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Orientierung
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Wolfgang Behr
The "Anti-*itler"



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Greatness






Renaissance der antiken jüdischen Innovation



Der Geist der Zeichen, Zahlen und Buchstaben als Schicksal des homo sapiens



Prolog


1. Wir Menschen haben durch den Gebrauch von Zahlen, Zeichen und Worten eine spezifische aktive Teilhabe am Geist .

2. Zur "kreatürlichen" Freiheit eines über die Maßen intelligenten, geschickten und sprechenden Lebewesens, wie es der homo sapiens ist, kommt durch diese spezifische aktive Geist-Teilhabe eine zusätzliche Freiheitsebene hinzu, die sehr gefährlich ist und den homo sapiens überfordert. Das zumindest könnte man als die zentrale Erkenntnis der Schöpfergenerationen des Judentums vermuten. Daraus haben sie dann nach ihrem antikem Kenntnisstand eine Art besonderen Geistes-Kult (Buchreligion) gemacht einschl. sehr strenger Lebensregeln, Verbot der Idolatrie (s. "Die mosaischen Unterscheidung" von Jan Assmann) etc..

3. Ich definiere das in meinen pragmatisch modernen Worten um: Wenn der Mensch oder die Menschheit nicht diese ihre aktive Teilhabe am Geist als ein ihre ganze Existenz herausforderndes Schicksal begreifen lernt, dessen Bewältigung sie an die erste Stelle ihres kulturellen Lebens setzen muss, sofort nach der Sorge um die tägliche Existenz, dann wird sie dieses Schicksal nicht bestehen. Heute kann es für diese spezifische Geist-Schicksals-Sorge allerdings keine kollektiv maßgebliche Form mehr geben. So etwas ließe sich weltweit nicht etablieren. Dadurch ist sie an den Menschen an sich, also an jeden einzelnen Menschen übertragen. Das läßt sich auch nicht leicht weltweit etablieren. Aber man kann zumindest damit beginnen.

4. Das klassische Modell dieser spezifischen Schicksalsbewältigung im hier gemeinten Sinn ist das (rabbinische) Judentum vor der Neuzeit, vor der Moderne. Die Juden haben alles, das gesamte Leben, einem strikten geistigen Procedere unterworfen. Damit haben sie in ihrer Partikulartät einen performativen Universalismus geschaffen. Also sie haben etwas, das allgemein und universell notwendig ist, auch wenn es von den anderem Menschen nicht als solches erkannt worden ist (oder im Islam und Christentum nur teilweise erkannt und realisiert worden ist), einfach gelebt. (Der Mangel des Islam und des Christentums sind die vorschnellen Universalisierungen, die zu Formen führen, die der gestellten Schicksalsaufgabe nicht gerecht werden.)

5. Eine ganz entscheidende Komponente des klassischen (rabbinischen) Judentums war die akephale (=führerlose) politische Struktur, die akephale religionssoziologische Struktur (keine Priester) und der Verzicht auf Gewaltmittel. These: Diese sozialen Elemente sind entscheidend bei der Bewältigung des skizzierten Geist-Schicksals, weil sie den einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft erlauben, sich in genügender Weise um den eigenen Geist zu kümmern. Die Juden konnten diese akephalen Gesellschaftsstrukturen durch die Zeiten tragen, weil das Judentum unglaublich starke geistige Rituale hatte. Gegen alle Wahrscheinlichkeit konnten sie dadurch ihre Existenz auch neben ganz anders lebenden, gewaltbereiten, ihnen oft sehr feindlich gesinnten Nachbarn immer - allerdings oft unter Erleiden extremer Gewalt gegen sie - aufrechterhalten.

6. Die Neuzeit und insbesondere die Moderne ist das Zeitalter des Individuums - auch wenn die Kollektive (Staaten, Organisationen, Konzerne) noch niemals so mächtig waren wie in den letzten 300 Jahren. (Leider ist auch die Gewalt gegen die Juden niemals so extrem gewesen, wie in der Moderne - in der Shoah!) Letztenendes müssen die Kollektive zerfallen bis zu ihren individuellen Mitgliedern, weil die ganze Welt niemals ein (verfasstes) Kollektiv sein kann. Die ganze Welt hat kein Außen! Auch deshalb wird das Erbe des Judentums nur mehr von den einzelnen Menschen weitergetragen werden können.

7. 1945 endete der II. Weltkrieg. Er wurde mit Ausnahme von Hiroshima und Nagasaki ohne ABC-Waffen ausgetragen. Das ist bei einem nächsten großen Krieg um die Welt zwischen Staaten, die sich auf der technologischen Höhe der Zeit befinden, nicht mehr vorstellbar. Da alle großen Machtagglomerate, angefangen bei China, Russland und den U.S.A., solange sie existieren, in die falschen Hände kommen können, wird die Welt wohl erst ihre Hochgefahrenzone verlassen, wenn die politischen Machtstrukturen radikal und weltweit dezentralisiert sind (und die Waffen abgeschafft sind). Genau für dieses Ziel bietet die jüdische Diasporagemeinde das notwendige Paradigma. Anstelle der heutigen riesigen, unberechenbaren Machtstrukturen muss eine Welt von lokalen, für die Menschen überschauberen Gemeinden, Städten, Landkreisen entstehen, die sich ohne starke politische Führung selbst verwalten. Der wissenschaftlich-technologische Fortschritt wird in diesem Szenario nicht mehr der Macht von großen Kollektiven unterstellt. Seine Innovationskraft und seine Potentiale dienen dann der Subsistenz der Menschen vor Ort überall auf der Welt.

8. Der einzelne Mensch, der sich als geistige Person erkannt und etabliert hat und von seinen Mitmenschen als solcher anerkannt wird, kann eine solche neue Welt tragen. Das Paradigma für diese politische Individualität ist der monotheistische Gottesbegriff, der im Judentum nach dem babylonischen Exil ausgeprägt worden ist. Dieser Begriff wird konsequent nicht-religiöse(!) verstanden und auf den Maßstab des individuellen menschlichen Geistes der heute lebenden Menschen bezogen.

9. Durch den Gebrauch von Zahlen, Zeichen und Worten ist der menschliche Geist potentiell unendlich! Entscheidend ist die Fassung dieses potentiell unendlichen Geistes in einer Institution der geistigen Personalität des Menschen, die sich von der Welt und von den anderen Menschen als eigenständige Instanz getrennt erkennen und leben gelernt hat. Die andererseits aber mit ihren Mitmenschen einen intensiven geistigen Austausch hat.

10. In dieser Institution der geistigen Personalität, die der erwachsene Mensch verkörpert und die sowohl universell und global, als auch lokal und partikular ist, muss dann das menschliche Schicksal der aktiven Teilhabe am Geist bestanden werden. Zumindest ist dieses Schicksal an jeden einzelnen Menschen verwiesen. Er muss es ganz persönlich als Teil seines Erwachsenwerdens bestehen.
Die große Aufgabe des Weges, der vor der Menschheit liegt, ist es, die sozialen, seelischen und materiellen Bedingungen herzustellen, die die einzelnen Menschen für diesen quasi initiatorischen Akt benötigen.






Kurzfassung


Manchmal ist eine Idee kompliziert, zusammengefaltet, komplex. Manchmal ist sie nicht leicht auszudrücken oder nur sehr individuell zu formulieren, obwohl sie das Ziel hat, die Wahrheit zu sagen.
Vielleicht ist das der Witz einer Idee?
Wenn die Idee komplex ist, ist sie nicht zweidimensional. Ein Text ist sogar nur eindimensional, ein Zeichen nach dem anderen. Die Hoffnung liegt auf dem dreidimensionalen Kopf des Schreibers, des Lesers, dass er in der Lage ist, mittels des eindimensionalen Textes in diesem seinen Kopf ein aktuelles "dreidimensionales Begriffs-Bild" zu erzeugen.


Die Idee von "Renaissance der antiken jüdischen Innovation":


Der Kult kreist um ein heiliges Buch, das in einer sog. Bundeslade wie bei einer Prozession durch die Wüste getragen wird. Verschriftlichte Sprache ist das höchste Gut. Die Mitglieder der Kultgemeinschaft unterwerfen sich dem Buch und den in ihm aufgezeicheten Gesetzen, die Gott einst Moses diktiert hatte, als er den Bund mit seinem Volk begründete. So steht es zumindest in dem Buch.

(Tatsächlich wurde vieles in der Bibel zunächst mündlich tradiert. Der Satz: "Der Herr hat Israel aus Ägypten geführt" wurde anscheinend seit dem 12. Jhr. überliefert. Der älteste Nachweiss des Namens Israel ist auf der Merenptah-Stele aus dem Jahr 1208 v.u.Z. zu finden.
Der früheste Text, das Siegeslied der Debora im 5. Kapitel des Buches der Richter, stammt in seiner Schriftgestalt aus dem 9. Jahrhundert vor Christus. Erst viel später, so ab dem 6. Jhr vor unserer Zeitrechnung wurde die Tora, also die fünf Bücher Mose mit ihren Gesetzestexten, in den Provinzen Samaria und Judäa zusammengestellt. Bis 400 v.u.Z. gab es noch keine ganze Bibel. Bücher, Bibliotheken, Archive gab es zu der Zeit im Tempel und im Gouverneurspalast, nirgendwo sonst.
Geniale Autoren und kreative Redaktoren, die oft politische Vertreter einzelner Städte, sozialer Schichten oder Kulte waren, untereinander zerstritten waren, die Kompromisse schlossen (oder die sp&aum;ter zur aus Babylon zurückkehrenden Oberschicht gehörten), ... haben das Ganze Stück für Stück literarisch fortgedichtet und schließlich zu "Der Bibel" kompiliert.
Das Deuteronomium der "Josianischen Reform" war ein Versuch, die Grundregeln des Judentums neu zu fassen und so mit neuer Autorität zu versehen.
Die Situation des drohenden Identitätsverlustes im Exil in Babylon ergab ev. eine besondere Motivation, alle Texte, die aus Israel mitgenommen werden konnten, zusammenfassen und per Endredaktion in die mannigfaltigen Erzählungen eines großen nationalgeschichtlichen Zusammenhangs zu stellen. Dafür steht die Autorität der Propheten Ezra und Nehemia. Ein Indiz, dass das stimmen könnte: Ab 400 beginnen die Judäer, dem Bilderverbot und dem Monotheismus zu folgen.
Man bedenke jedoch, die wissenschaftliche Erforschung dieser Zusammenhänge ist erst 200-300 Jahre alt! Hier sind Thesen vom Anfang des dritten Jahrtausends wiedergegeben.)

