STRING - World Politics for Individuals





Startseite
Intro II, III


Orientierung
Orientierung


STRING
Homepage


Wolfgang Behr
The "Anti-*itler"




06.11.2003


"high-tech self-providing"


Neues Wirtschaftswachstum für Deutschland, Europa, Amerika und die globale Ökonomie. Neue Freiheit für die Menschen! Die Chance, eine globale Wirtschaftskrise zu überbrücken und einen Zivilisationsbruch zu vermeiden. Wo kann ein neuer Bereich sein, in dem noch sehr viel Potential für Wirtschaftswachstum liegt und der Sinn macht? Mit reinem Kostenmanagement ist weder eine Firma zu retten, noch eine nationale oder internationale Ökonomie. (Das soll keine Entschuldigung der waghalsigen Finanzierung der deutschen Einheit mittels Schulden sein!) Ökonomische hot spots zu haben, an denen Wohlstand entsteht, während der Rest der Welt darbt, ist auch keine Lösung. Die Wirtschaft kann nur dann einen wesentlichen und dauerhaften Beitrag zur Demokratie und zum Frieden liefern, wenn sie unter anderem die Dinge produziert, die die Menschen überall auf der Welt einigermaßen gut existieren läßt und nicht nur dort, wo die Löhne gerade niedrig sind, die Wettbewerbsfähigkeit hoch ist und die Wirtschaft deshalb brummt.

Seit Urzeiten leben die Menschen in einem Hin und Her zwischen bitterer Armut und akzeptablem Wohlstand. Angefangen hat es in den ersten sesshaften Kulturen mit den guten Ernten, die viele Esser heranwachsen ließ, welche dann aufgrund der folgenden Missernten wieder bitterlich gestorben sind. (Gräberfunde legen heute noch Zeugnis von diesen Katastrophen ab!)
Solange wir nicht aus diesen fatalen Schwankungen herausgekommen sind, können wir schwerlich behaupten, in einer modernen Welt zu leben - das neueste Handy, Auto oder Sportgerät hin oder her!

Es sollte gelingen, den randständigen Bereich der Ökologie umzuwidmen in einen langsamen schrittweisen Aufbau lokaler Unabhängigkeiten der verschiedensten Bereiche der Notwendigkeiten des täglichen Lebens - Unabhängigkeit von den nationalen und globalen Strukturen. Das Schlagwort dafür ist der von dem deutsch-amerikanischen Sozialphilosophen Fritjof Bergmann von der Universität Ann Arbor, Michigan, geprägte Begriff des "high-tech self-providing", also einer modernen Subsistenz (= Selbstversorgung vor Ort) nicht mehr in der Not und Armseligkeit vergangener Jahrhunderte, sondern auf dem hohen technischen, aber auch ökonomischen Niveau unserer Zeit, welches letztere die Erschwinglichkeit für alle ermöglichen soll.

Damit kann wieder ein Feld entstehen, in dem sehr viel Arbeit und sehr viel Kapital zu investieren ist und durch welches ein großer Schub für das Wirtschaftswachstum möglich ist. Denn gerade in Deutschland, in dem die Menschen die Welt noch von der Vergangenheit der Jahrzehnte des Wohlstandes her erleben und die Gefahren der Zukunft, die das Ende dieses Wohlstandes verheissen, nicht sehen, braucht es einen großen, nach vorne orientierten Schub an Motivation, der neue Energien und die Bereitschaft zu sinnvoller Anstrengung freisetzt.

Am Ende einer solchen weiteren Stufe des zivilisatorischen Aufbaus steht eine zwar immer nur partielle, aber doch größer werdende Unabhängigkeit der Bürger von den Aufs und Abs der Ökonomie, die dann schliesslich zu dem werden kann, was sie eigentlich ist, zu einem wesentlichen Teilbereich oder Teilsystem einer modernen Gesellschaft. Ist das erreicht, kann sie zu ihrem Besten ihrer ganz eigenen Dynamik folgen und es wird durch diese Schwankungen wohl ein Auf und Ab des Reichtums geben, aber es werden nicht jedesmal viele Menschen in ihrer ganzen Existenz und Selbstachtung gefährdet.

Aus der Sicht der deutschen Nation, aber natürlich auch aller anderen Nationen, wird durch eine solche umfassende neue Kultur moderner lokaler Subsistenz nicht nur viel Arbeit entstehen und ein unserer Mentalität des Fleisses und des Bestellens des eigenen Lebensbereichs sehr entsprechendes neues Feld der Zivilisation in den Mittelpunkt gerückt. Nicht nur wird die oberflächliche Konsumorientierung durch qualitative Ziele ergänzt. Durch die technische und wissenschaftliche Kreativität und Leistungskraft hierzulande werden auch viele Produkte und Verfahren entstehen, die auf dem Weltmarkt größte Absatzchancen haben. Der weltweite Bedarf an modernen, intelligenten, lokalen Subsistenzmitteln ist nahezu unendlich. Denn diese örtliche Selbständigkeit kann den Menschen an jedem Ort der Erde als wichtige Basis ihrer Emanzipation dienen. Immer lebten die große Mehrheit der Menschen in Subsistenz, erst seit gut einem Jahrhundert hat sich das in vielen Regionen der Welt zu ändern begonnen.
Neue Produktionsfelder werden aber um so mehr diesem Land zu Gute kommen, je mehr sich das Produzieren hier lohnt.

