde, aber nicht nur dort eine geschichtlich beispiellose Steigerung der individuellen Möglichkeiten zur Lebensgestaltung statt. Daß auf dieser Ebene des einzelnen Menschen die Zukunft der Menschheit stattfinden wird, scheint offenkundig. Nicht zuletzt die epochale Bedeutung der Wirtschaft, deren Hauptmotor die individuelle Eigeninitiative ist, legt dafür Zeugnis ab.
Zwar sind die gewachsenen Gesellschaften, die Staaten und Organisationen immer noch in Amt und Würden und haben noch wichtige Funktionen, nicht zuletzt was den Schutz und die Versorgung der Schwachen oder die Eindämmung von Kriegen betrifft. Aber auf Dauer läßt sich die Unübersichtlichkeit einer fortschreitend emanzipierten Weltbevölkerung nicht mehr bürokratisch im Großen regulieren. Deshalb gibt es keine Alternative als den Weg der individuellen Selbständigkeit und Unabhängigkeit bis zu Ende zu gehen.

Nach einer Geschichte der Knappheit der Ressourcen, die in hohem Maße von Armut, Hunger, Leid und Gewalt geprägt war und bis heute ist - eben der Geschichte der Menschheit - wird eine freie, unabhängige Existenz für alle Menschen, Frauen wie Männer, überall auf der Welt nur als die größte kulturelle Revolution überhaupt zu begreifen sein. Angesichts der zahllosen Bewohner in den Slumvierteln der Megametropolen, die unterhalb des Existenzminimums leben müssen oder der unfassbaren, identitätsvernichtenden Zahl von sechs Milliarden Menschen ist dies keine eben leichte Vorstellung.
Auch in der Mentalität der meisten Menschen ist noch keinen Platz für die friedliche Selbständigkeit des einzelnen Menschen. Sie stecken noch in überkommenen Kollektivbindungen und Ideologien und gewinnen daraus einen Großteil ihrer Identität, was sie bisweilen zu beinahe jedem Opfer, zu jeder Grausamkeit und zu höchst irrationalem Verhalten befähigt. So bedrohen sie sich gegenseitig, müssen Mauern, bewehrte Gesetze und teuere Armeen zum Schutz voreinander aufbauen oder können sich überhaupt das Leben nur als Kampf vorstellen. Und die Eliten schotten sich ab, aus Angst, selbst der Unsicherheit oder Armut der Mehrheit der Menschen ausgeliefert zu werden.

Unser Ziel muß deshalb sein, einen grundlegenden kulturellen Paradigmenwechsel zu erreichen, der das Individuum anstatt des Kollektivs ins Zentrum der zukünftigen Geschichte und Welt erhebt. Dadurch soll sich der einzelne Menschen aus den Gemeinschaftsmechanismen und -ideologien herauslösen und die ihm heute zukommende Rolle spielen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Schaffung eines Status politischer Selbständigkeit für den einzelnen Menschen nötig, ein Status, der gleich einer Verfassung die Grundlage des politischen und gesellschaftlichen Lebens ist. Die damit bestimmte gesellschaftliche Rolle des Individuums kann unserer Zivilisation nicht zuletzt einen Impuls zur Entwicklung von individualisierten Möglichkeiten der Bewältigung menschlicher Grundbedürfnisse geben.

Eine solch pronocierte Stellung des einzelnen Menschen benötigt allerdings neue Kategorien menschlicher Existenz, die über das rationale Konstrukt des im Prinzip freien, aber erst durch den Staat wirklich koexistenzfähigen Individuums in den neuzeitlichen Gesellschaftsvertragstheorien hinausgehen (so richtungsweisend dieses Theorem bleibt). Wir müssen einen Weg der individuellen Entwicklung finden, der den Umgang mit den negativen Momenten und Potentialen im Menschen sowie mit seinem Tod definitiv in die ureigene Verantwortung eines jedes Einzelnen überführt. Das bedeutet, daß wir in einer Körper und Seele umfassenden Art und Weise lernen, unser individuelles Schicksal samt seinen passiven, schwachen Seiten so selbstgestaltet wie möglich zu leben. Das hat eine Emanzipation des Individuums von allen Gemeinschaftsbindungen, vom Staat bis hinunter zum engsten Kreis des Menschen zur Folge, die jedoch keinesfalls mit der Preisgabe von Solidarität und Emotionalität zu verwechseln ist.

