STRING - World Politics for Individuals





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Wolfgang Behr
The "Anti-*itler"




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STRING

Individuum und Weltpolitik - Politisches Programm

von Wolfgang Behr


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STRING ist ein Vorhaben, das zum Ziel hat, die Politik in unserer alle Grenzen überwindenden Epoche auf einen neuen, dauerhaften Boden zu stellen. Dabei geht es nicht zuletzt darum, der Bedeutung dieser Epoche als dem Kumulationspunkt weltgesellschaftlicher Integration innerhalb der Geschichte der Menschheit gerecht zu werden. Keine der bestehenden kollektiven Institutionen besitzt die Qualifikation und/oder die Zustimmung, sich über die Welt auszudehnen und es ist auch keine solche in Sicht. Deshalb gilt es für den hier vorgelegten Entwurf einer politischen Gestalt der Menschheit als entscheidend, dass die Initiative für sie von einer einzelnen Person, in dem Fall vom Autor ausgeht und dass sie in ihrer institutionellen Struktur von dem individuellen Ursprung bestimmt bleibt.

STRING will das Problem der zu ideellen und abstrakten Grundlagen neuzeitlicher Politik (parlamentarische Demokratie, Rechtsstaat, Proklamation der Menschenrechte) überwinden, indem diese ausgehend von ihrer Grundkonstante, dem Individuum, neugestaltet werden. Das Ziel wird sein, dass sie zu ihrer Gänze vom einzelnen Menschen verkörpert werden k nnen. Dadurch wird Politik kulturell flexibilisiert, von den Eliten emanzipiert und für die grosse Mehrheit der Menschheit direkt zugänglich gemacht. Diese Bemühung ist nur langfristig vorstellbar und wesentlich davon abhängig, dass die moderne Zivilisation in ihrem Fortgang den Menschen überall auf der Welt ein weitgehend eigenständiges materielles Lebensauskommen und die nötige Bildung ermöglicht. In diesem Sinne restauriert STRING die Ideale des Fortschritts und der Aufklärung. Mit seinem Einsatz beim einzelnen Menschen steht STRING zwar scheinbar im Gegensatz zu den bestehenden Staaten und zu anderen alten oder neuen Grossorganisationen, ist aber wegen der Unausweichlichkeit intelligenter friedlicher Entwicklung für die Welt auf Dauer in der zukunftsweisenden Position. Denn das Pulverfass Welt ist entscheidend auf die Individuen bzw. deren Fähigkeit zur selbstbestimmten Koexistenz und zur freiwilligen Selbstkontrolle angewiesen.

Die Kernpunkte des hier vorgestellten Programms sind das Weltereignis STRING, der Status der politischen Selbständigkeit für den einzelnen Menschen und die Initiation als Chance und Weg, eine eigenständigen Persönlichkeit zu werden.

Das Programm:

1. Die Menschen haben die Möglichkeit, ihre in dieser Epoche entstehende Weltgemeinschaft durch ein Weltereignis namens STRING politisch zu konstituieren. In diesem Ereignis findet die Menschheit zu ihrer Identität, zu ihrer Grösse und zu einem gemeinschaftlichen Ausdruck ihrerselbst. Es kann in naher Zukunft (z.B. im Jahre 2002) stattfinden. Das Ereignis soll fliessend in ein grosses Weltfest übergehen, bei welchem dieser geschichtliche Moment in angemessenem Stil gefeiert wird.

2. Das politische Kernprogramm oder Hauptziel von STRING hat eine kollektive und eine individuelle Komponente, die gemäss dem neuzeitlichen Verfassungsverständnis untrennbar zusammengehören. Zum einen geht es um die Gründung einer konkreten Gesellschaftsform der Gemeinschaft aller Menschen vergleichbar einer verfassungsgebenden Versammlung. Zum anderen soll ein Status der politischen Selbständigkeit für den einzelnen Menschen eingeführt werden, der die Grundlage der globalen Gemeinschaft bildet. Dieser Status geht über alle bekannten Formen politischer Teilnahme wie z.B. der des Bürgers im Rechtstaat hinaus und ist eine Vorgabe, die auszufüllen von den Menschen Bereitschaft und besondere individuelle Reife erfordert.

