Wolfgang Behr

          "Meine Aufgabe, einen Augenblick höchster Selbstbesinnung der Menschheit vorzubereiten, einen großen Mittag, wo sie zurückschaut und hinausschaut, ... "

          aus "Ecce Homo" von Friedrich Nietzsche
          (geschrieben 1888)





















Die Idee der langfristigen Zentrierung der Erzeugung der Mittel zur materiellen menschlichen Bedürfnisbefriedigung um die Wohnorte der Menschen hat nichts mit Abschottung vor den anderen Menschen zu tun und schon gar nicht mit antimodernen Reflexen.

Im Gegenteil, statt weniger Institutionen muss es zu einem mehr an Institutionen kommen, um die Emanzipation der menschlichen Personen oder Individuen und ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhänge voranzutreiben!






September 2011

Wenn sich viele Staaten in den letzten Jahrzehnten nicht fortlaufend so hoch verschuldet hätten, wie sie es getan haben, dann wäre die Finanzindustrie nicht derart groß und mächtig geworden, wie sie es heute ist.
Wenn heute das Vertrauen in Währungen und Finanzinstitutionen immer geringer zu werden droht, dann ist es auch das Ergebnis eines konzertierten Versagens von Eliten, von staatlichen und von privatwirtschaftlichen Eliten! Sie haben sich gegenseitig "die Bälle zugeschoben". Sie haben sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert!

Dazu z.B. der britische Kolumnist Charles Moore mit Adam Smith über den privatwirtschaftlichen Finanzsektor: "Keine zwei oder drei Menschen aus dem gleichen Gewerbe treffen je zusammen es sei denn, um gegen die Öffentlichkeit zu konspirieren. So trachtet beispielsweise jemand, der Silber verkauft, danach, den Silber-Markt zu monopolisieren. Und so hat auch das Bankgewerbe, das dazu da ist, an Einzelpersonen, an Unternehmen und an Regierungen Geld zu leihen, ein System entwickelt, die Banker selber gewaltig zu bereichern."

Dass das soweit kommen konnte, war nicht ohne flankierende Gesetze der Staaten möglich. Es handelt sich also sowohl um das Versagen des Mythos "Staat" als auch um das Versagen des Mythos "Markt"!

Professionelle Vermögensverwaltung ist die crux an und für sich - egal, ob es um Steuergelder oder um Kundeneinlagen geht. Denn professionelle Verantwortung ist immer begrenzt. Hauptsache, der Finanz-Profi oder der Staatsbeamte fällt nicht zu sehr aus dem durchschnittlichen performance-Rahmen seiner Kollegen, dann kann ihm selbst bei größten Vermögensvernichtungen nichts passieren. Das ist der tiefe sachliche Grund des sogenannten Herdentriebs, welcher durch Selbstverstärkung sowohl die Blasen, als auch die Abstürze hervorbringt.
Außerdem, nicht alle bleiben bei soviel Geld standhaft und lassen nicht ihre Phantasie spielen, mit welchen Tricks man von den Milliarden ein paar Millionen in eigenen Taschen umleiten könnte.

Wir leben in "StaatsÖkonomien", aber anders, als das die sog. "Neoliberalen" gerne suggerieren, wonach die Wirtschaft endlich vom Staat befreit werden soll, damit sie sich entfalten kann. In Wirklichkeit sind Staat und die sog. freie Wirtschaft in höchsten Maße miteinander verflochten und von einander abhängig. Sie können nicht ohne einander und alles Gezerre in die eine oder andere Richtung ist nur Augenwischerei.

Die einzigen, die wirklich vollkommen, absolut, zu 100% verantwortungslos (ohne Verantwortung) sind - so wie Babys -, das sind Steuerzahler/Wähler und Kunden. Sie haben sich weder durch Wahlgeschenke, noch durch maximale Gewinne jemals locken lassen.

...

Juli 2010

Warum gibt es katastrophische Verläufe der wirtschaftlichen Zustände?
Kein Marktteilnehmer hat Interesse, dass alles "zusammenbricht", weil damit auch sein Vermögen entwertet werden würde. Also wird er solange wie möglich versuchen, nicht panisch alles zu verkaufen. Denn damit würde er ja nicht sein Vermögen retten, sondern den Vermögensverlust aller bestätigen.
Aber irgendwann kommt der Moment, wo sich die Fiktion des Wertes seines Vermögens nicht mehr aufrechterhalten läßt, dann verkauft er doch, aber dann wollen alle verkaufen und "rien ne va plus"!



siehe dazu folgende Zeilen aus dem telepolis-Artikel

"Zwischenbilanz Finanzmarktregulierung"

von Rainer Sommer,  27.07.2010

(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33026/1.html)

...