Eine Renaissance der Initiation, jenes überaus fordernden Überganges zum Erwachsenendasein in den sog. traditionellen Kulturen, soll uns diese innovative Lebensperspektive realisieren helfen. Denn in einer Initiation wird ein unvordenklicher individueller Entwicklungsschritt und die Begegnung mit dem Tod zur einzigartigen Konstitution der je eigenen erwachsenen Persönlichkeit verbunden.
Für eine moderne Initiation kann es keine allgemeine oder gar ritualisierte Form mehr geben, deshalb muß sich jeder einzelne seinen Weg zu ihr selbst suchen. Sie hat Kulturmenschen zum Ziel, für die auf Grund einer ihren ganzen Lebensbereich umfassende "Rundheit" der Existenz gegenseitige Freiwilligkeit und Verzicht auf Gewalt im zwischenmenschlichen Geschehen das Gegebene sind. Solche Kulturmenschen müssen sich nicht mehr zwanghaft an das Leben klammern, um nicht unterzugehen.

Die Triade aus dem Status der politischen Selbständigkeit, der Initiation und eines fortschreitenden Standes innovativer materieller Subsistenz sollen dem einzelnen Menschen innere wie äußere Stabilität, aber auch Selbstbeschränkung vermitteln. Dadurch werden die konkreten Abhängigkeiten der Menschen untereinander verringert, was die Rolle kollektiver Strukturen zurückdrängt. Die traditionellen politischen Ordnungsmächte verlieren ihren Ansatzpunkt und ihre Berechtigung, nicht zuletzt wenn die knappen Güter immer weniger existentielle Bedeutung haben.

Eine solche Horizontüberschreitung gängiger Menschenbilder und Erfahrungen rechtfertigt sich nicht zuletzt aus der Erkenntnis, daß der Mensch spätestens heute unwiederbringlich kein Naturwesen mehr ist, selbst bzw. gerade wenn er foltert oder mordet (wie unser Jahrhundert gezeigt hat).
Um dieser Überschreitung oder Neuorientierung Einfluß auf das Denken und Handeln der Menschen zu verschaffen, bedarf es eines großen Impuls der Angstfreiheit und des Weitblicks.

III. Die Gemeinschaft der Menschheit

Ist es gerechtfertigt, "wir" zu sagen? Darf man so ohne weiteres von der einen Menschheit sprechen?
Angesichts einer Weltgesellschaft, die von Gräben der Vorurteile, des Hasses und der materiellen Ungleichheit durchzogen wird, welche kaum tiefer vorstellbar sind, mag man diese Selbstansprache für völlig deplaziert halten.

Der egozentrische Einzelkampf der Konsumwelt zumindest wird diese Gräben nicht überdecken können. Soziale Gebilde, seien es Nationen, seien es Religionsgemeinschaften oder andere Organisationen, wie sie heute unser Zusammenleben bestimmen, eröffnen ebenfalls keine Aussicht, die Menschheit auf friedliche Weise einigen zu können. Schließlich sind von dem Konzept eines Weltstaates nur die mühsamen Kompromisse im Rahmen der UNO übriggeblieben (die man deshalb nicht alle gering zu schätzen braucht). Und die von der letzten verbliebenen Weltmacht USA lancierte "Neue Weltordnung" müßte, wollte sie ihrem Namen und der großen amerikanischen Verfassungstradition gerecht werden, den Standards moderner rechtsstaatlicher Freiheitsgarantien genügen. Das ist im Rahmen der internationalen Politik mit ihrem Gebot der Nichteinmischung aber nicht abzusehen und auch nicht mit militärischen Mitteln zu erzwingen.
Trotzdem bleibt es geboten, die Gemeinschaft der Menschheit mit konkretem Leben zu füllen. Würde man darauf verzichten, sie aktiv zu gestalten, dann können degenerierte Formen kollektiven Lebens (z.B. Orwell'sche Gewaltherrschaft) Platz greifen, für die das Individuum kaum Eigenwert hat.