Sprache schafft eine neue Freiheitsdimension und ist dadurch die größte Herausforderung des Menschen. Man glaubt, ihre Auswirkungen auf den Menschen begrenzen zu müssen. Die geistigen Spielräume im Kopf, die die Menschen auf tausend Gedanken kommen lassen, die sie nicht mehr beherrschen können, brauchen Aufsicht und Zucht sowie eine anspruchsvolle hohe Vision von sich, die der Menschen verwirklichen muß, um sich mit der Sprache und der Freiheit zu versöhnen. Aber das Ziel ist viel zu hoch. Dann doch lieber ein "Goldenes Kalb"! Mit dem Ergebnis, dass die hardliner (die Leviten) die Anbeter des Idols ermorden. (Steht alles im Buch!)
Viele hundert Jahre später, nach der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem, schafft das rabbinische Judentum in der Tradition der Pharisäer das Priesteramt ab und überträgt die Einhegung des Geistes jedem einzelnen Menschen. Wenn drei Juden zusammenkommen, um aus dem Tanach (aus der Bibel) zu lesen, besteht eine Synagoge - die maßgebliche Form des Gottesdienstes, in dem die Autorität des Buches immer wieder von neuem bekräftigt wird.

Vergegenständlichte Zeichen und Buchstaben haben seit ca. 4000 Jahren den Kulturexplosionen durch die Sesshaftigkeit (Ackerbau, Viehzucht, Häuser, Rad, Waffen, Metallurgie, ...), die vor ca. 12000 Jahren begann, eine neue Dimension hinzugefügt.
Aber diese vor allem in der Moderne so wahrgenommenen Fortschrittsgeschichten haben zugleich den Blick für einen entscheidenden Aspekt verstellt. Die den Menschen durch die Sprache, die Zeichen ermöglichte aktive Teilhabe am Geist erzeugt einen "schizophrenen" Zustand: Die unmittelbaren "natürlichen" Lebensbedingungen des Menschen, in denen der "Kampf ums Überleben" stattfindet, und die diesen Lebensbedingungen gegenüber äußerliche, absolut indifferente Welt des Geistes. Durch die Verschriftlichung von Zeichen und später von Buchstaben bekommt die geistige Welt einen weiteren unglaublichen Schub des Manifest-Seins und verstärkt die "Schizophrenie" fundamental. Die geistige Welt ist die Sphäre, in der "Gott die Welt aus dem Nichts geschaffen hat" (siehe das Buch). Sie ist aber auch die Sphäre der Theorie (theoros=Zuschauer).
Die Moderne glaubt nicht zu Unrecht, die beiden Existenzbereiche, "Natur" und "Geist", können sich gegenseitig befruchten. Phantasien können verwirklicht werden und sich zu höchsten Emanationen steigern (Flugzeug, Kunst, Börse, die H-Bombe, ...!). In keiner Epoche zuvor ist das Geistige so ubiquitär und betrifft mehr und mehr Menschen direkt - am meisten durch Gesetze und Rechtssprechung, sowie als angewandte Wissenschaft und Technologie. Aber damit wird auch diese "Schizophrenie", die in früheren Jahrhunderten nur wenige professionelle Geister betraf, zu einem allgemeinen Problem - einem Problem, dem die Menschen durch Simplifizierungen und Ideologisierungen selbst der übelsten Sorte zu entkommen versuchen.

Die strengen Regeln (Gesetze) des traditionellen Judentum helfen uns heute nicht mehr, dieses Problem zu bewältigen. Sie sind aber ein Bild, eine Metapher, ein Maßstab für das, was in der heutigen Lage Not tut. Wir müssen die Situation, in der wir nicht mehr ohne den Geist leben können, aber auch nicht ohne weiteres mit ihm, genau als die Tatsache unseres gegenwärtigen menschlichen Schicksals begreifen, der wir uns am dringensten zuwenden müssen. Geist haben als Schicksal, als die größte Gefährdung des Menschen, welche Kehrtwende von der alten Hybris!
Diese Wende ist besonders schwierig, weil die Situation so schwer wahrzunehmen ist oder so gut auf die leichte Schulter zu nehmen ist oder so leicht auf andere abschiebbar ist. Um sie zu bestehen, müssen wir, eine jede Person, kämpfen und kämpfen und kämpfen, so wie der Frosch in der Fabel, der in den Milchtopf gefallen ist. Dieses Schicksal hat keine einfache, schnelle Lösung. Aber ohne irgendeine Lösung ist es auf lange Dauer für Menschen nicht lebbar.

Kollektive sind in der gegenwärtigen Zeit immer verfasst und immer partikular. Die die ganze Erde umspannende, von Menschen bewohnte Welt, die Ökumene, wird nie ein verfasstes Kollektiv sein.
Die Geschichte der Sesshaftigkeit findet heute in der globalen Ökumene eine Art vorläufigen Abschluß, ohne dass es eine adäquate politische Form für diese gesellschaftliche Entität gibt. Diese "ganzen Welt", welche ein Etwas weit jenseits des unmittelbaren (sinnlich wahrnehmbaren) menschlichen Lebenskreises ist und die daher immer nur eine geistige Projektion sein kann, hat als politischen Subjekte oder Träger oder Vertreter nur die einzelnen individuellen Menschen, die darin ihr ureigenes politisches Dasein finden. Sie sind in dieser Aufgabe oder Rolle durch verfasste Kollektivinstitutionen als Vertretung einer begrenzten Gruppe von Menschen nicht zu ersetzen. Denn bei diesen Institutionen ist der Geist durch das Prozessieren der eigenen partikularen Bestandserhaltung absolut besetzt und begrenzt. Nur die Individuen als Individuen können einen freien Geist realisieren, wenn sie dazu angehalten werden.

Für diesen individuellen freien Geist als Träger der "ganzen Welt" ist es notwendig, dass alle Arten von Kollektiven ihre Mitglieder politisch-ideologisch freigeben. Dadurch wird nicht zuletzt die Angst der Gesellschaften voreinander auf ein Minimum reduziert und irgendwann werden die H-Bomben, die jetzt noch die Garanten der Freiheit der Welt sind, überflüssig gemacht.

Es gilt, die geistige Freiheit des Menschen von der Gesellschaft in der kommenden Epoche zu erarbeiten, und zwar auf beiden Seiten, auf der des Individuums und auf der der Gesellschaft. Dazu ist eine Haltung der Menschen nötig, die einen gewissen grundlegenden "Abstand" zwischen ihnen ermöglicht.

Der Mensch beherrscht die Erde spätestens seit homo erectus das Feuer zähmte, sein Essen kochte und große Tiere erlegte. Der sprechende Mensch hingegen beherrscht sich selbst noch nicht.

Soweit die (lange) Kurzfassung der Idee von "Renaissance der antiken jüdischen Innovation".



Der Auszug aus Ägypten und der extramundane Gott - was fehlt?


Die europäische Renaissance hat die Moderne in hohem Maße geprägt, indem sie große politische und kulturelle Innovationen der antiken Griechen und Römer wie z.B. Demokratie, Philosophie, Wissenschaft, Theorie, Währung(!), Welthandel, Kunst, Sport, römisches Recht, römische Verwaltung oder republikanische Verfassung in unserem Zeitalter wiederaufleben ließ (bzw. aus der mittelalterlichen Verbindung mit der katholischen Kirche heraustrennte).
Aber eine Renaissance wartet immer noch darauf stattzufinden - die Renaissance der antiken jüdischen Innovation.

Dazu ist allerdings anzumerken, dass wichtige Teile dieser Innovation wie der monotheistische Gottesbegriff nie eine Renaissance brauchte, weil er in den ganzen letzten 2000 Jahren präsent war.
Und die aus drei Teilen bestehende Befreiungsgeschichte des Buches Exodus, die man thematisch auch der jüdischen Innovation zurechnen kann, also der Auszug aus Ägypten (1), der mit dem Text eines Buches (die Thora) "materialisierte" und beschriebene Bund mit Gott (2) und nach 40jähriger harter Wüstenwanderung die Ankunft im eigenen "Gelobten Land" (3) hat in der Neuzeit schon ihre Renaissance erfahren. In allen protestantischen, neuen "Bundes"-Schlüssen, im entstehenden Nationalismus, in den neuzeitlichen Vertragstheorien (z.B. von Rousseau) und in sämtlichen neuzeitlichen Revolutionen und Befreiungsbewegungen wird sie als Vorbild genannt und hat ihren Hoffnungsschimmer verbreitet (siehe Michael Walzer "Exodus and Revolution").
Es ist ein großes Faszinosum, dass in einem der einflußreichsten Bücher der Weltgeschichte verfemte Gesichtspunkte nomadischer und akephaler (selbstverwalteter) Gesellschaften in Gegnerschaft zu den zeitgenössischen und hierarchischen Hochkulturen (wie Ägypten, Assyrien, Babylon, Persien, Rom) eine zentrale Rolle spielen und sich dadurch erhalten haben.
Die nach dem Verlust der territorialen Verankerung in Palästina durch die römische Zerstörung Jerusalems entstandenen rabbinischen Diaspora-Gemeinden beruhten noch unmittelbarer auf dem Buch. Auf dieser sehr ideellen Basis haben sie die nomadische und akephale Welt zwar politisch konkreter als zuvor, aber als absolute Aussenseiter durch die machtpolitisch-hierarchisch dominierte Geschichte getragen.

Das Konzept des biblischen Gottes, der nicht darstellbar (rein geistig) ist, der ausserhalb der Welt (extramundan) existiert - ja diese aus dem "Nichts" geschaffen hat, der zu den Menschen spricht, ihnen Gesetze gibt und der faktisch nur als oder im Text eines Buches existiert, nannte ein großer Philosoph den Beginn der Aufklärung. Dieses Konzept erweckt bis heute durch seine geistige und spirituelle Abstraktheit einen einzigartigen Eindruck, ist aber noch nicht zu seinem eigentlichen Ertrag gekommen. Denn dieser Gottesbegriff kann als das herausragende Modell für die individuelle Persönlichkeit, die auf dem Geist basiert, gelten. Seine paradigmatische Größe ist geeignet, das Individuum als Institution - als politische Institution zu erschaffen. Denn wirkliche Individualität kann es nur auf der Grundlage der geistigen Persönlichkeit geben.