3. Das Weltereignis STRING soll die einzige Institution der gesamten Menschheit sein. Ihre Dauer ist begrenzt und sie begründet keine fortbestehende Bürokratie. D.h. STRING als kollektive Institution existiert nur kurze Zeit, was sie fundamental von herkömmlichen politischen Institutionen (und von dem Konzept eines Weltstaates) unterscheidet. Diese Institution hat die Aufgabe, den einzelnen Menschen zur politischen Selbständigkeit zu ermächtigen. Und sie bleibt auch nach ihrem Ende Symbol und geistige Autorität dieses Verfassungsprinzips mit weltweitem Geltungsanspruch. Darüber hinaus stattet STRING den individuellen Status gegenüber anderen Institutionen, z.B. gegenüber dem nationalen Staat mit der ihm eigenen Priorität aus, die es aus der Bedeutung als Vertretung aller Menschen bezieht.

4. Jeder Mensch, der diesen Status für sich eingenommen hat, trägt die Institution STRING weiter. Der Status ist daher durch das Ereignis institutionell gebunden aber in seiner Ausführung frei von festgeschriebenen Kollektivstrukturen. Die Verifizierung des Status benötigt im Anschluss an das Weltereignis den öffentlichen Raum und eine Art allgemeine Zustimmung. Das kann sich erst ändern, wenn er zum kulturellen Standard geworden ist.

5. Die persönliche Reife und individuelle Autonomie, die wir für einen solchen Schritt zur politischen Verantwortung brauchen, können wir uns u.a. in neu zu definierenden Initiationen erwerben. Damit sind entscheidende Entwicklungsschritte gemeint, die den einzelnen Menschen aus den Zusammenhängen seines Aufwachsen herauslösen und ihn in umfassendem Sinne selbständig werden lassen. Da viele der heute lebenden Menschen aus verschiedenste Gründen nicht mehr in der Lage sind, eine grundlegende Neuorientierung ihres Lebens zu bewerkstelligen, ist der individuelle Teil von STRING nur in einer langfristigen, Generationen übergreifenden Perspektive denkbar.

6. Die Art und der Weg zu einer solchen Initiation unterliegen keinen allgemein festgelegten Regeln oder einer bestimmten Lebenszeit, sondern sollen von jedem Menschen selbst gesucht werden. Aber ein entscheidender Bestandteil von Initiationen ist die Begegnung mit der Tatsache des Todes. Ein initiatorischer Durchgang durch den Tod lässt ein lebendiges Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit entstehen. Initiation wird ein im höchsten Masse individueller Akt und kann uns die Unwiderruflichkeit aber auch die Begrenztheit dieser Individualität erkennen lassen.

7. Das Programm STRING hat als Drittes das Ziel, eine in die Tiefenschichten der Existenz führende Initiation als Bestandteil des modernen menschlichen Lebens zu stiften. Es geht dabei als Ergänzung zur politischen Unabhängigkeit um die geistige und seelische Unabhängigkeit. Deswegen ist es entscheidend, dass dieser Akt der Persönlichkeitsbildung ohne direkten sozialen Druck stattfindet. Mit einer neu in unser Leben integrierten Initiation können wir freien Anschluss an die Kompetenz der erwachsenen Frauen und Männer in sog. traditionellen Kulturen finden - wenn auch auf einer neuen, individualisierten Stufe. Da in manchen Kulturkreisen die Menschen ein grösseres Selbstverständnis damit haben, Initiationen zu bestehen, kann sich für sie ein kleiner Vorteil gegenüber vielen Menschen aus der sog. ersten Welt ergeben, die in einer ungebrochen rationalistischen, materialistischen Weltanschauung leben.

8. Der Initiation kann für die Entwicklung der Weltgesellschaft eine besondere Bedeutung zukommen, wenn dadurch die Grenzerfahrung zu einem geläufigen Bestandteil im Leben des modernen Menschen wird. Sie sollte zu einer Revision seiner Weltanschauung führen, dergestalt, dass diese sich nicht mehr dogmatisch an klassische moderne Institutionen und an moderne Rationalität anbinden muss. Eine solch neue Qualität der individuellen Existenz benötigt die Weltzivilisation, um aus ihrer selbstmörderischen Anpassungsfalle herauszufinden - eine Zivilisation, die, obwohl hochtechnologisch und grenzenlos, in wesentlichen Motivationen und Verfahrensweisen noch immer kriegerisch und machtorientiert gebliebenen ist.