"Da Finanzinvestitionen zudem anscheinend besser rentieren als realwirtschaftliche, unterbleiben produktive Investitionen, die künftiges Wachstum und Einkommen generieren könnten, so dass die großen Finanzvermögen zunehmen, während die in der Realwirtschaft erzielten Arbeitseinkommen sinken. Dazu kommt, dass die Rentierlichkeit von Finanzinvestitionen offenbar mit der Höhe des verfügbaren Spekulationskapitals zunimmt. So dürften Kleinanleger tendenziell dann in die Finanzmärkte investieren, wenn die Preise bereits stark gestiegen sind und die professionellen Investoren und großen Vermögensbesitzer schon Wege suchen, um ihre Gewinne zu realisieren.

Dementsprechend fördern die Finanzmärkte die Ungleichheit der Vermögensverteilung, was fatale Konsequenzen hat. Wenn die später überwiegend verkonsumierten Arbeitseinkommen zurückgehen, die steigenden Vermögenseinkommen aber neuerlich an den Finanzmärkten investiert werden, sinkt tendenziell der private Konsum, was wiederum die Arbeitseinkommen reduziert. Da sich aber weltweit die staatlichen Budgets vor allem aus Steuern auf Arbeitseinkommen und aus Konsumsteuern speisen, kommen die Staatsbudgets unter Druck, so dass die Massensteuern angehoben werden.

In dieser Sichtweise fungieren die Finanzmärkte letztendlich als gewaltige Umverteilungsmaschine, die unter anderem für die Erosion des Mittelstandes, eine Umverteilung von unten nach oben und die Konzentration der Vermögen in immer weniger Händen verantwortlich ist.

Obwohl sich nach dem Kollaps kaum ein Experte dieser Argumentation verschließen wollte und in den ersten Dokumenten der G20 auch noch Maßnahmen angedacht wurden, die hier Abhilfe schaffen sollten, geriet diese makroökonomischen Problemlagen inzwischen in Vergessenheit oder findet zumindest keinerlei Niederschlag in der nun weitgehend abgeschlossenen Neuregulierung der US-Finanzmärkte."







nach G20-Treffen in Pittsburgh, September 2009

Vielleicht gelingt es, ein besseren institutionellen Rahmen für Weltwirtschaft zu schaffen. Aber es ist klar, hier geht es um die "Vorbereitung für den letzten Krieges", sprich um die Verhinderung der kürzlich über die Welt hereingebrochenen Finanzkrise. Das hätte man am besten vorher gemacht, ging aber bekanntlich nicht.

Natürlich ist es notwendig, diese Schritte zu einer Institutionalisierung des Weltfinanzsystems wenigstens heute zu tun.

Aber damit bekämpft man nicht unbedingt die nächste Krise, weil die sicher wieder aus einer ganz anderen Richtung, und sicher wieder nur von irgendwelchen "Kassandra-Rufern" beschworen, kommen wird.


Sommer 2009

Noch einige Gedanken mehr zur Finanz- und Wirtschaftskrise, bevor ich zur Bedeutung der Wasserstoffbombe und zu meiner Version des Paradigmas komme.

Ich glaube, die Menschen und Völker der Erde müssen sich dringend von dem amerikanischen Modell der Wirtschaft und Gesellschaft emanzipieren, zum Guten emanzipieren! Natürlich bleibt jede formal demokratische Gesellschaft ein Ziel für die Menschen in Diktaturen und ganz besonders die amerikanische Demokratie. Natürlich ist eine vom "Wild West"-Gebaren befreite und vernünftig geregelte, nichtsdestotrotz freie Wirtschaft ohne jegliche Alternative. Und wahrscheinlich werden die USA wieder die erste Nation sein, die die Krise hinter sich läßt. Aber die Finanz- und Wirtschaftskrise haben die Autorität der aktuellen Form des Kapitalismus so stark unterminiert, dass dieser zur Leitideologie nicht mehr taugt - selbst wenn er in der Ökonomie eine gewisse Bedeutung behält.

Die Welt ist in den letzten Jahrzehnten diesem, nennen wir es finanzkapitalistisch-virtuellen Modell der Globalisierung und dem einseitigen Weg des Profitextremismus so ausschließlich gefolgt, dass jetzt, in seiner Krise, extrem viele Menschen - auch in den USA - notleiden müssen. Und selbstverständlich haben auch außerhalb der USA Leute (Banker) kräftig mitverdient und danach um so mehr verloren. (Finanzielle Massenvernichtungswaffen, die nur von der Phantasie der Beteiligten begrenzt werden, nannte die Investorenlegende Warren Buffett Derivate wie z.B. die Credit Default Swaps. In Deutschland hat Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt immer wieder öffentlich die Unsolidität dieser Finanzprodukte angeprangert. Dann die Verlautbarungen der BIZ! Bundespräsident Köhlers "Monstermärkte"! Der gesunde Menschenverstand!!! Wissen konnte es jeder.)