Der antike Monotheismus hat einen politisch-konkreten spirituellen Standard gesetzt und die Juden haben ihn selbst in Niederlagen und im Exil wie in der Galuth politisch am Leben gehalten. Die Christen und Muslime haben sich je auf ihre Weise an diesem Standard orientiert und ihn durch die Jahrhunderte getragen.
Heute einen vergleichbaren Menschheits-Maßstab "katholikos" = weltumspannend und allgemein werden zu lassen ist der modernen Zivilisation bis heute noch nicht gelungen. Vielleicht fehlt ein entscheidender Aspekt.


Der unpersönliche Geist


Der heutigen Welt mit all ihren unpersönlichen Rationalismen, insbesondere den Abhängigkeiten von Zahlen, Rechtssystemen und Algorithmen in Technik, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fehlt der Leitbegriff einer solchen maßstabsetzenden Personalisierung des Geistes. Dadurch ist es weder möglich, die Dynamiken unseres Zeitalters in den Griff zu bekommen, noch können die vormodernen Personalisierungen der unmittelbaren Macht (z.B. König, warlord, Mafiaboss oder Superreicher) in die Schranken verwiesen werden, die noch vielerorts (im doppelten Sinne) herrschen.


Die unpersönlichen geistigen Verfahren schaffen kollektive Tatsachen und solange dies der Hauptzweck der Weltzivilisation ist (Erschaffung von globalen Standards), haben sie eine ungeschlagbare Dominanz. Aber diese Verfahren und Tatsachen, mögen sie sehr hilfreich sein, bleiben uns immer äußerlich. Nur wenn wir uns in der Sprache / im Geist oder durch die Sprache / durch den Geist individualisieren und zu Personen werden, verwandeln wir uns den Geist an, lassen ihn persönlich werden, unseren Geist werden. Das ist nicht vom Einzelnen her gedacht, sondern von der Gesellschaft. Sie muss ihre Mitglieder freigeben und auf den Weg zur geistigen Eigenständigkeit schicken.
So lange unsere Zivilisation eine Frau oder einen Mann primär nach ihren oder seinen biologischen, materiellen, sozialen oder bürokratischen Bedingungen behandelt, solange greift unsere Sicht der Sprache und des Geistes auf fatale Weise zu kurz.
Zudem gibt es einen weiteren problematischen Aspekt des unpersönlichen Geistes. Durch Wissenschaften und Technologien wird die Erzeugung ungeahnter Welten und Produkte ermöglicht. Aber manche Produkte haben das Potential, alle die konkreten kollektiven Gegebenheiten von der Natur bis zur menschlichen Gemeinschaft/Gesellschaft, auf denen das menschliche Leben heute beruht, in Frage stellen. Nicht dass das absichtlich geschieht. Aber es geschieht leichtfertig.
Das liegt nicht zuletzt daran dass die Verwalter des unpersönlichen Geistes, die ja über große indirekte Macht verfügen, eine Tendenz zum Gnostizismus, d.h. zur Abwertung allen nicht-geistigen Lebens haben. Einer der Gründe dafür kann in der Tatsache liegen, dass sie Schicksal für andere spielen und dabei denken, sie selbst unterstehen diesem Schicksal nicht. (Man denke in dem Zusammenhang an die fatale Mentalität der Investmentbanker im ersten Jahrzehnt des 21. Jhrs)

Was aber verhindert die Persönlicherwerdung des Geistes in dieser Epoche? Zum einen sicher die Tatsache, dass der Gottesbegriff als das Paradigma für diesen Schritt bis heute in den maßgebenden gesellschaftlichen Wahrnehmungen nicht von der Religion und der Macht der Religionsvertreter losgelöst wird. Das ist aber keine wirkliche Hürde mehr, da die Macht der Kirche stark relativiert worden ist.
Ein zweiter Aspekt ist viel wesentlicher. Die Bedeutung des Schicksalsbegriffs. Während die Menschen im Mittelalter einem Fürsten, Bischof, König oder Heerführer unterstellt waren und ihr Schicksal direkt mit dem ihres Herrschers - einem persönlichen Geist !! - verbanden, tat sich die Moderne immer schwer mit der Tatasache der Schicksalshaftigkeit des Lebens. Man wollte gerade weg von den unabänderlichen Umständen des Lebens. Man wollte sich aktiv und durch die wissenschaftliche Erkenntnis der Natur eine eigene Welt erschaffen, um endlich sicheren Boden unter den Füßen zu haben. Dass nun ausgerechnet das wesentliche Mittel dieses Aufbruchs aus den Unwägbarkeiten und Abhängigkeiten des Lebens höchstselbst, der Geist in den Schriften und gelehrten Diskussionen, als Schicksal zu begreifen ist, fällt schwer, sollte aber nach dem 20. Jahrhundert, dem "Zeitalter der Extreme" (Eric Hobsbawm), nicht mehr als unverhältnismäßig wahrgenommen werden.
Längst ist der Hochmut der Eliten gegenüber dem Schicksal und gegenüber den sozialen Schichten, die dem Schicksal mehr ausgeliefert erscheinen als sie selbst, vor allem ein Ausweis der Dummheit und Angst geworden.


Die strengen jüdischen Gesetze als Versuch, das Schicksal der aktiven Teilhabe am Geist zu meistern - die antike jüdischen Innovation!


Wenn also das Gottesbild nicht ausreicht, um den modernen Geist wieder zu einem persönlichen Geist werden zu lassen, dann ist das Schicksal, Sprache und Geist zu haben, und der Umgang mit diesem Schicksal der Teil der jüdischen Innovation, der noch aussteht!

Der Geist ist das Schicksal, dem sich der Mensch mit absoluter Priorität zuwenden muss. Der Geist ist die wichtigste Prüfung, der sich der Mensch unterziehen muss, um nicht an sich selbst zu scheitern. Das ist die antike jüdische Innovation. Prüfung und Priorität werden in den strengen Gesetzen, denen sich das jüdische Leben eines jeden Juden unterstellen muss, politisch real gemacht!
Der biblische Gott und die Gesetze, die er den Juden gegeben hat, sind das Bild dieses Geistes und was er für den Menschen bedeutet. Uns kann dieses Bild die Größe und Schwierigkeit dieser Aufgabe zeigen, wenn wir es richtig deuten.


Es geht darum, das globale Kultur- und Zivilisationsgeschehen trotz aller überbordender Aktivitäten auch als Schicksal zu begreifen. Und wie könnte man das nach dem 20. Jahrhundert nicht tun.
Dieses Schicksal zu gestalten und zu bestehen kann nicht auf elitäre Weise, d.h. durch wenige maßgebliche Repräsentanten vielen unmaßgeblichen Menschen gelingen - das nicht zuletzt deshalb, weil diese Aufgabe zu unspezifisch ist für alles elitäre Projekthandeln (und weil es keinen König der Welt geben wird).
Wenn es uns gelingen soll, diesem Schicksal aktiv zu begegnen, dann als individuelle Geister, die jegliche Art(!) von kollektivem Zwang und kollektiver Macht unter Kontrolle gebracht haben - innerhalb und außerhalb von uns selbst. Der Mensch ist ein Gemeinschaftslebewesen, in seiner inneren Verfasstheit und in seiner äusseren Lebensbewältigung. Aber die immer umfassenderen Gemeinschaftsformen, Organisationen, Nationen und Konzerne oder Systeme, Strukturen und Maschinen etc. können die Menschheitszivilisation nicht auf gute Weise lenken, weil sie dem Geist selbst nie gerecht werden können - trotz all der geistigen Standards, die sie setzen und aus denen sie bestehen. Sie beschneiden den Geist zu Ideologien ihrer Bestandserhaltung und geraten immer wieder über die Grenze zum Machtmissbrauch. Daher wird für das Ganze der Welt eine neue Dimension von Gemeinschaft notwendig.

Vielleicht ist es so, dass die Vereinigung des homo sapiens sapiens zu einer Weltgesellschaft zuerst in einer äusseren, intersubjektiven, objektivierten Form zustande kommen muss. Geldtransfers, Gütertransporte, weltumspannenden Gerichtszuständigkeiten, Ferienreisen, Diplomatenkontakte, internationale Wissenschaft, internationale Produktion, globale Kulturevents, ... sind solche Formen. Erst dann kann eine Gemeinschaft von Milliarden von Menschen entstehen, deren Existenz offensichtlich jede traditionelle und jede noch so avancierte Kollektivform übersteigen wird. Sie muss auf den "geistigen Schultern" aller einzelnen Menschen - auf allen Menschen als einzelne Personen stehen. Dieses Ziel anzustreben ist unumgänglich, weil der Geisteszugang, den die Sprache für den Menschen darstellt, erst in der geistigen Instanz oder in der politischen Institution, die der einzelne Mensch sein oder werden soll, fassbar und lebendig wird und sich erst dadurch wieder der Tatsache der Schicksalhaftigkeit stellen kann. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden muss sich jeder Mensch einmal in seinem Leben dem unendlichen und unfassbaren Geist überlassen und diese Prüfung bestanden haben.
Die konkreten Formen der Gesellschaftlichkeit werden durch dieses Geschehen nicht verschwinden. Aber die damit verbundenen Tätigkeiten werden zu Dienstleistungen, anstelle der Unterwürfigkeit verlangenden Herrschaftsakte der Vergangenheit.


Der Judaismus - eine nationale Religion, die von Priestern und Schreibern gegründet worden sein könnte - soll auf die Entdeckung zurückgehen, dass die Sprache und die schriftliche Notation als aktive Teilhabe am Geist für uns Menschen als Gemeinschaft wie als Einzelne das entscheidende Schicksalsdatum ist, in dem wir uns gewinnen können oder untergehen - gemäß der hier vertretenen These von der antiken jüdischen Innovation!