Die Eliten, die immer noch unsere Geschicke zu lenken versuchen, sind nicht in der Lage, die Zukunft der Welt zu gewinnen, denn sie sind auf das rationale Organisieren beschränkt, das im wesentlichen nur den Blick von "oben", von "außen" kennt. Auf Grund dieser Beschränktheit und wegen der generellen augenblicklichen Perspektivlosigkeit sind einige von ihnen dem in seinem Übermaß kaum nachvollziehbaren Glaube an die Selbstorganisationskräfte des Marktes verfallen, als ob dies das weltgeschichtliche Ordnungsprinzip schlechthin wäre. Statt uns einem abstrakten Prinzip anzuvertrauen müssen wir die Aufgabe, unsere Zukunft zu gestalten, selbst in die Hand nehmen. Die Verantwortung hierfür nimmt uns keiner ab, auch nicht Regierungen oder internationale Organisationen, nicht Gremien von Fachleuten und erst recht keine Konzernvorstände oder Aktionäre.
Trotz aller Gräben des Hasses und des Wohlstandsgefälles wächst die Zahl derjenigen, die guten Willens sind und die das Selbstverständnis moderner, das heißt konsequent individuell denkender Menschen teilen - woran sicherlich auch die avancierte Waren- und Dienstleistungskultur ihren Anteil hat. Deshalb haben wir heutzutage alle Chancen, verallgemeinerungsfähige Ziele zu formen, zu artikulieren und durchzusetzen, wenn es gelingt, daß wir uns verbinden.

Wir erleben immer wieder, daß mittels der modernen Kommunikationsmedien veritable Menschheitsereignisse stattfinden, z.B. bei den großen Sportwettkämpfen. Es gilt einen Weg zu finden, diese integrativen Potentiale der modernen Zivilisation zu nutzen und daraus eine neue Form freien, politischen Lebens zu gestalten.
Das können wir tun, indem wir ein zeitlich befristetes politisches Weltereignis schaffen und durch einen Akt des gemeinsamen globalen Bewußtseins mit unserer kollektiven Autorität ausstatten. Dieses Ereignis ist die Institution und der öffentliche Raum einer geeinten Menschheit. In einem großen enthusiastischen Aufbruch soll es den Vorrang des oben skizzierten umfassenden Maßstabs individueller Existenz gegenüber allen anderen gesellschaftlichen Organisationsformen und Zielen durchsetzen.
Diese Perspektive und die Kürze des Ereignisses sollen die Differenzen zwischen den Menschen für den Moment aufheben. Dadurch gibt es uns die Chance, unserer unaufhaltsam zusammengewachsenen Weltgesellschaft einen ihrer geschichtlichen Außergewöhnlichkeit und Einzigartigkeit gemäßen, kulturell hochstehenden Ausdruck zu verleihen. Wir können ein großes, unüberblickbares Weltfest zur Feier der Entstehung der Gemeinschaft der Menschheit begehen.