Die arroganten Superprofis an der Wall Street, in der Londoner City und anderswo haben sich so verhalten, als hätten sie den Auftrag gehabt, die Unfähigkeit des angelsächsischen Kapitalismus zum nachhaltigen Wirtschaften zu beweisen - so, als wären sie Agenten einer Art Welthistorie gewesen, die nach dem Sozialismus auch den Kapitalismus als politisches Ordnungsprinzip zum Einsturz bringen will, damit endlich Platz für etwas Neues ist. Die größte Kapitalansammlung der Weltgeschichte wurde, so scheint es, nur aufgebaut, besser geschaffen, um die größten Fehlinvestitionen, die größte Kapitalvernichtung, den größten Schuldenberg aller Zeiten ins Werk zu setzen. Motto: Was die Wende 1989/90 für die Sowjetunion und den Staatssozialismus war, ist die jetzige Krise für die USA und den angelsächsischen Kapitalismus. Beide sollten endlich diee Funktion als postchristliche säkularisierte Ersatzreligin beenden.

Tatsächlich genügt zur Erklärung dieses Geschehens wohl die kleine Lebensweisheit: "Wenn es jemanden zu gut geht, dann wird er übermütig!" - und diese bodenlose Verrücktheit, dass ausgerechnet unter dem Zeichen des Monetarismus, der bekanntlich keine Eingriffe des Staates in die Wirtschaft erlaubt außer der klasssichen Steuerung der Geldmenge, genau diese vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist. Die Banker haben im Dienste des "Hebelns" und ihrer Provisionen gänzlich unorthodox und unreguliert immer neue phantastische Buchwerte, Wetten auf Wetten, erfunden und unendlich aufgebläht, Billionen über Billionen, Vielfache des Welt-Bruttosozialprodukts, haben alles, einschließlich aller Informationen, unter sich behalten, alle Gewinne selbst eingestrichen.
Niemand außer ihnen selbst kann jetzt diese im Kern vollkommen fiktiven "Monster-Werte", diese heisse Luft, diese Trümmer eines Glasperlenspiels wieder aus der Welt schaffen, auf ihre Kosten selbstverständlich!? Die Welt kann es nicht, denn dann wären ihre Zahlungsmittel sofort wertlos. Die Welt muss stattdessen mit einer gigantischen Wirtschaftskrise fertig werden.

Es muss eine Regelung geben, die von möglichst allen Staaten (U.S.A., Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China, ...) beschlossen wird und die besagt, dass eine private Finanzinstitution in dem jeweiligen Rechtsbereich nicht agieren darf, wenn sie die auf den ehemals eifersüchtig unter sich gehaltenen und keinen realen Wert repräsentierenden Zwischen-Bank-Papieren beruhenden Aussenstände anderer privater Finanzinstitutionen auf Null stellt. Der Zwang ist notwendig, weil die Banken und Finanzinstitutionen auf der Soll-Seite sicher nicht alle gleich involviert sind. Ziel ist es, dass die Banken und Finanzinstitutionen sich wieder untereinander so vertrauensvoll verhalten, wie vor der Krise.


Ich bin erstaunt, dass der eigentliche, tiefere Grund der Krise - sozusagen der Boden, auf der sie wachsen konnte - nirgends in der Öffentlichkeit benannt und besprochen wird. Vielleicht deshalb, weil er eine schicksalhafte Komponente hat und "Schicksal" in der Moderne eine tabusierte Dimension der Existenz ist.
Der eigentliche Grund der Krise ist der globalisierte Zusammenhang der Welt und der Weltökonomie. Es wird ja auch immer betont, dass erstmals keine Region der Welt von der Krise verschont wird. Selbstverständlich gab es viele Fehler, gab es die berühmte Gier und all die Übertreibungen kapitalistischen Wirtschaftens, bis hin zu Fahrlässigkeit und Betrug (der hoffentlich verfolgt und geahndet wird), gab es die hartnäckige Weigerung seitens der Politik mancher Länder, notwendige gesetzliche Markt-Regulierungen und -Kontrollen zu beschließen. Insofern ist es falsch, von Marktversagen zu sprechen. Es war eher ein ideologisch-machtpolitisch motivierter, dummer Missbrauch des Marktes - oder die (gnostische) Verwechslung des unbegrenzten virtuellen Geldverdienens mit Freiheit.
Aber solche Fehlentwicklungen sind nicht neu. Sie wird es immer wieder geben. Fatal ist heute, dass der Kapitalismus (genauer: die einseitige Dominanz von monetaristischer Ideologie und von nominalem Renditeerfolg) zur primären Weltkultur geworden ist. Denn erst dadurch wird der auf das "Platzen der Blasen" folgende Ausschlag in die negative Richtung, die Krise des Kapitalismus, zu einer Weltkrise, die alle miteinbezieht.