Es geht dabei nicht so sehr um das, was wir mit der Sprache anstellen, sondern um das, was die Sprache mit uns anstellt! Durch die Sprachnutzung erreichen wir ein Maß an Freiheitsgraden in unserem Tun, die jederzeit in der Lage ist, uns aus der Bahn, ja aus jeglicher Bahn zu werfen. Genau deshalb braucht der Menschen Tabus, braucht er das Primat der Moral. Er braucht ein Korsett an umfassenden Geboten und Regeln, was er denken und tun darf und was nicht, um diese Gefahr einer ausufernden Nutzung seiner Freiheitsgrade zu bannen - so die Lehre des antiken Judentums (siehe das Buch). Es geht aber noch einen Schritt weiter, denn Tabus und Regeln gab und gibt es in allen Gesellschaften (sicher auch in den prähistorischen Kleingesellschaften).
Gerade in der Willkürlichkeit der jüdischen Lebensregeln, nur bestimmte Speisen sind koschere Speisen, weswegen es den Juden z.B. nicht möglich war (und ist), die Commensualität, das gemeinsame Speisen mit Fremden oder nichtjüdischen Nachbarn, auszuüben, kommt das Primat des Geist, b.z.w. die erkannte absolute Notwendigkeit des Bewältigens des Geistesschicksals zum Ausdruck. Alles Leben steht unter dem Primat des geistigen Beurteilt- und Bestimmtwerdens. Geist durch schriftlich fixierte Sprache hat das Primat im Leben.

Es ist vielleicht auch kein Zufall, dass das erste und einzige Mal, als ein echtes Alphabet erfunden wurde, es in derselben Region geschah, in der innerhalb der folgenden tausend Jahre der extramundane (ausserweltliche) Gott entdeckt oder konzipiert wurde und die Texte der Bibel geschrieben und kompiliert wurde. (Natürlich profitierten alle diese Unternehmungen von der großen Tradition der nahöstlichen Schrift- und Erzählkulturen.)


Zeitalter des Individualismus und persönlicher Geist


Sei es wegen unseres Zeitalters des Individualismus, sei es aus sachlicher Notwendigkeit - ein partikulares Kollektiv mit strengen für alle gültigen Vorschriften wird dem Geist auf Dauer nicht mehr gerecht, weil es selbst als rabbinisch-jüdisches Gemeindeleben die Freiheit des Geistes beschneidet. Und selbstverstÄndlich ist auch dieses Modell nicht als globale Gemeinschaft der Menschen realisierbar. Das bedeutet unmissverständlich, nur wenn wir uns als je einzelne Personen im Rahmen der Individual-Institution, für die der extramundane Gott das Paradigma ist, nur wenn wir uns ein jeder als Einzelner in die Sprache hineinstürzen und versuchen, in ihr einen Boden zu finden (man kann es eine Initiation zur Idee der Wahrheit nennen), werden wir diese schicksalhafte Herausforderung vielleicht bestehen, die keine anderer Person für uns bestehen kann!
Zu welcher Zeit in ihrem Leben eine Person diese Initiation versucht, ist nicht festzulegen. Vielleicht dann, wenn sie glaubt, sie bestehen zu können. Vielleicht wird es immer ein längerer Prozess sein. Soviele Menschen, so viele verschiedenen Wege!
Durch diese Initiation wird man auf universelle Weise - und das bedeutet: tatsächlich, politisch - ein individueller Mensch! Einen (politischen) Bürger der Welt, einen cosmopolites hat das, b.z.w. hat sich Diogenes von Sinope genannt.

Die Menschheit muss sich dem Schicksal, den Geist zu haben, stellen und ihm gerecht werden. Die Resultate der modernen Wissenschaft, Technologie und Ökonomie beweisen das durch die ihnen innewohnenden Doppelgesichtigkeit, als wesentliches Mittel sowohl zur Entstehung einer ganze Menschheit und zur Gewährleistung ihres Leben als auch durch die gleichzeitige Bedrohlichkeit dieser Mittel für die entstehende Weltzivilisation und sogar für das menschlichen Leben selbst.

Die Menschheit kann diesem Schicksal nur auf der Ebene der individuellen Persönlichkeit gerecht werden, weil alle kollektiven Einheiten von der Familie bis zum Nationalstaat wie gesagt zu ideologisch, d.h. zu geistig eingeschränkt und dogmatisch auf ihren Bestand bezogen sein müssen und dadurch hinter einer adäquaten Behandlung der Tatsache der uns zugänglichen geistigen Freiheit zurückbleiben.

Es gibt zwei Gründe für die Verspätung einer Renaissance der antiken jüdischen Innovation in der Neuzeit. Der eine Grund ist das Christentum, dessen grosse, alte Synthese von jüdischen, hellenistischen und römischen Elementen so lange einen verhindernden Einfluss hat, so lange die Neuzeit solch eine grosse Synthese nicht nach ihren eigenen Maßstäben verwirklichen kann. Das Schicksal hatte im Christentum als Vorsehung, als Glaube an Wunder und an die Unerforschlichkeit von Gottes Willen und als Bestätigung sog. christlicher Herrscher seinen Platz. Ähnliches gilt für den Islam.

Der andere Grund ist die eindeutige, schicksalhafte Bindung der jüdischen Innovation an das jüdische Volk. (Diese Bindung ist schicksalhaft, weil Schicksal, genauer Sprache/Schrift als Schicksal - "der von Gott sprachlich mitgeteilte in einem Buch aufgezeichnete Bund mit Gott" - ihr zentrales Thema ist!) Die Innovation, an einen extramundanen Gott zu glauben und sich von ihm leiten zu lassen und zweitens die Sprache (Schrift) über alles zu stellen, geschah in der Antike. Und die Juden (die sich zum Judentum bekennenden Personen) haben ihre gemeinschaftliche Existenz durch all die Jahrhunderte bis heute nicht zuletzt aufgrund ihres starken Geistes, der Heiligung des Buches und der Heiligung der Menschen des Bundes (das "Gottesvolk") aufrechterhalten.
Nun war in der Antike, als die Juden gegen Babylonier, Ägypter, Assyrer, Perser, Griechen und Römer für ihre Freiheit und Autonomie kämpften, "Ein-Volk-sein" oder "Eine-Nation-sein" tatsächlich eine Art individuelle Position. Aber das ist in der Moderne nicht mehr der Fall, in der der Individualismus seinen Durchbruch erlebt hat.

Aus dem gleichen Grund kann auch der moderne Nationalismus, der zuerst von am Alten Testament orientierten Puritanern in Holland, in England während der "Glorious Revolution" und durch die Pilgerväter in Amerika geschaffen wurde, bevor er nach Frankreich kam, nicht als die eigentliche Renaissance des antiken Judentums gelten, obwohl er, wie oben gesagt, direkt von dem antiken biblischen Mythos herrührt, in dem ein Volk, welches als Sklavenvolk aus Ägypten flüchtete, um die Freiheit zu erlangen, und dann, nachdem es von seinem Gott die Gesetze erhalten hatte und vierzig Jahre durch die Wüste gezogen ist, in das ihm verheißene eigene "nationale" Land gelangte.

(Orthodoxes) Judentum und die Moderne passen nicht zusammen. Der Judaismus hat einerseits einen adäquaten Umgang mit dem spezifischen geistigen menschlichen Schicksal gefunden, ist aber andererseits ethnisch-kollektivistisch-partikular.

Die Moderne, im Gegenzug, basiert auf dem allgemeinen Begriff des Menschen, ist deshalb vom Prinzip her individuell und zugleich universalistisch, aber bleibt in einem theoretischen, äußerlichen, unpersönlichen Rationalismus stecken.
Wegen dieser Dominanz der intersubjektiven Rationalitäten und Verfahren (Wissenschaft, Technologie, Recht, Bürokratie, Ökonomie) hat die Moderne noch keine angemessene Einstellung gegenüber der Tatsache des Schicksals gefunden. Sogar die modernen Künstler können diese Einstellung trotz der Konzeption aus dem Inneren der Persönlichkeit herausquellender, einzigartiger Individualität nicht finden, weil sie eine Elite sind - was wiederum eine kollektivistische Kategorie ist.
Die Neuzeit konnte trotz aller Revolutionen und trotz der Bedeutung, die die Menschenrechte, die "freie Wirtschaft", die Sakralisierung der einzelne menschlichen Person und der Individualismus vielerorts auf der Welt erlangt haben, die Macht des Kollektiven und die Macht des Rationalismus noch nicht bändigen.
Deshalb fällt es heute zu unglaublich schwer, das zentrale Movens der Moderne, den Geist in unserem Sprechen und Notieren, als generelles humanes Schicksal, und zwar als das absolut drängendste und schwierigste Schicksal überhaupt zu sehen und dann anzuerkennen. Es fehlt die maßstabsetzende Personalisierung des modernen Geistes oder des Geistes überhaupt.


Das Messias-Konzept


Es gibt im direkten Zusammenhang mit dem Monotheismus einen idellen Ort im Judaismus, in der eine konkrete individuelle Person eine zentrale Rolle spielt und damit die menschliche Individualität quasi präfiguriert. Das geschieht in der Figur des Messias, sowie in den sehr konkreten Erwartungen, die sich auf ihn richten.
Was - jedoch - könnte der Messias für die Moderne oder für die Renaissance der antiken jüdischen Innovation bedeuten? Offensichtlich können wir, die modernen Menschen, einen Messias nicht mehr als "another hero" annehmen. Wir brauchen keinen Messias mehr! (siehe Monty Python's "Life of Brian").

Nimmt man die Messias-Projektion hingegen als Paradigma für die politische Realität eines freien, individuellen, persönlichen Lebens unter ihres- und seinesgleichen, geistige Freiheit und eine zumindest passive gesellschaftliche Verantwortung miteingeschlossen, dann kann das messianische Modell wieder höchst relevant werden. Dieses Paradigma kann der modernen einzelnen Frau oder dem modernen einzelnen Mann jene unvergleichliche Grösse und innere individuelle Unabhängigkeit geben, die sie brauchen, um sich von den kollektiven Strukturen und Mechanismen als solchen zu emanzipieren, gerade ohne dabei die Gesellschaft und die Gemeinschaft in den Solipsismus oder in eine einsame Klause zu verlassen. Der Messias, besser das Messias-Sein ist die Koinzidenz des (jüdischen) Gottes und der normalen Frau / des normalen Mannes, ohne irgendeine Relativierung einer der beiden Seiten.