9. Ich glaube, dass wir diese zentrale Diskrepanz unserer Epoche nur erfolgversprechend angehen können, indem wir sie einerseits, angefangen bei ihrer gefährlichsten Stelle, der Neigung zu Tod und Zerstörung, dem Individuum überantworten. D.h. die globale, auf ein Ganzes bezogene Dimension seines Verhaltens ist der Erkenntnissprung, der für das Leben jedes Einzelnen massgebend wird. Dies muss aber andererseits durch die innovative Entwicklung eines generellen Kulturzustands ermöglicht werden, bei dem die praktischen Abläufe des Lebens weniger zwanghaft sind und die Menschen gefährden als heute. Beides sind auch wesentliche Voraussetzungen dafür, dass die immensen Waffenpotentiale abgebaut werden können.

10. In diesem Zusammenhang gilt es, die Fanatisierung der Menschen für ein Kollektiv, einen Führer oder ein Glaubensbekenntnis zu überwinden, die den Menschen schon in frühester Jugend aufgezwungen wird und die in Kamikaze-Taten ihren äussersten Ausdruck findet. Man muss sich STRING als eine kulturelle Grösse vorstellen, deren Zurkenntnisnahme sich zumindest während des Weltereignisses kaum jemand entziehen kann und dessen Botschaft zur Individualität in der Folgezeit eindeutig und unmissverständlich erhalten und wirksam bleibt. Die Anerkennung des unteilbaren Lebenswerts eines jeden Individuums ist die Voraussetzung dafür, um die ungeheuerliche Todesnähe unserer gesamten Zivilisation überhaupt erfassen zu können. Jedes traditionelle Denken, welches das Töten ins politische Kalkül mit einbezieht, ist in die eigene Partikularität und in die Gegnerschaft zu anderen Menschen, bzw. zu anderen Gruppen verstrickt und kann die globale Bedrohung gar nicht auffassen.

11. Das wichtigste Mittel, die Menschen in grossem Umfang auf den Status der politischen Selbständigkeit und auf eine individuelle Initiation vorzubereiten, ist das Selbstverständnis, mit dem diese Werte, bzw. diese Aufgaben den nächsten Generationen in ihrer Kindheit vertraut gemacht werden. Auch unsere Nachfahren können keine perfekten Menschen sein und Hass, Aggressionen oder verbrecherische Antriebe werden nicht aus der Welt verschwinden. Aber sie befolgen vielleicht Minimalstandards wie den Verzicht auf organisierte Gewaltanwendung, um der Menschheit eine Zukunft zu sichern.

12. Der Dreiklang aus den eigenständigen, sich gegenseitig ergänzenden Elementen Weltereignis, Status der politischen Selbständigkeit des Einzelnen und individueller Initiationen eröffnet eine globale Ordnungsperspektive. STRING steht sowohl als Name wie als Begriff für alle drei Elemente. Diese neue politische Struktur soll nicht zuletzt den kontraproduktiven Kampf um politische und wirtschaftliche Machthegemonien überwinden helfen, in den sich gerade die kapitalistischen Unternehmungen auf der Welt immer mehr verstrickt sehen, da eine originäre Weltpolitik, d.h. eine Politik, deren Subjekt die Weltgesellschaft selbst ist, bis heute fehlt.

13. Durch die Befreiung von dem Kampf um die Macht wird es dem technischen und wirtschaftlichen Fortschritt ermöglicht, sich in einer sehr prekären Phase seiner Entwicklung wieder ganz seiner eigentlichen Aufgabe zuzuwenden, der Erleichterung und Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen. Es geht um nichts weniger als auf der ganzen Welt einen gesunden und ökologisch verträglichen Wohlstand zu erzeugen, der allen Menschen ohne grossen Aufwand zugänglich ist. Dieser wird ein wesentliches Element der Selbstständigkeit des Einzelnen sein. Die herausfordernden Implikationen und Anmutungen von STRING sollen den dafür nötigen Innovationsschub beflügeln. Die Art und Weise, wie das gerade auch angesichts von Überbevölkerung, Destabilisierung der natürlichen Lebensbedingungen etc. geschehen kann, muss man dem menschlichen Erfindungsgeist und etwas auch unserem Glück überlassen. STRING kann dieses Ziel nur ins Zentrum des Interesses rücken und auf die gewaltigen Leistungen hinweisen, die vor allem in den letzten zwei Jahrhunderte hervorgebracht wurden.

