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Wolfgang Behr
The "Anti-*itler"




22.11.2003 (kleine Korrekturen 2011)


"Weltschuldenfalle"


Es geht darum, die Risiken der Zukunft als erneute Aufforderung zur materiellen wie geistigen Emanzipation und Selbstermächtigung zu begreifen. Es geht darum, aus Lust und Verantwortung entsprechend zu handeln!

1.) Am 09.11.2003 erschien in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 45 / Seite 47, ein Interview mit Herrn Langen von der Goltz, seines Zeichens Vermögensberater. In seinen Antworten auf die Fragen von Catherine Hoffmann stellte er unter anderem fest: "Die Weltwirtschaft hat eine Verschuldung aufgebaut, die dreimal so hoch ist wie das Bruttosozialprodukt, mit dem diese Schulden eines Tages zurückgezahlt werden müssen. Eine normale Firma wäre schon längst bankrott. Aber Staaten gehen nicht bankrott, sondern drucken Geld."
"Nur zwei Wege führen aus der Falle: Inflationieren oder bankrott gehen. Die Notenbanken in Amerika und Japan haben sich dafür entschieden, die Wirtschaft in Geld zu ertränken."
"Wir sehen ein nahes Ende der Dollarherrschaft."
" Die meisten Leute haben keine Vorstellung davon, was geschieht, wenn der Dollar als Weltwährung abgesetzt wird."

2.) Gut zu ergänzen ist dieses Meinungsbild durch zwei Zahlen, die der Volkswirtschaftler und IFO-Chef Hans-Werner Sinn im Novenber 2003 bei einem Vortrag zur Analyse der Situation beitrug. Er sagte, dass die amerikanische Administration derzeit 2 Milliarden Dollar Schulden machen muss, um das Bruttosozialprodukt um 500 Millionen Dollar zu steigern.
Zweifellos häuft Präsident Bush diese Schulden auf, um die Wirtschaft anzukurbeln und gute Stimung für seine Wiederwahl 2004 zu erzeugen. Vielleicht stellen sich diese Anstrengungen nicht als konjunkturelles Strohfeuer heraus, sondern führen zu einem nachhaltigeren Wachstum. Trotzdem, angesichts der Relation Schulden/Ergebnis bleibt der Eindruck, dass hier ein tieferliegendes Problem der existierenden kapitalistischen Ökonomien in die Zukunft geschoben wird, weil kein Mensch weiss, wie es zu lösen ist oder anders gesagt, weil es wohl keine bequeme Lösung geben wird.

3.) In der Süddeutschen Zeitung vom 01.12.03 schreibt der deutsch/syrische Muslim und Professor für Internationale Politik an der Universität Göttingen Bassam Tibi, wie er immer wieder unter den Moslems überall auf der Welt auf jenes Feindbild stößt, das den westlichen "Krieg gegen den Terrorismus" als Krieg gegen den Islam wahrnimmt. Auf der gleichen Seite 3 der SZ wird von Geheimdiensterkenntnissen berichtet, wonach moslemische Mütter auch aus Deutschland ihre Söhne vor versammelten Gläubigen in der Moschee als Selbstmordattentätter in den Djihad schicken. Dieser Djihad ist in dieser terroristischen Form laut Bassam Tibi völlig neu, er ist eine "invention of tradition" (Eric Hobsbawm).
Es gibt ernsthafte Anzeichen von einem Krieg, wenn er auch in dieser dezentralen und kulturell ungleichzeitigen Form so unbekannt wie modern ist. Nun stelle man sich vor, es gelingt jemand, eine "schmutzige" Bombe in einer der großen Metropolen zu zünden, was die Evakuierung ganzer Stadtviertel nach sich zieht. Die von sensiblen Zukunfterwartungen abhängige Weltwirtschaft würde sofort auf Talfahrt gehen.



Was geben diese drei Striche einer Skizze der aktuellen Lage zu denken?