Wenn man die Aussagen über Gott und Messias nicht mehr intersubjektiv und gesellschaftlich versteht, sozusagen als Modus der Hierarchisierung der Gesellschaft oder gar als Versuch der Vergöttlichung einzelner Personen in einer Gesellschaft, sondern wenn man sie intrasubjektiv, innerhalb der jeweiligen Person versteht, als qualitative Aussagen über die Eigenständigkeit und Individualität dieser Person, dann bekommen diese Vorstellungsmuster einen ganz neuen und anderen Sinn. Sie sind dann nicht mehr kulturelle Vorgaben, die man zu glauben hat, und gegen die man sich wehrt - gegen die Herrschaft der Pfaffen oder der Mullahs. Sie schaffen stattdessen den gesellschaftlichen Freiraum und geben die innere Kraft auf dem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit, die sich ihrem eigenen Schicksal stellen kann.
So gesehen trifft sich das Messias-Konzept mit der griechischen Aufklärung des Sokrates, mit seiner paradigmatischen "schicksalhaften Individualität" (Seth Bernadette).

Alles, worüber wir hier reden, kann nur innerhalb einer strikten modernen Individualität geschehen, die geschichtlich gesehen in der individuelle Seele des Christentum, in der individuellen Basis des römischen Rechts (ursprünglich das ius gentes), in der Stellung des einzelnen Juden im priesterlosen rabbinischen Judentum (wie später im Protestantismus) und im modernen Staatsbürger - dem citoyen - wichtige Wegbereiter hatte!
Genauso unbestreitbar bleibt heute jeder "Fortschritt" an die moderne, funktional ausdifferenzierte Gesellschaftlichkeit gebunden! Allerdings gilt es diese weiterzuentwickeln und wieder zu lokalisieren, ohne darüber den globalen Modus zu verlieren.
Die Partikularität muss von den unzähligen identitären Kollektivformen der Geschichte zu den einzelnen Personen übertragen werden. Unzählige partikulare Kollektivformen des Zusammenlebens wird es auch künftig geben, aber sie werden nicht mehr dominant sein. Sie werden am Schicksal der einzelnen Menschen Anteil haben, aber der wesentliche Part des Schicksals - das, was den jeweiligen einzelnen Menschen ausmacht, obliegt ihm als Individuum auf dem Weg zur geistigen Sebstständigkeit.

Heute, schon fast eine Generation nach dem Ende der Ideologie der "theoretischen Vorherrschaft des Geldes" (= real existierender Marxismus/Sozialismus) und nach dem politischen Interregnum, welches mehr schlecht als recht von der Gewinner-Ideologie der "praktischen Vorherrschaft des Geldes" (= real existierender Kapitalismus) dominiert wird - im übrigen sind beide rationalistische Ideologien mit Ursprüngen im 18. und 19. Jhr. -, sollten wir endlich an das Ende aller Ideologien-Herrschaft kommen. "Geld" (Währung), welches eben nur ein Medium ist, kann "Gott" als zivilisatorischen Anker definitiv nicht ersetzen.
Wir sprechen hier allerdings nicht über einen religiösen Gott oder über den Glauben an einen Gott, der von einer Elite von Klerikern oder von Fundamentalisten gemanagt wird. Wir sprechen über den biblischen Gott, über den rabbinisch-jüdischen Gott, was in unsere heutige Welt übersetzt soviel bedeutet wie geistig, moralisch und materiell freie, normale Leute, die in einer freien Welt zusammenleben, weil sie ihre Freiheit nicht missbrauchen. Die Verantwortung oder Verpflichtung des Menschen gegenüber Gott ist nur das Bild, besser das vorläufige Surrogat der eigenen "real existierende" Unabhängigkeit und selbstredend derjenigen der Mitmenschen. Denn diese Unabhängigkeit (oder Freiheit) existiert nur in einer Welt, in der die Menschen einen modus vivendi für ihre Freiheit und für die schicksalhaften Bindungen und Bedingungen ihres Lebens gefunden hat.
(siehe zu diesem messianischen Konzept auch Rabinkow)


Gottesbild als Versuch, den Menschen zu erfassen und ihm eine Vorlage zu geben


Die unendliche Größe Gottes, die absolut jenseits jeder Vorstellungskraft liegt, symbolisiert zum einen die Sprache, von der wir auf Gedeih und Verderb abhängig sind, die wir jedoch nie verstehen werden, weil wir ja immer nur mittels der Sprache verstehen können und sie niemals von außen sehen und beurteilen können.
In der anderen Hinsicht ist alle Vorstellung von Gott oder Göttern zu klein. Denn kein Bild des gütigen oder zornigen Gottes oder des bösen Satans erreicht je die Realität dessen, was Menschen für andere Menschen sein können und waren und sind - im Guten wie im Bösen, denn es betrifft die unendlichen menschlichen Grausamkeiten (Auch Tiere, z.B. Schimpansen können morden, aber "Lichtjahre" entfernt von den Formen wie Menschen das tun!) und die unendliche menschliche Güte.
Um diesen Gedanken richtig zu verstehen, muss man die jeweils stärksten menschlichen Erscheinungen, vielleicht ein Kaiser des röischen oder chinesischen Reiches, und die schwächste Erscheinung, vielleicht ein Neugeborenes, zu Grunde legen und sie gegeneinander stellen. Dann wird man die potentielle Unendlichkeit der Gewalt und der Güte des Menschen gegenüber dem Menschen erahnen.

Der Messianismus ist die Idee, dass dieses absolute, alle Grenzen sprengende Geschehen des Geistes, das uns Menschen zu den aus der Natur Gefallenen macht, nicht mehr zwischen den Menschen, b.z.w. durch Instrumentalisierung der Menschen ausgetragen oder ausgelebt wird, sondern dass es in den einzelnen Menschen hineinwandert und dort stattfindet. Der Messianismus ist auch die Hoffnung darauf, dass dieser epochale zivilisatorische Schritt irgendwann geschieht - was ohne Zweifel seine problematische Seite ist, weil es niemals Sicherheit geben kann, dass der Schritt getan wird oder, wenn er getan ist, dass er nicht wieder einem Rückfall anheimfällt.

"Vor Gott sind alle Menschen gleich". Vor der Aufgabe, den Geist als Schicksal in das eigenen Leben aufzunehmen, verblassen die sozialen und hierarchischen Unterschiede. Während in der Welt der partikularen sesshaften Kollektivität die Menschen sehr viel Energie und Lebenszeit auf die soziale Distinktion und auf ihre Karriere lenken, verliert diese Motivation an Bedeutung, wenn die geistige Eigenständigkeit jeden Menschen von sich aus definiert und das nicht mehr durch die Unterschiede zwischen den Menschen geschieht.
Weil man solch eigenen persönlichen Geist, solch eigenen Gebrauch von Sprache und eigene Gedanken nicht als Akademiker, Schriftsteller oder gar Nobelpreisträger entwickelt, sondern schicksalhaft mit den je eigenen geistigen Mitteln, können keine kulturellen, ökonomischen oder politischen Eliten mehr diese Aufgabe für uns erledigen! Aber es liegt in deren elitärer Verantwortung, den Kurs der Weltzivilisation in diese Richtung zu lenken.

Warum sollten sie das tun?
Weil es an der Zeit ist!
Weil die Weltgesellschaft ein neues Paradigma benötigt, um endlich einen wirklichen Beginn zu haben.
Und wer sonst kann uns dieses Paradigma geben als die Juden, die vor mehr 2500 Jahren die große Vision einer freien und friedlichen Menschheit entwickelt haben und sie durch alle Zeiten seit damals nie mehr aufgegeben haben - aber zu welchen Kosten. Auf diese hätten sie allemal gerne verzichtet!
(Die zivilisierenden Wirkungen, die auch in anderen Religionen wie Buddhismus, Christentum, Islam, Bahai u.a. enthalten sind, sollen darüber keineswegs vergessen sein.)


Shoah als nicht mehr stillzustellender Auftrag, etwas Grundlegendes zu ändern


Ich verlange (im übertragenen Sinne!) eine Menge von der/dem jüdischen Gläubigen, besser von den Personen, die durch das rassistische Prisma von Hitlers antisemitischem Hass und den Massenmordtaten der Shoa bis heute zu "Juden" gemacht worden sind. (Erwin Chargaff: "Hitler hat mich zu einem Juden gemacht!") Ich verlange von diesen Personen die Dekonstruktion oder Verallgemeinerung ihres Glaubensbekenntnisses b.z.w. ihrer nationalen Zugehörigkeit zum "Gottesvolk". (Das hat selbstverständlich nichts mit dem Staat Israel zu tun. Ich habe nicht die Hybris, mich dort einzumischen, schon gar nicht als Deutscher. Alles, was außerhalb von Israel über diesen Staat, seine Bürger, seine Bevölkerungsgruppen und alles dortige Geschehen gesagt wird, wird auch im Inneren Israels gesagt. Der "Senf" von außerhalb ist also überflüssig.)
Ich verlange viel, aber nach der Shoah, nach der Art und Weise, wie die Shoah zustandkam und durchgeführt wurde, gibt es zur grundstürzenden politischen Vereinzelung von uns Menschen keine ernsthafte Alternative mehr. Die Shoa erfordert das Gegenteil der Wirkung Hitlers! Das, was das Judentum im Kern ausmacht, die Bewältigung des (schriftlich-)geistigen Schicksals im Leben des Menschen, welche jede menschliche Person zu ihrer Einzigartigkeit führt, muß endlich menschliches Allgemeingut werden, anstatt den Antisemitismus am Leben zu erhalten. Das Kollektiv darf nie wieder an erster Stelle stehen.