In dieser neuen Ausrichtung unserer Zivilisation wenden die Bürger den Blick weg von der Glitzerwelt der Produktpräsentationen und hin zu dem schlichteren, aber entscheidenden Ort, wo und wie die Mehrheit der Menschen lebt. Dadurch ist eine Besinnung auf sich selbst und die eigene Aktivität möglich, eine innere Unabhängigkeit von den käuflichen Dingen oder von der Fixierung auf die Einkommenshöhe und die dadurch vermittelte gesellschaftliche Stellung nimmt zu. Nicht der Verzicht, aber Relativierung von Statussymbolen und Luxus erzeugt Flexibilität. In der Bedeutung des verdienten Geldes kommt zuerst die Ermöglichung des Lebens und dann kommt lange nichts. Eine neue gesellschaftliche Stimmung und eine größere soziale Durchlässigkeit erlaubt den einzelnen Menschen, sich leichter einen beruflichen und finanziellen Aufstieg zu erarbeiten, wenn der Staat als Versorger seine Leistungskraft verliert. Gerade unter schwierigeren Umstände schadet Verbissenheit oder Standesdünkel mehr als sie nützen!

Die wachsende Lösung von den großen materiellen und strukturellen Banden der jetztigen Weltzivilisation und den in dieser Verbundenheit immer wieder entstehenden und sich verbreitenden Krisen ist ein Desiderat, ein wünschenswertes Ziel, das den Fahrer einer großen Limousine mit der alleinerziehenden Mutter vereint, die sich kein Auto leisten kann. Die Perspektive des "high-tech self-providing" als "new frontier", vor der wir alle stehen und für die es zu kämpfen und sich anzustrengen lohnt, vermittelt der Gesellschaft ein neues demokratisches Bewußtsein.

Damit kein falscher Eindruck über die hier vorgestellte Perspektive und Neuausrichtung entsteht, der Champagner, der Computertomograph oder das Handy, aber auch der Ziegel mit Solarzelle, der irgendwann in 50 Jahren auf jedem Dach liegen sollte, kommt sicher weiterhin aus der Champagne, aus der Industrie, bzw. vom Weltmarkt. Der Handel als Motor des Wohlstandes soll mitnichten seine Rolle verlieren. Die Hype neuer Produkte soll keinesfalls verunglimpft werden. (Nicht die Hype oder das Produkt sind das Problem, sondern dass eine Person ihre Identität mehr darauf gründet, als auf sich selbst.)
Das hier verhandelte Problem ist die Volatilität der Ökonomie, die zu leichten und Wohlstand zerstörenden Fluktuationen der traditionellen wirtschaftlichen Dynamiken. Sie sollen ihren Schrecken verlieren. Es geht um die essentiellen materiellen Grundbedürfnisse des täglichen Lebens, wie Wohnen, Nahrung, zum Teil die Energie, ..., was Sie dazu zählen. Deren kontinuierlich sich verbreiternde lokale oder wohnortnahe Erzeugung mittels neuer moderner Produkte, Verfahren und Strukturen, die teils erst hergestellt, teils noch erfunden werden müssen, bauen einen Freiraum gegenüber der wirtschaftlichen Volatilität auf. Neben der schon bestehenden Wirtschaft können sie als Zusatzeffekt neues Wachstum fördern helfen, bis die Menschen in ihrer Lebensführung weniger abhängig sind vom Wachstum der Wirtschaft.
Der Reichtum für eine Anschubfinanzierung des "high-tech self-providing" ist in dieser Gesellschaft tatsächlich vorhanden, wenn die richtigen Ziele und Perspektiven ihn freisetzen können.

Das "high-tech self-providing" ist also immer nur als ein Zusatz zum Bestehenden, zu den klassischen Formen der Arbeit und der Ökonomie gedacht, nicht als Ersatz! Obwohl der Ersatz von ins Ausland abwandernden Arbeitsplätzen durchaus notwendig ist. Zuviele Menschen hierzulande haben nie Armut erlebt. Sich diese Perspektive wieder vertraut zu machen, den eigenen Hochmut zu brechen und die zeitgemäßen Antworten zu suchen, gerade als Land mit hohem Anspruch und hohen Zielen, darum muss es gehen.

Die großen Konzerne und ihre Mitarbeiter brauchen vor einer solchen Entwicklung keine Sorgen zu haben. Sie müssen nur die entsprechenden Firmenacquisitionen oder -gründungen tätigen, um daran mitzuverdienen.

Die Perspektive dieses kreativen Erneuerungprozesses des Nahbereichs der Bürger sollte einen Zeitraum bis zu 50 Jahre umfassen und global zugeschnitten sein.


Wolfgang Behr





STRINGklein