Schicksalhaft daran ist, dass diesen Weg in eine kapitalistische Weltkultur niemand hätte so leicht verhindern können, weil dieser Weg auch zu einem historisch gesehen ersten strukturell integrierten gesellschaftlichen Weltzusammenhang geführt hat - was eine gewaltige Leistung war und ist. Und dieser Schritt war und ist unausweichlich gewesen, weil der Weltzusammenhang als Potential vorhanden war und auf Ausgestaltung durch die menschliche Tatkraft wartete. Ob die Möglichkeit bestanden hätte, die Welt vor der Krise des Kapitalismus in eine andere nachhaltigere Struktur zu überführen, ist jetzt leider nur mehr eine akademische Frage. (Vermutlich war die Zeit seit 1990 dafür viel zu knapp.)


Der anstehende Weg der Emanzipation aus der globalen kapitalistischen Struktur hin zu einem vielgestaltigeren, fehlerfreundlicheren, weniger kollektivistischen(!) und nichtsdestotrotz politisch geordneten Weltzusammenhang wird jedenfalls sehr schwer, weil jetzt das Geld immer knapper wird und viele wirtschaftliche Zusammenbrüche stattfinden. Und bis zu einer zufriedenstellenden, die Armut grundsätzlich überwindenden Lösung wird es ein langer Weg, vielleicht über zwei oder drei Generationen.

Es macht dabei sicher keinen Sinn, die globalisierte Weltökonomie oder gar die freie Wirtschaft aufzukündigen. Im Gegenteil, ohne die internationale Arbeitsteilung und die vielfältigen Verbindungsstrukturen bis hin zum Internet wäre die moderne Zivilisation nicht denkbar. Aber die Erkenntnis ist überfällig, dass ein Zusammenhang nicht nur aus den Verbindungselementen besteht, sondern vor allem auf den Einheiten beruht, die verbunden oder auch nicht verbunden werden. Die zu Verbindenden, besser die sich Verbindenden müssen die Zwecke der Angelegenheit bleiben, sonst wedelt der Schwanz mit dem Hund.

Dazu müssen z.B. in einem intelligenten fortlaufenden Prozess so schnell es geht vorhandene lokale Strukturen aufgewertet und neue geschaffen werden, die komplementär neben den nationalstaatlichen und den internationalen Wirtschaftskreisläufen existieren und die z.B. mit der Institution einer lokalen Währung ausgestattet sind. (Der "Chiemgauer" wurde von einer Schulklasse konzipiert und eingeführt und ist heute neben dem Euro akzeptiertes Zahlungsmittel im bayerischen Chiemgau.)
Erneuerbare Energie, Handel, Handwerk, Nahrungsmittelherstellung, Infrastruktur, Bildung, Dienstleistungen, ..., je dichter und eigenständiger das lokale Wirtschaftsnetz gestrickt ist und alle größeren Wirtschaftsvorgänge ergänzt, desto mehr trägt es zur Stabilität und Selbstbestimmtheit der Lebenssituation der Menschen bei.

Es geht nicht um ein Gegeneinander von groß und klein, von nah und fern. Es geht nicht um illusorische Autarkie. Es geht vor allem nicht um lokalen Kleingeist oder um bornierte Abgrenzungsideologien. Es geht vielmehr um ein weltoffenes ineinandergreifendes Nebeneinander der verschiedenen Wirtschaftsebenen, allerdings bei langfristiger Verlagerung des Primats in den Nahbereich - aus rein praktischen Gründen, als Instrument der sog. Zivilgesellschaft, um den Wert der Arbeit nachvollziehbar zu machen.
Die Weltzivilisation muss fehlerfreundlicher werden. Die Existenz der Menschen darf nicht nur von sich immer weiter integrierenden Systemen abhängen. Das SYSTEM, insbesondere als staatliche Bürokratie muss von einer tendenziell alles beeinflussenden Krake zu leicht zu handhabenden Werkzeugen der Menschen werden. Die Leistungen moderner Ökonomien und Verwaltungen müssen von Macht und Herrschaft über Gebiete, Lebensbereiche oder Organisationen möglichst entflochten werden. Niemand sollte behaupten, dass die Versorgung und auch der Friede der Menschen in Zukunft von möglichst großen Machtzusammenballungen abhängt. Im Gegenteil!