Sprache als Vorsehung


Wir, die wir eine "Hochtechnologie-Art" geworden sind - wohlgemerkt durch den Gebrauch von Sprache und Zeichensystemen, d.h. von Geist -, brauchen die jüdische Innovation dringend, um uns selbst zur Ehre zu werden - aber zuförderst um uns selbst überhaupt zu überleben! Der Geist, jedes Menschen Geist, das heisst, das uralte klassische Paradigma der einzelnen geistigen Person: "Gott", bestimmt und liebt den Körper, eines jeden eigenen Körper, jedes menschliche Wesen. "Vor Gott sind wir alle gleich" - weil jeder Mensch ist (im Prinzip) der Sprache mächtig! Solange wir Leben und Zusammenleben nicht auf unsere eines jeden sprachliche Einzigartigkeit, die mit dem Namen beginnt, gründen, werden wir nicht aufhören, auf unseren Narzismen, auf unserem Hass zu bestehen, werden wir nicht aufhören, Freiheit mit Willkür zu vertauschen und uns in den Kollektiven zu verstecken und aufeinander loszugehen, werden wir nicht aufhören, die Naturkräfte zu manipulieren und blind zu Gefährdung gedeihen zu lassen - bis diese uns untertan machen! Die Menschheit kann nur Agent des eigenen Schicksals werden, wenn sie auf dem Höhepunkt ihrer äußerlichen Macht lernt, die Stimme der "Vorsehung" zu verstehen = die durch die Sprache vermittelte aktive Teilhabe am Geist ist als das, was es ist, ein unbegreifliches Schicksal, dem man trotzdem versuchen muss, mit aller Kraft gerecht zu werden, indem man im gesellschaftlichen Dasein ganz klein und bescheiden wird und seine Größe nur im eigenen einzigartigen Geist sucht.


Sokrates - der "Jude der Griechen"


Wollte man, wie schon angedeutet, bei den Griechen ein Äquivalent zur antiken jüdischen Innovation suchen, so beschränkt sich die mögliche Wahl einzig auf das Wirken von Sokrates. Nur er hatte sich ähnlich kompromißlos und dadurch paradigmatisch dem Geist - besser, dem Schicksal, Geist zu haben, anheimgestellt. Dadurch hat er den Geist unmittelbar, d.h. im Modus des Individuellen und Persönlichen, und zugleich universell, d.h. für alle Menschen maßstabgebend, zum Leben erweckt. So gesehen kann man Sokrates als den "Juden der Griechen" (Peter M. Steiner) bezeichnen.

Eine in dieser Form unerwartetes Indiz für diese Parallele im existentiellen Geistesbezug - um das Thema so zu charakterisieren - findet sich bei Domenico Losurdo in einem Zitat des frühen Nietzsche: "In meinem Buch unterscheide ich vom Antisemitismus im eigentlichen Sinn, der auf die Rasse Bezug nimmt, die "Judenfeindschaft", die auf historisch-kulturelle Argumentationen rekurriert. Beim Nietzsche vor der "aufgeklärten" Periode, spielt die Judenfeindschaft eine zentrale Rolle: die Verurteilung des "Sokratismus" ist in Wahrheit die Verurteilung des Judentums. Um sich darüber klar zu werden, genügt es, die Originalfassung des in Basel am 1. Februar 1870 gehaltenen Vortrags (Sokrates und die Tragödie) zu lesen, der so schließt: "Dieser Sokratismus ist die jüdische Presse: ich sage kein Wort mehr" (KGA, 14, 101)."
(aus einem Interview vom 20.09.2009 im online-Magazin telepolis. Siehe dazu auch Domenico Losurdo: "Nietzsche, der aristokratische Rebell: Intellektuelle Biographie und kritische Bilanz", Argument Verlag, 1. Aufl., Hamburg Juni 2009. Rüdiger Safranski äussert in seinem Nietzsche-Buch im übrigen die Vermutung, dass die antisemitische Formulierung in dem genannten Vortrag auf den Einfluß Richard Wagners zurückgeht.)

Aber auch am Ende des Werkes - er hat sich mittlerweile vielfach abschätzig über Antisemiten geäussert - kommt Nietzsche wieder auf diese Parallele zurück. In der "Götzen-Dämmerung", Abschnitt "Das Problem des Sokrates", Punkt 6. schreibt er im letzten Jahr seiner geistig wachen Existenz, 1888: "Man wählt die Dialektik nur, wenn man kein anderes Mittel hat. ... Sie kann nur Notwehr sein, in den Händen solcher, die keine anderen Waffen mehr haben. ... Die Juden waren deshalb Dialektiker; Reinecke Fuchs war es: wie? Und Sokrates war es auch? - "

(Es ist bekannt, dass Nietzsche Sokrates nicht positiv bewertet hat. Der gerade erwähnte Text "Das Problem des Sokrates" endet damit, dass er Sokrates als krank und den Tod suchend beschreibt. Man könnte das aber als polemische Anti-These begreifen. Schließlich argumentiert Nietzsche "vernünftig" für seine Thesen.)



CODA


Die Kernfrage zu Leo Strauss ist für mich, wer ist es, der eine absolute Unvereinbarkeit von Philosophie und (jüdischem) Gesetz behauptet? Welche Stellung in der geistigen Welt und in der Welt der Menschen hat jemand, der das als Tatsache feststellen kann?

Diese Frage gilt allerdings nur, wenn die Behauptung oder Tatsachenfeststellung mehr ist, als rein rational. Denn dann wäre sie ohne Gewicht, logische Spielerei sozusagen. Natürlich gibt es keinen gemeinsamen logischen Nenner zwischen von einer unhintergehbaren Autorität aufgezwungenen Denkvorgaben und dem Postulat des selbstständigen Denkens. Das alleine wäre banal.

Aus welcher Tradition und mit welchem Erbe könnte man eine Position beschreiben oder überhaupt in den Blick bekommen, von der aus man diese Behauptung aufstellen kann.

Nimmt man Sokrates als eine Person, für die die tägliche Beschäftigung mit "geistigen Dingen" der unhintergehbarer Lebensmittelpunkt ist, dann ergibt sich eine Parallele zu dem Leben unter Gottes Gesetz, für das die jüdische Tradition steht. Diese Tradition besteht nicht nur aus festen Regeln und Alltagsvorschriften. Es gibt einen hochkomplexen Textkorpus, der die göttlichen Vorgaben in sich trägt. Sie müssen täglich bedacht und für die Vorfällen des Lebens neu bestimmt werden.

Es ist der Primat des Geistes als tägliches Schicksal, das Sokrates mit dem traditionellen Judentum auf eine Ebene stellt. So gesehen ist der Weg von Leo Strauss zur Philosophie Platos und zur Rolle des Sokrates von Anfang an die folgerichtige Ergänzung zu seiner Unvereinsbarkeitsbehauptung von jüdischem Gesetz und Philosophie.

Die Philosophie als Leben im Rückgang von Plato zu Sokrates ist der unausgesprochene Nenner des Gegensatzes Philosophie versus Leben unter einem göttlichen Gesetz.

Dass Sokrates gegen die Anklage, er würde die Götter Athens missachten, in seiner Apologie kämpft, dass er dann aber das Todesurteil gelassen akzeptiert, zeigt den tiefen Ernst, der seinem denkenden Leben zu Grunde liegt. Solange die Welt diesen Ernst des "existentiellen Individuums" nicht akzeptiert, ist es gut beraten, wie Strauss deutlich macht, sich als selbstständiger Denker zu verbergen.

Sokrates und die auf Verehrung der Götter beruhende polis - der Gegensatz ist voll ausgebildet. Und doch ist mit Sokrates, nicht zuletzt durch seine Ablehnung des Exils und der Annahme des Gerichtsurteils, die Person eine historische Realität, die mit dem Gegensatz auch den Boden gesetzt hat, der diesen Gegensatz zu denken ermöglicht.



Epilog

Der Mensch wird immer von seinen Mitmenschen und von der Natur abhängig sein. Zugleich sind Mitmenschen und Natur immer wieder die größten Feinde des Menschen. Die Frage ist, welche Rolle diese Kernbestandteile menschlichen Lebens spielen dürfen, wenn die Menschheit ihre Hochzivilisation dauerhaft erleben will.

Natürlich betrifft uns diese Frage erstmal nicht unmittelbar. Natürlich haben wir andere, dringendere Probleme zu lösen. Letztlich ist unsere Innovationskraft gefragt: Wie können wir die langfristigen Entwicklungslinien, die wir heute so klar sehen wie nie zuvor in unserer Geschichte, so aufbereiten, dass sie in der Nahperspektive durch konkrete Aktionen handhabbar werden?


STRING-Kernthese:

Es gibt für diesen Schritt, die globale Perspektive von Menschheit und Welt in das Alltagshandeln der Menschen einzubringen, zunächst keine allgemeine Lösung. Vielmehr muss zuerst jede Person für sich ihren eigenen einzigartigen Weg dahin finden. Im klassischen vormodernen Judentum findet sich ein soziales und individuelles Modell dafür, das aber frei auf die Situation eines jeden Menschen in unserer heutigen Zeit übertragen werden muss.



Damit genug der Bestandteile der Idee! Im eigenen Kopf zusammensetzen muss man sie selbst! Dann kommt wohl eine etwas andere Idee heraus, was der Sinn der Sache ist. Denn mit diesem Text und den STRING Webseiten kann nur der Autor seine individuelle geistige Persönlichkeit erarbeiten.



2000-2016







nur zum Spaß





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1997 - 2016

Initiation

'Missing link' zwischen Moderne und der Kontinuität des Lebens

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Initiation als Begriff wurde zuerst von einem französischen Mönch im achtzehnten Jahrhundert verwendet. Er beschrieb damit bestimmte Rituale, die er bei sogenannten 'traditionellen Kulturen' beobachtet hat. Der Zweck dieser Rituale betraf meistens den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenendasein. Allgemeiner gesagt ist Initiation das Ritual zur Aufnahme in viele verschiedene Formen von Gruppen. Tod, genauer gesagt das Akzeptieren des Todes ('zweiter Tod') ist sehr oft ein entscheidender Bestandteil der Initiation. Mehr Informationen können Sie in "Das Mysterium der Wiedergeburt. Versuch über einige Initiationstypen" von Mircea Eliade finden.

Wir blicken heute Milliarden von Jahren in die Geschichte des Universums zurück. Was also war der Beginn des Menschseins? Was hat Frau und Mann aus dem Paradies geworfen? Das erste Werkzeug? Nein, auch die Tiere benutzen Werkzeuge! Die Sprache? Ja, weil die Sprache neu ist auf der Erde und jenseits der Natur - jenseits des Unmittelbaren, welches der bessere Begriff ist. Sprache lebt zwischen den Lauten oder Zeichen und nicht in diesen, deshalb ist sie das Gegenteil des Unmittelbaren. (Denken Sie an "eins" und "one", welches beides dasselbe bedeutet.)
Wann begannen unsere Vorfahren zu sprechen? Die meisten Fachleute vermuten, dass dieses grosse menschliche Ereignis vor mehr als fünfzigtausend Jahren geschah. Seit damals lebt die Menschheit innerhalb von zwei Welten - der unmittelbaren Kontinuität des Lebens und und der Welt des Geistes, welche man weder sehen noch fühlen kann (obwohl man Sprache fühlen kann und Gefühle durch Sprache ausdrücken kann, aber beides ist nicht der Geist). Jeder ist jeden Tag eine Brücke zwischen diesen beiden Welten, wenn er Sprache gebraucht.