14. Ich will die Geschichte mittels STRING endgültig auf das Niveau des Individuums heben, indem ich den beschriebenen politischen Status für die einzelne Person durchsetze und ihn gegenüber allen kollektiven Autoritäten mit einem grundsätzlichen Vorrang ausstatte. Im Zuge des Weltereignises können immer mehr einzelne Personen die politische Selbständigkeit proklamieren. Damit wird die künftige Weltordnung paradigmatisch sichtbar gemacht und ihre Verbreitung vorangetrieben. Konflikte zwischen politisch selbständigen Einzelperson und den Positionen bestehender politischer Mächte wie z.B. dem Nationalstaat lassen sich immer nur im Einzelfall vor Ort lösen. Hier soll sich die praktische Notwendigkeit individueller Verantwortung und Freiheit auf innovative Weise und unterstützt durch die Autorität von STRING Stück für Stück verwirklichen.

15. Die Bindungen der Menschen an ihre Mitmenschen, an ihre nationale, religiöse oder sonstige Herkunft, aber auch ihre Verflechtungen in gesellschaftliche Zusammenhänge z.B. durch Recht oder durch Zwang sind von STRING nicht sofort betroffen. Aber sein klar artikuliertes Ziel ist es, dass sich die Menschen von diesen kollektiven Strukturen emanzipieren. Dadurch sollen sie zwar in ihrer emotionalen oder esoterischen Bedeutung für den Einzelnen, bzw. in ihrer Hilfsfunktion für die Organisation des Lebens erhalten bleiben, ihre Macht und Dominanz dagegen verlieren.

16. Durch das Weltereignis und die politische Selbständigkeit der Menschen wird eine eigene verfasste Weltordnung überflüssig. Auf lange Sicht wird das Zusammenleben unter dieser Prämisse die Nationalstaatlichkeit ersetzen, die keine dauerhaft friedliche Weltordnung herstellen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass es dann gar keine kollektiven Strukturen mehr gibt. Komplexes Zusammenleben benötigt auch in Zukunft differenzierte Regeln und sicherlich auch bestimmte Arten von Sanktionen, die sich zwischen den Individuen noch herausbilden müssen.

17. STRING ist die Fortsetzung der politischen Etablierung des Individuums in der europäischen Neuzeit, die mit der "Habeas corpus"-Akte begann und ihre Entwicklung über die Bill of Rights, die amerikanische und die französische Verfassung bis zur heutigen Stellung des Bürgers im liberalen, demokratischen Rechts- und Sozialstaat nahm. Dieser Tradition soll im globalen Massstab eine neue Basis verschafft werden, die ihr auch einen Ausweg aus ihrer Sinnkrise ermöglicht.

18. Die Wirtschaft als zentraler Bereich der Gesellschaft steht fast vollständig ausserhalb demokratischer Prinzipien und Transparenz. Damit stellt sie im Zuge der fortschreitenden Weltintegration auch die Unabhängigkeit demokratischer Staaten in Frage. Die Unabhängigkeit des einzelnen Menschen vom wirtschaftlichen Prozess ist zwar ein gewaltiges Ziel und bei knappen Ressourcen vielleicht nie ganz erreichbar. Aber schon eine gewisses Mass an materieller Autarkie ermöglicht dem Einzelnen die Entscheidungsfreiheit, in einem bestimmten Betrieb zu arbeiten oder nicht. Das führt zu einer Art demokratischen Wahl und zu einem Wettbewerb der Unternehmen um die Gunst der Mitarbeiter. Das zivilisatorische Ziel der materiellen Selbständigkeit ist aber wenn, dann nur mit Hilfe der Kräfte der Wirtschaft wie Leistungsbereitschaft, Kreativität, Kommunikation, Investitionskraft etc. zu erreichen. Es geht z.B. darum, die Möglichkeit der Subsistenzwirtschaft mit modernsten Mitteln neu zu entwickeln. Damit könnte es wieder attraktiv werden, das Land zu bewohnen und nicht nur in die Metropolen zu drängen.