Diese Machtzusammenballungen obsolet werden zu lassen - was bedeutet, keiner Person und keiner Struktur mehr größere Macht zuzugestehen -, das ist sicher ein langwieriges Ziel, dessen Erreichen unsere besten Fähigkeiten verlangt. Aber ein geringeres Ziel dürfen wir uns nicht setzen!

Die Institution der lokalen Währung (auch Komplementärwährung genannt) ist nur ein kleiner Mosaikstein für die Diversifizierung der Macht. Gerade in Europa und in den USA gibt es den Bürgersinn, die Vielgestaltigkeit und die Kompetenzen, um diese lokale Dimension der Ökonomie im Sinne der Subsistenz und einer wachsenden materiellen Unabhängigkeit ins Zentrum zu stellen und durch innovative Mittel zu ermöglichen. Auch andere Weltgegenden können Akzente setzen, wie der Erfolg der Kleinkreditidee aus Bangladesch zeigt.
Daraus folgt auch dass Banken in Zukunft keine Orte mehr sein dürfen, an denen ungeheuer viel Geld verdient wird, sondern Orte, an denen sehr wichtige Dienstleistungen für die Gesellschaft(en) geleistet werden, angemessen entlohnt, aber nicht mehr!


Allgemeiner, über die Finanz- und Wirtschaftskrise hinaus gesagt: Nachdem durch Demokratie, Rechtsstaat und freie Öffentlichkeit die politische Macht gebändigt worden ist, müssen in einem zweiten Schritt all die Mechanismen und Fakten der Macht relativiert werden, die auf den unmittelbaren Notwendigkeiten und den oft wechselnden unmittelbaren Bedürfnissen des menschlichen Lebens beruhen. Denn erst wenn die Menschen auf der unmittelbaren Ebene ihres Daseins so selbstbestimmt wie nur irgendmöglich sind, werden auch die Demokratie und der Rechtsstaat an ihr Ziel kommen.
Das erscheint zunächst ein völlig illusorisches Ziel zu sein und wird, wenn überhaupt, erst in Generationen und nur Stück für Stück und nie ganz Wirklichkeit. Zudem gibt es Lebensmomente, in denen man sich gerade nicht selbst bestimmen möchte, wie in der Liebe oder im Rausch. Das soll auch so bleiben!

Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass die Möglichkeit der unmittelbaren Selbstbestimmung eines jeden Menschen politisch das nächste große Ziel, der nächste große emanzipatorische Schritt der Weltzivilisation oder der Weltkultur der Menschheit ist, und zwar aus ganz banalen Gründen der Existenzsicherung. Denn - nur als Beispiel - dass die einen Kriege um Wasser führen, während die anderen mit Yachten im Meer herumschippern, das überlebt die Spezies nicht ewig. Das ist keine Frage des Optimismus oder Pessimismus, sondern der Realitätswahrnehmung.
Nirgends steht geschrieben, dass die Menschheit nicht die Zivilisation oder sogar sich selbst zerstören kann. Die nötigen fatalen Mechanismen und Verhaltensweisen aus Egoismus, Dummheit und gnadenloser Härte gegenüber Mitmenschen haben eine lange Tradition und scheinen unausrottbar. Keiner ist davor ganz gefeit, in bestimmten Situationen so zu handeln, wenn nicht Institutionen und Strukturen diese Verhaltensmöglichkeiten minimieren.


Zu allen diesen Themen können andere viel kompetenter schreiben und handeln.

Mit STRING konzentriere ich mich auf das Ziel, in einem historischen Zusammenhang die Macht der Ideologien zu brechen! Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die umfassende kulturelle Aufwertung des menschlichen Nahbereichs.
Zuerst musste die Weltgemeinschaft der Menschheit materiell zustande kommen. Das ist in der sog. "Gobalisierung" geschehen. Jetzt kann diese Gemeinschaft auf einen immaterielle Ebene transformiert werden, sprich einen festen Platz in den Köpfen und Seelen der Menschen einnehmen, indem jede Person insbesondere im geistigen Sinne ein Individuum und damit ein Mitglied der ganzen Menschheit wird.
Wohingegen die materiellen Lebensbedingungen in ihren modernsten Formen wieder eine starke lokale Komponente bekommen können, auf dass sie für die Menschen erkennbarer und begreifbarer sind.


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