In unvorstellbar langen Zeitaltern der Existenz der Menschheit geschah die kulturelle Evolution sehr langsam. Selbst als die Sesshaftigkeit begann - ungefähr vor zehntausend Jahren, änderten sich die Dinge sehr langsam. Selbst als in der Antike Maßeinheit, Schrift, Notation und Geld erfunden waren, änderten sich die Dinge sehr langsam - aber sie änderten sich!
Die Modernität begann, als die Veränderung schneller wurde und die Rolle, die der Geist im menschlichen Lebens spielt, bedeutender wurde. Das geschah in der Neuzeit - der Periode, in der wir immer noch leben.

Heute dominiert der Gebrauch des Geistes unser Leben und macht es künstlich. Die Koexistenz der unmittelbaren Kontinuität des Lebens und der modernen Fähigkeiten des Geistes ist immer noch gefährlich und vielleicht tödlich. Denn was jeder von uns tun will, ist in hohem Maße bestimmt durch seine evolutionäre Erbschaft, als das Leben selbst für die ersten Zellen aus viel Kampf und Überleben bestand. Die Mittel jedoch, die der Mensch heute zum Erreichen seiner Ziele nutzen kann, sind Resultate der grossen Errungenschaften des Geistes. Beide Aspekte haben noch kein stabiles Verhältnis gefunden. Die Furcht vor neuen Technologien ist ein klares Indiz dafür.

Die Möglichkeit eines tödlichen Ausgangs, den das Abenteuer des Geistes für die Menschheit nehmen könnte, bringt die Initiation ins Spiel. Moderne Initiation ist zuerst die analytische Erkenntnis, dass Geist - der Gebrauch von Sprache, Schrift und Notation - absolut indifferent gegenüber eines jeden biologischen Lebens ist und dieses an Dauer bei weitem übertrifft. Zum zweiten ist moderne Initiation die vitale persönliche Erfahrung dieser spezifischen Form des Todes oder der Todesdrohung, welcher in jedem von uns in Form unserer aktiven Teilhabe am Geist existiert - als Resultat unserer Fähigkeit zu sprechen.
Die Definition der Initiation ist die reale Erfahrung des Todes ohne wirklich zu sterben. Nur durch die moderne Initiation kann die Frau oder der Mann eine dauerhafte Beziehung zwischen Geist und Leben etablieren, weil der Geist durch diese Erfahrung in all seinen Konsequenzen erkannt und angenommen wird.

Weitere Details der modernen Initiation sind ihre Abhängigkeit von einem freien Geist, von der Individualität und vom Erwachsensein. Nur ein freier Geist ist in der Lage, seine eigene Qualität jenseits der Zeit und ausserhalb der unmittelbaren Welt zu verstehen. Und nur ein freier Geist kann sein Verhältnis zum biologischen Leben definieren. Individualität ist 'conditio sine qua non', um dem eigenen Tod zu begegnen. Wohingegen Erwachsensein notwendig ist, um dieses Zusammentreffen mit dem eigenen Tod - die Initiation - zu einem positiven Ende zu bringen, das die individuelle Persönlichkeit etabliert und bereichert. Alle anderen Aspekte der modernen Initiation wie das Ausmaß, die Häufigkeit und die dramatische Form der Krise und Erneuerung, wie die subjektiven Gefühle, das richtige Alter, die Gefahr des Scheiterns und so weiter müssen den unzähligen einzelnen Lebenswegen überlassen werden.

Vielleicht erscheint die Behandlung der Geschichte in diesem Artikel zu kursorisch angesichts der enormen Fülle der Tatsachen und der Handlungen von Milliarden von Menschen durch alle Epochen vergangener Zeiten hindurch. Tatsächlich ist das Hauptaugenmerk dieses Artikels auf das grosse menschliche Leben gerichtet, welches der modernen Initiation folgt. Durch diese Initiation kann jede Person der wirkliche Hauptdarsteller seines Lebens sein, welcher zugleich grossen Respekt vor seinen Mitmenschen hat. Das Erreichen guter Lebensbedingungen für jedermann kommt in Reichweite, wenn die Menschen weder so sehr abhängig sind von kollektivistischen Ideologien und Strukturen noch so sehr von materialistischen und egoistischen Werten. Und Politiker bekommen bessere Instruktionen von Wählern, die individuelle Persönlichkeiten sind.

Je komplexer die Lebensbedingungen sind, desto mehr müssen sich die Menschen selbst führen auf der Basis eines freien aber kompatiblen Geistes. Das ist eine der Haupterkenntnisse der Philosophie - die Erkenntnis des Sokrates!
Moderne Initiation - wenn Sie wollen, eine Art "reset" oder "Neustart" der erwachsenen Persönlichkeit - ist der Weg, um real existierende Autonomie zu erreichen. Aber sie ist nur der zweite Schritt. Der erste Schritt ist die Einführung der Institution der politischen Individualität, wie im STRING-Projekt vorgeschlagen.




Jenseits die 'Globalisierung' durch
neue politische Institutionen

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Der Zweck dieser Web-Site ist Politik - aber nicht in theoretischer oder kritischer Hinsicht. Jenseits die 'Globalisierung' meint nicht zuletzt auch jenseits die Theorie. Was sie hier sehen können, ist ein paradigmatischer und maßstabsetzender Beitrag des Denkens und Schreibens, welcher einen partikularistischen Universalismus in der Politik verkörpern will. (Partikularistischer Universalismus ist der nächste Schritt nach dem Postmodernismus.)
Ohne das existierende politische System der demokratischen Gesellschaften (oder den abendländischen Rationalismus) zu verlassen verweist STRING durch seine individuelle Existenz und seine Programmatik auf die Notwendigkeit, dass die Mitglieder dieser Gesellschaften - dass alle (!) Menschen individuelle menschliche Persönlichkeiten sein sollen. Immer noch ein Desideratum (ein Wunsch) selbst in der "ersten" Welt, ist dies ein wesentliches Element des großen Ziels einer freien und stabilen Weltgesellschaft der Menschheit.
Zwei neue Institutionen, die miteinander verbunden sind, sollen diesen notwendigen Schritt für unsere menschliche Zukunft manifestieren und etablieren.
1. Der Status der politischen Unabhängigkeit für das Individuum, welchen ich für mich selbst beanspruche, führt die einzelne Person als politische Basisinstitution ein. Er reduziert den demokratischen Rechtsstaates, aber auch die Wirtschaft auf die Dienstleistung für die beschränkten kollektiven Bedürfnisse des modernen Lebens.
2. Ein globales politisches, jedoch nicht-bürokratisches Weltereignis stellt die Menschheit als politisches Ganzes in den Mittelpunkt. Es hat eine definierte Priorität vor allen anderen kollektiven Institutionen, indem es die Weltgesellschaft der Menschen repräsentiert. Seine institutionelle Aufgabe ist die Inauguration (Einführung) der Institution der individuellen politischen Unabhängigkeit. Dies ist sein wesentlicher dauerhafter Effekt.
Beide Institutionen können als eine Art Weltverfassung verstanden werden, die den Flickenteppich der Nationalstaaten und der globalen Institutionen auf der Erde ergänzt und die diesen Staaten keine Alternative zum Aufbau von freien und zivilen Gesellschaften gibt.
Genau dafür muss Politik heute kämpfen, um die politische Initiative von der wirtschaftlichen Globalisierung zurückzugewinnen und dies ist zugleich eine Definition von STRING - der politischen Innovation für unser Zeitalter.



Wolfgang Behr


Gründer und Lehrer von STRING




Hier können Sie weitere Texte zu Themen von STRING lesen!


2005-2016

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vor 1990


Englische Texte:




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STRING als Grundlegung demokratischer Weltpolitik

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Die Knappheit (oder sogar das Fehlen) der Mittel des Lebensunterhaltes ist immer noch bestimmend für die große Mehrheit der Menschen auf der Erde. Die gegenwärtigen Diskussionen über die Globalisierung, über Laissez-faire Kapitalismus und das Ausmaß von Regulierungen jedenfalls nehmen das Argument der Knappheit und der Notwendigkeit der (Erwerbs-)Arbeit als gegeben hin.
Offensichtlich können wir der Knappheit auf der Ebene des persönlichen Schicksals und Lebens nicht entkommen. Es ist z.B. nicht möglich, unendliches Leben oder alle Güter der Welt zu haben. Aber die Knappheit als bedrohliches kollektives oder soziales Problem sollte wirklich überwunden sein - was schon mit den technologischen Mitteln von heute möglich ist und erst recht durch die weitere Entwicklung unserer zivilisatorischen Potentiale! Aber ein Blick auf unsere Welt scheint dies als ein unmögliches Ziel zu erweisen. Was ist der Grund?
Die heutigen weltpolitischen oder weltwirtschaftlichen Diskussionen sind - anstatt einen intelligenten Fortschritt zu leiten - immer noch geprägt von einem hierarchischen, disziplinorientierten, "surviving-of-the-fitest" Machtdenken. Diese Tatsache wird eben gerade versteckt durch die Idee des Marktes als natürliche und unvermeidliche Weltordnung - eine Idee, das am Ende nicht weniger kollektivistisch ist als der Sozialismus und die in keiner Weise die wachsende Selbständigkeit der Ökonomie als eine der herausragenden modernen Institutionen unterstützt.
Man kann dieses altmodische Denken auf allen Seiten finden, bei fast allen Eliten und Lobbyisten, bei den meisten Leuten, den meisten Kulturen und, nicht zu vergessen, bei vielen Theoretikern! Was fehlt, ist der Glaube an die Fähigkeit des Individuums, wirkliche Freiheit zu haben.