Im Gefolge des Weltereignisses werden sich mehr und mehr einzelne Menschen in kleinen innovativ-revolutionären Schritten, die sich strikt an den individuellen Rahmen halten, einen neuen Freiraum aufbauen können. So wird dem Weltereignis als nichtverfaßter Institution der Menschheit Wirksamkeit und Struktur verliehen. Dieser Übergangsprozeß ist nur langfristig, in der Dimension von ein oder zwei Generationen zu messen.
Erst wenn er sich auf breiter Front durchgesetzt hat, ist die Freiheit der Vertragspartner eines wie immer gearteten Gesellschaftsvertrags faktisch erreicht. Zukünftiges soziales Leben kann dadurch eine viel größere institutionelle und organisatorische Variabilität verwirklichen, als das bis heute der Fall ist.

Jetzt sind wir auch nicht mehr auf die überforderte Wirtschaft als Regelinstanz der menschlichen Weltgesellschaft angewiesen. Die vor allem sachliche Aktivitätssphäre der Wirtschaft wird sich dann ganz ihrer eigentlichen, unserem Leben dienenden Funktion zuwenden. So mag sich erweisen, daß bei der Konzentration des Blicks auf den einzelnen Menschen die innovative und ökologisch nachhaltige Produktion von Mitteln zu einer modernen lokalen Subsistenz möglich ist und durch Wettbewerb ökonomisch rentabel wird. Diese Mittel sollen in Stil und Technik im besten Sinne demokratisch sein, d.h. sie sollen die menschlichen Gemeinsamkeiten dokumentieren, sie sollen so einfach wie möglich sein und für jedermann erschwinglich. Voraussetzung dafür ist der Fortgang des wissenschaftlichen und technischen Erfindungsprozesses, an dem man nicht zweifeln muß, der aber neue Rahmenrichtlinien gebrauchen könnte, z.B. indem wir die Erde als unser (lebendes?) Raumschiff begreifen lernen. Eine weitere Voraussetzung bleibt sicher auch der Massenmarkt.

Die materielle Subsistenz ist nicht als Ersatz oder Rückführung der modernen Zivilisation und ihren Errungenschaften (z.B. in der Medizin) gedacht, sondern als deren Ergänzung im Sinne einer allgemeinen Grundsicherung. So wie die Initiation auch kein Ersatz, sondern eine wesentliche Ergänzung von Erziehung und Bildung ist, die uns ein entscheidendes Stück über die Abhängigkeit von Rationalität und Technik hinausführen soll. So wie der Status der individuellen politischen Selbständigkeit nicht moderne Institutionen, z.B. eine unabhängige Gerichtsbarkeit ersetzt, sondern sie vielmehr zu unbelasteter Wirkung bringen soll. Und so wie allem voran der Paradigmenwechsel von der Kollektivität zur Individualität nicht zum Ziel hat, menschliches Zusammenleben zu unterbinden, sondern er im Gegenteil die höchste Form menschlicher Gemeinschaft, die Gemeinschaft aller Menschen auf der Erde überhaupt erst ermöglichen soll.

Nur wenn wir uns unserer Größe bewußt werden, können wir auch im kleinen Fortschritte erzielen - Fortschritte zur Unabhängigkeit, die viele Menschen in entwürdigenden Lebensbedingungen dringend und schnellstmöglich brauchen!
Daß sogar die reichen Staaten immer mehr ihren Willen und ihre Fähigkeit verlieren, für die Bedürftigen zu sorgen, ist dramatisch für die Betroffenen. Zusätzlich ist es aber auch ein weiteres Indiz dafür, daß der Staat als die schlechthinnige gesellschaftliche und politische Organisationsform unserer Epoche beginnt, seine Priorität aufzugeben. Denn als moderner Wohlfahrtsstaat (als der er sich ja sowieso nicht weltweit durchsetzen konnte) wollte er mehr leisten, als es traditioneller Gruppensolidarität entspricht.
So findet der Staat (wie generell die Bürokratie) in der politischen Gestaltungsdynamik der Einheit der Menschheit seine Grenze, zum Leidwesen der Armen und Verarmten. Niemand anderes kann ihn ersetzen als wir selbst. Dazu müssen wir uns befähigen und ermächtigen!






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