Haben Sie Gelegenheit, einen professionellen Ökonomen, einen Banker oder einen Wirtschaftsjournalisten nach seiner Einschätzung der gefahrverheißenden Perspektiven der "Weltschuldenfalle" zu fragen? Tun Sie es! Er wird ziemlich wahrscheinlich abwiegeln und vielleicht beginnen, die Bücher aufzuzählen, die in den letzten 50 Jahren über kurz bevorstehende sog. Crash-Szenarien geschrieben wurden.

Sicherlich, es hat noch keinen wirklichen Crash der Weltwirtschaft nach 1929 gegeben. Das ist aber keine Garantie, dass nicht irgendwann, eher zufällig eine Crash-Vorhersage zutreffen wird. Wichtiger, als das vergebliche Streben nach Wissen über den genaueren Verlauf der Zukunft, das schon an der Börse bekanntlich nur den allerwenigsten gelingt, ist jedoch die Frage, was auf dem Spiel steht. Denn, wenn der Einsatz genauer bestimmbar ist, dann wird sich daraus auch ein Verhalten oder ein Handeln ableiten und vor allem motivieren lassen, das der Zukunft nicht mehr wie einem schicksalhaften Unheil entgegenzittert - Motto: Wir Mäuse vor der Schlange "Crash der Weltwirtschaft" -, sondern das die Zukunft als Gestaltungsraum und vor allem als immer wieder neue Herausforderung begreift!
Vielleicht erscheinen Ihnen diese vorstehenden Zeilen als Plattituden und Selbstverständlichkeiten. Aber warum gibt es dann soviele Pessimisten und vor allem warum gibt es soviele Verschwörungstheoretiker? Und worauf haben es die sog. "Feinde des Westens" abgesehen?

Es ist ja tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, dass die oben angeschnittenen Fragen große Sorgen oder Ängste hervorrufen können. Was passiert denn, wenn sich die Lenker der heutigen hochkomplexen und interdependenten (untereinander abhängigen) Weltwirtschaft verspekulieren oder zu unvorsichtig agieren, vielleicht, weil sie von Lobby-Gruppen gedrängt werden, vielleicht, weil sie von ihrer eigenen Überheblichkeit blind geworden sind? Was passiert, wenn tatsächlich einer der großen Staaten der reichen Welt seine Kreditwürdigkeit verliert? Was bedeutet es, wenn es in dieser Zeit zu einer Währungsreform kommt? Was kommt dann alles ins Trudeln?

Sicher ist, dass es auch jetzt keine sicheres Wissen darüber gibt, ob bestimmte Parameter der Weltwirtschaft schon nicht mehr im grünen Bereich sind und diese sich insgesamt auf einem abschüssigem Pfad befindet oder ob alles noch im grünen Bereich ist? Von Fachleuten brauchen Sie die letzte Antwort auf solche Fragen nicht erwarten, denn diese werden Ihnen jeder seine Version anbieten. Die Fachleute können Ihnen nicht die Bildung Ihrer eigenen Meinung ersparen!
Was steht auf dem Spiel? Das wird klarer, wenn man bedenkt, dass wir immer noch in der Epoche leben, die mit dem Ende des zweiten Weltkriegs begann. Daran hat der Untergang der alten Sowjetunion nichts geändert. Denn diese lange Epoche ist geprägt vom Siegeszug der liberalen Demokratie, der kapitalistischen Ökonomie, sowie unglaublichen wissenschaftlichen und technologischen Fortschritten.

All diese Komponenten unserer Weltzivilisation bestehen fort und haben zu einem bisher in der Geschichte nicht gekannten breiten Wohlstand für die Bevölkerungen in den reichen Staaten geführt, zum Teil auch in den weniger reichen Staaten. Damit ist eine Perspektive, eine Hoffnung entstanden, jene Geschichte der Kriege und der sozialen Katastrophen, die eigentlich die gesamte "Geschichte" andauerte, endgültig hinter sich lassen zu können, vorausgesetzt, diese Zivilisation kann sich erhalten und auf die gesamte Welt ausgedehnen. Wer wollte leugnen, diesem Glauben nicht zumindest ein wenig anzuhängen und selbst die Skeptiker, Reaktionäre und Verschwörungstheoretiker zeugen in ihrer Kritik eher von seiner Verbreitung. Denn was hätten sie denn anzubieten? Untergangsvisionen?
Alle vordemokratischen Gesellschaft sind mit unausweichlicher Sicherheit irgendwann in Kriegen gelandet. Bei den demokratischen Gesellschaften scheint das nicht so zwangsläufig zu sein.