Der Ursprung von STRING ist die Überzeugung, dass die Weltgemeinschaft der Menschen eine neue politische Ordnung braucht, die sich nicht direkt aus den Strukturen und Traditionen der existierenden Gesellschaften (auch nicht derjenigen, die wir als parlamentarisch-demokratische Staaten kennen) herleiten lässt. Zu diesem Zweck schlägt STRING die Verbindung des einzelnen Individuums mit der ganzen Weltgesellschaft durch eine politische Innovation vor, durch ein globales Weltereignis, welches die Menschheit als Ganzes in den Blick nimmt und welches Vorrang vor allen anderen kollektiven Entitäten hat. Dieses Weltereignis ist als eine neue Form der Institution konzipiert, deren entscheidende Eigenschaften die zeitliche Begrenztheit und der Verzicht auf Bürokratie sind. Diese Menschheits-Institution will ihre Revolution gegen die mächtigen traditionellen Kollektive durchsetzen, indem sie einen Status politischer Unabhängigkeit für das Individuum etabliert, den jeder einzelne Mensch für sich beanspruchen kann. Nur durch diesen neuen Status individueller Unabhängigkeit erhält das Weltereignis eine indirekte, nichtorganisierte Fortdauer.
Der institutionelle "Doppelschlag", Weltereignis und individueller Status ersetzt alle Initiativen für eine zukünftige Weltordnung, die noch auf der Macht existierender Kollektive (d.h. Macht durch militärische, wirtschaftliche, rechtliche oder geistig-spirituelle Dominanz) beruht.

STRING ist aus dem Glauben heraus entstanden, dass die Zukunft der Menschheit von dieser Revolution abhängt, weil das Prinzip der Kollektivität als Selbstzweck - kombiniert mit moderner Technologie und Organisation - ein Sicherheitsrisiko geworden ist. Deshalb ist der radikale und historische Paradigmenwechsel (Prioritätswechsel) vom Kollektiv zum Individuum unausweichlich. Dieser Wechsel sollte nicht mit der Abschaffung aller institutionellen und kulturellen Formen und Strukturen verwechselt werden. Alle gemeinsamen Interessen der Menschen müssen durch die existierenden und durch neue demokratische Staaten, die auf dem Rechtsstaatsprinzip begründet sind, wahrgenommen werden. Ebenso kann niemand ernsthaft an das Ende der lokalen kulturellen Identifikationen und Traditionen denken! (Ich selbst bin Bürger von München, der Stadt, die auf der ganzen Welt wegen ihres "Oktoberfestes" berühmt ist.) Die maßgebliche Unterscheidung zwischen neuen und alten Kollektivformen wird sein, ob diese kollektiven Entitäten oder Glaubensbekenntnisse noch Formen und Zwecke haben, die mehr oder weniger unabhängig von der Mehrheit ihrer Mitglieder - den Individuen - sind oder ob sie stattdessen deren Helfer sind.

STRING will die Menschen auf der ganzen Welt davon überzeugen, diesen politischen Status individueller Unabhängigkeit auszufüllen - nicht zuletzt durch eine neue, initiatorische Art erwachsen zu sein (was eine erneute Beschäftigung mit der kulturellen Bedeutung des Todes beinhaltet). Der innovative Fortschritt technologischer und wirtschaftlicher Mittel, der die Modernität charakterisiert, ist noch nicht zu Ende und wird neben vielem anderen dabei helfen, lokale materielle Unabhängigkeit in vielen verschiedenen Formen zu ermöglichen. Wenn er uns allen, weltweit, zugute kommt, dann werden wir auch seine Gefahren bändigen lernen.
Aber die wichtigste Motivation für STRING ist die Freude, eine große, eine riesige Party anschließend an das Weltereignis zu organisieren, mit der wir die Entstehung einer freien und lebendigen Gemeinschaft der Menschheit feiern können.

STRING ist mein Projekt. Indem ich es verwirkliche, will ich nicht zuletzt meine persönliche politische Unabhängigkeit etablieren! Aber ich appelliere auch an dich (you), STRING in deinem (your) eigenen Interesse auf die Sprünge zu helfen - motiviert durch die Erkenntnis, daß das öffentliche Interesse unserer gegenwärtigen Weltgesellschaft von den existierenden politischen oder ökonomischen Eliten nicht mehr bewältigt wird. Wir benötigen einen fundamentalen und umfassenden Schritt der Emanzipation, um eine neue geeignete Form der Verantwortlichkeit für das Gemeinsame der Menschheit zu schaffen, die auf der Selbstbestimmung des Individuums basiert!
Du (You) kannst diesen Schritt auf zweierlei Weise tun: Zuerst kannst du (you) dich selbst (yourself) ermutigen, die Position der politischen Unabhängigkeit zu übernehmen. (Diese konkrete "Dekollektivierung" soll Schritt für Schritt während einer Übergangsperiode geschehen, durchgeführt von den einzelnen Personen überall auf der Welt.) Und zweitens kannst du (you) zu STRING beitragen, indem du (you) mir hilfst, Werbung für das Weltereignis und das Weltfest zu machen und es zu organisieren. STRING soll das strahlende Symbole eines neuen Zeitalters des Individuums und der Menschheit sein.





Nationalismus und Republikanismus

Das Projekt STRING zielt auf die Einführung zweier neuer, miteinander verbundener Institutionen: Die Institution der politischen Souveränität der individuellen Person und ein politisches Weltereignis als Entstehung und institutionelle Verkörperung der Gemeinschaft aller Menschen. Indem es die Institution der individuellen Souveränität inauguriert, ist dieses Weltereignis die verfassungsgebenden Versammlung der Weltgesellschaft. Das klingt zunächst etwas ungewöhnlich, ist aber der perfekte Ausdruck unseres Zeitalters. Zuletzt, endlich, wird die Globalisierung konstitutionell und politisch
Ein solcher Akt hebt nicht die bestehenden nationalen Verfassungen auf, sondern verpflichtet die Nationen auf den Grundwert der individuellen Selbstbestimmung als der Basis des menschlichen Zusammenlebens.

Die erstaunliche Tatsache, dass STRING sich als konstitutionelles globales politisches Projekt mit einem Eigennamen präsentiert, ist das Resultat seines individuellen Beginns. Diese Art Beginn ist in diesem Fall wesentlich. Eine Welt, die von und für individuelle Personen gemacht ist, kann nur individuell beginnen, was auch bedeutet, mit einem Eigennamen anstatt mit einem rationalen Begriff (z.B. "Nation"). Andernfalls würden ein solches politisches Projekt und seine Resultate erneut das Produkt einer kollektiven Elite sein, welche die einzelnen individuellen Personen als solche dominiert.
STRING macht Ihnen keine Vorschriften, sondern lädt Sie ein, die/Ihre individuelle Welt zu schaffen, welche dauerhaft ist, weil jede Person in der Lage sein wird, zur gleichen Zeit die individuelle Verantwortlichkeit für sich selbst und für die ganze Welt zu übernehmen. Das ist es, was die modernen Welt von uns, den individuellen Personen erwartet. Das ist es, was wir erschaffen müssen! Sie können Ihren eigenen Namen für dieses Projekt, das ihres werden soll, finden, wenn Sie wollen.

Dieses Projekt ist der Neustart der modernen politischen Disposition aus Nationalismus, Demokratie und Republikanismus sowohl auf einem globalen als auch auf einem individuellen Niveau. Es ist direkt aus der Verantwortung für die deutsche Geschichte erwachsen, welche sich immer noch unter einer Art seelischer Starre durch die sich gegen jede Vorstellung sträubende Monstrosität der Shoah und durch die Person von Adolf Hitlers befindet, dessen extreme Machtkonzentration zur Zeit des III. Reiches auch darauf gründete, dass allzuviele Deutsche ihm ihren gesamten Idealismus gewidmet haben - und ihn nach dem Krieg nicht mehr wiedergefunden haben.
Deutschland steht aber auch für eine große kulturelle und philosophische Tradition im Rahmen Europas.
Für die politisch-moralische Katastrophe des III. Reichs Verantwortung zu übernehmen erfordert etwas, das über die Qualitäten arbeitsam, ehrenhaft und 'bundesrepublikanisch' hinausgeht. Nur wenn die deutsche Kultur konstruktive und adäquate Antworten auf das Desaster ihrer Geschichte findet, die so vielen Menschen unvorstellbares Leid und/oder den Tod gebracht haben, kann sie ihre nationale Souveränität in einem hohen, ideellen, in einem symbolischen Sinn erwerben!

Betrachten Sie STRING als den späten, originalen Beitrag meiner geläuterten deutschen nationalen Kultur zum Set der modernen Institutionen, welche die Menschheit in eine positive politische Zukunft bringen sollen. Der gemeinschaftstiftende Geist des Nationalismus in seiner emanzipatorischen Urform aus dem 16. Jahrhundert als der Wiedergeburt des alttestamenarischen Mythos des Auszugs der Juden aus Ägypten soll durch STRING auf die Menschheit ausgedehnt werden, indem die nationalen Rechtsstaaten der Welt und ihre Bürger auf die Universalität individueller und kollektiver Selbstbestimmung (Emanzipation) und friedlicher Koexistenz von Menschen und Staaten in den Zeiten der Atombombe verpflichtet werden.
In der heutigen Weltlage benötigen wir dafür beides: Den sachgemäßen Gebrauch militärischer Macht im Übergang zur konstitutionellen polizeilichen Gewalt und die zivilisatorischen Fortschritte auf der Ebene der einzelnen Person.
Wollen Sie ein Schlagwort, dann nennen Sie STRING "konstitutionelle Anarchie", oder besser "konstitutionelle Monarchie", da die Basis einer überlebensfähigen Menschheit, die ihr waffentechnologisches know-how nicht mehr untereinander austobt, die friedliche Selbst-Beherrschung der einzelnen Menschen sein wird - als Voraussetzung für friedensfähige, weil entmachtete Kollektive. Diese individuelle Selbst-Beherrschung ist schon jetzt der modus vivendi der großen Mehrheit der Leute und sie wird ein heiliges Gut sein, wenn ihre politische Bedeutung für die menschliche Zukunft voll erkannt worden ist - eine Bedeutung, die jene des Militärs bei weitem übersteigt.

Jeder Text, den sie auf diesen Web-Seiten finden, ist die Variation desselben Themas, dessen Schwierigkeit nicht der eines mathematischen Problems gleicht, sondern im Aktualitätsanspruch einer neuen Kombination aus Elementen theoretischer Konzepte, geschichtlicher Vorbilder und politischen Handelns liegt.