19. Um das Weltereignis STRING bekannt zu machen und auf den Weg zu bringen, muss man einen grossen Informations- und Werbefeldzug auf verschiedensten Ebenen und mit sehr breiter Ausrichtung organisieren. Dabei ist es sehr wichtig, sensibel die verschiedenen Kulturen zu berücksichtigen. Die Wurzeln dieses Programms liegen im westlich-europäischen Kulturkreis und in der modernen Weltzivilisation. Deshalb können einzelne der in diesem Programm beschriebenen Elemente für andere Kulturkreise unangemessen sein. Z.B. hat in der hinduistischen Welt der Tod eine eigene Bedeutung, die es zu bedenken gilt. Unhintergehbar bleibt aber die Bedeutung des Entwicklungsprozesses, der zur individuellen politischen Selbständigkeit und zur selbstbestimmten Lebenspraxis der einzelnen Menschen führt.

20. Das Ereignis selbst kann man sich als ein Meer von öffentlichen Veranstaltungen überall auf der Welt vorstellen, das von einem über TV und Datennetzen verbreiteten politischen Kernprogramm begleitet wird. In diesem wird die Vision einer politisch selbständigen Existenz des Einzelnen umfassend und auf verschiedenste, auch künstlerische Weise zur Geltung gebracht. Den Gestaltungsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Das Ereignis geht nach einer bestimmten Zeit in ein Weltfest über, das die gewonnene Einheit der Menschheit feiert und das überall den lokalen Traditionen folgen kann. Es soll unendlich viel Freude geben, ohne dass das Leid und die nach wie vor unhaltbare Situation vieler Menschen aus den Augen verloren wird.

21. Die aufdringlichste Frage im hier aufgezeigten Zusammenhang, wie denn überhaupt ein solch riesiges Projekt Realität werden soll, hat keine einfache Antwort. Der eindeutige Ausgang von einer Einzelperson, in diesem Fall also von mir, ist wesentlich. STRING soll den Kriterien eines Kunstwerkes gehorchen, d.h. es soll keine allgemeingültigen Wahrheiten beanspruchen, keine Theorie aufstellen, sondern ein persönliches Werk schaffen, dessen Wahrheit sich aus seiner Realisierung ergibt. Daher bleibt keine andere Möglichkeit als immer wieder zu versuchen, die Mittel und Wege zu finden, um STRING zu realisieren. Wichtig ist, dass die Organisation, die zur Verwirklichung des Weltereignisses STRING nötig ist, eine privatrechtlich definierte Gesellschaftsform erhalten soll, dass diese Organisation professionell geführt wird, wirtschaftlich erfolgreich ist und sich mit dem Ende des Weltereignisses wieder auflöst.

22. Weltgemeinschaft und Weltereignisse gibt es schon, wenn sie auch noch überzeugendere Formen finden sollten. Und selbst die politische Selbständigkeit des Individuums existiert im Bürgerstaat bis zu einem gewissen Grad. So gesehen resultiert der utopische Charakter, der dem Programm STRING zueigen ist, nicht so sehr aus seinen Grundelementen. Er resultiert vielmehr aus seiner Bezogenheit auf die zukünftige Entwicklung, da diese Entwicklung so oder so unvorhersehbar und somit utopisch ist. An dem Punkt unserer Geschichte, an dem wir uns heute befinden, ist es geradezu eine Notwendigkeit, vorauszugreifen und reelle Massstäbe für die weitere Entwicklung zu konzipieren. Das gebieten unser geschichtlicher Überblick, das Niveau und die Problematik unserer Aktivitäten, der Stand der Integration der Weltgesellschaft und nicht zuletzt der gesunde Menschenverstand. Es geht bei STRING daher nicht mehr um das Ob der Utopie - wir wissen nicht, wie die Welt in hundert Jahren aussehen wird! Es geht vor allem um das Wie, um die Gestaltung der Utopie! Diese muss konkret genug sein, aber auch offenlassend und frei. Sie darf nichts vorwegnehmen und muss trotzdem an grundlegenden und unverzichtbaren Elementen festhalten. Die Freiheit und die Fähigkeit zur Selbstbestimmung sind solche Elemente.

23. STRING ist von der Absicht bestimmt, Politik zu machen, ohne über eine traditionelle Machtbasis, d.h. ohne über kollektive Mittel zu verfügen. Damit will ich dem Tatbestand der Moderne gerecht werden, dass alles und jedes hinterfragt und reflektiert werden muss, bis hin selbst zum eigenen Zwang zur Reflexion. Denn um in diesem Strudel wieder Boden unter die Füsse zu bekommen, gilt es sich von allen traditionellen Wurzeln zu befreien. Dazu gehört in besonderer Weise gesellschaftliche Macht, die in letzter Konsequenz nie ganz ohne das vorkulturelle Prinzip des Rechts des Stärkeren auskommt und an es gebunden bleibt. Vom Zwang zur Macht befreite Politik kann sich ganz dem Spiel der Zeichen hingeben und von der Position der Freiheit aus die biologischen Rahmenbedingungen des menschlichen Lebens wieder integrieren, die unter den herrschenden Verhältnissen auf lebensgefährliche Weise missachtet werden.

24. Philosophisch gesehen geht es darum, die Integration der Weltgesellschaft, die unaufhaltsam voranschreitet, von den Fesseln exoterischer, "materieller" Gebundenheiten wie z.B. Territorium, Bürokratie und Gesellschaftssystem, Infrastruktur (und sei es die aus Glasfaser und "Satellitenleitungen") etc. zu befreien. Denn eine lebendige Weltgemeinschaft kann nicht auf der Ebene des Minimalkonsenses und der platten Zugänglichkeiten entstehen. Sie ist vielmehr auf die Freiheit und die Grösse des menschlichen Geistes angewiesen. Erstaunlicherweise ist nur auf dieser Ebene menschliche Identitätsstiftung möglich, während Technik und Kapitalismus, obzwar sie mit Inhalten umgehen, ihrem Wesen nach nur auf abstrakten inhaltsleeren Transaktionen beruhen. Selbstverständlich existiert ein geistiger Zusammenhang nur, wenn er in kommunikabler Form und d.h. "materiell" dargestellt wird. Aber die in konkrete Reichweite gerückte Gemeinschaft aller Menschen ist nach meiner Auffassung eine neue geschichtliche Kategorie, die wegen ihrer Aussergewöhnlichkeit auch nach einer neuen Form verlangt. Diese Form wiederum muss zuerst geistig gebildet ("erfunden") werden, bevor man sie "materiell" realisieren kann. Das ist primär ein individueller Akt und dafür steht dieses Programm.

25. Die Wahrscheinlichkeit, bzw. die Unwahrscheinlichkeit einer Verwirklichung von STRING ist kein mathematischer Begriff, da es in einen lebendigen, sich verändernden Prozess eingreifen will. Um dieses Programm mit all seiner Ungewöhnlichkeit zusammen mit dem Glauben an seine Verwirklichbarkeit entstehen zu lassen, war eine lange und schwierige Entwicklung nötig. Man könnte an die Geschichte von David und Goliath denken, wie wenn ich als Einzelner gegen die Mächte der Welt antreten wollte, wäre da nicht der Zustand der Unregierbarkeit, auf den die Welt insgesamt zusteuert und der es den Kräften, die offen arbeiten und das Vertrauen der Menschen geniessen immer schwerer macht, das Heft in der Hand zu behalten.

Indem ich diesen Text im WWW veröffentliche, ist die Frage der Realisierung von STRING, die ohnehin nur eine Gemeinschaftsunternehmung sein kann, auch an die neue basisdemokratische Öffentlichkeit gestellt, die das Internet hergestellt hat. Natürlich kann das Konzept noch verändert werden und ist hiermit zur Diskussion freigegeben. Aber an der zentralen Bedeutung des Individuums für die zukünftige Welt lässt sich, da bin ich sicher, nicht rütteln und diese Rolle gilt es anzugehen.




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