Was auf dem Spiel steht, ist also noch viel ernster, als es der mögliche Absturz der Weltwirtschaft alleine schon aufscheinen läßt. Hört man den Kritikern des Westens zu, dann stellt man sich bisweilen kopfschüttelnd die Frage: "Wissen die überhaupt, von was sie reden?". Was würde es denn bedeuten, wenn wir in Europa und Nordamerika wieder in die Geschichte der Kriege und der großen sozialen Katastrophen zurückfallen würden? Wissen die Kritiker des Westens denn nicht, welche Zerstörungspotentiale militärischer oder zivil-technologischer Provenienz (Herkunft) darauf "warten", Infernos oder Weltkatastrophen zu produzieren, die noch nie gesehen wurden? Abgesehen davon, sollten Bomben und Raketen tatsächlich wieder einmal zwischen wirtschaftlich hochintegrierten Ländern hin und her fliegen, dann kann von der heutigen Weltwirtschaft sowieso keine Rede mehr sein. Ein Narr, wer glaubt, er könnte in solch einem Fall ungeschoren bleiben.
Solche Schreckensszenarien klingen unglaublich, vielleicht pathetisch. Irgendwie können wir eine derart (selbst-)zerstörerische Zukunft unserer modernen Hochzivilisation immer noch nicht wirklich für möglich halten. Fragt sich, ob wir uns da nicht in falscher Sicherheit wiegen.
Letztlich bleibt nur die Hoffnung, dass genügend Menschen die seelische Mühe nicht scheuen, sich ein realistisches Bild zu erfinden von dem, was an humanogenen, von Menschen gemacht Katastrophen heute möglich ist, wenn die Geschichte den normalen Gang der Kriege zwischen Kollektiven, den sie in manchen Teilen der Welt (stellvertretend?) bis heute geht, wieder im großen Stil, im "Weltstil" annehmen würde. Nur wer sich das vergegenwärtigt, wird wissen, was immer noch zusätzlich auf dem Spiel steht, wenn von einem "Crash der Weltwirtschaft" die Rede ist!

Die entscheidende Frage ist dann aber, wer kann heute noch als Handlungssubjekt der Abläufe und Geschehnisse einer sich globalisierenden kapitalistischen Weltzivilisation gelten? Wer bestimmt und steuert eigentlich noch, was geschieht? Je prekärer die Lage wird, desto drängender wird diese Frage!

Heute geht es nicht mehr nur darum, "Nie wieder Krieg!" oder "Nie wieder Auschwitz!" auf die Fahnen zu schreiben, heute geht es um viel mehr! Heute sind wir zum Preis unseres Überlebens darauf angewiesen, dass jene über 2000 Jahre alte biblische Vision eines friedlichen und freien Zusammenlebens der Völker und der Menschen der Erde praktische Realität wird. Es solle hier niemand in pessimistisches, wohlfeiles Wehgeheul über den schlechten Charakter der Menschheit ausbrechen. Die Verwirklichung dieses Ziels ist keineswegs so ausgeschlossen, wie die Geschichte denken läßt. Es geht dabei ja nicht um die Verhinderung sämtlicher Verbrechen einzelner vorteilssuchender oder skrupelloser Personen auf Kosten ihrer Mitmenschen. Es geht nicht um die Herstellung einer perfekten Welt! Es geht nicht um die Lösung "aller Probleme"!
Es geht nur(!) darum, die unglaubliche Dynamik und den kollektiven Zwangsmechanismus zu verhindern, der die Menschen, die im zivilen Leben oder unter guten ökonomischen Verhältnissen friedliche Bürger sind, immer wieder in gigantische kollektive Gewaltexzesse und Kriege hineingeführt hat und in verschiedenen Teilen der Welt bis heute hineinführt.

Genau aus diesen Zwängen ihrer blutrünstigen Vergangenheit haben die europäischen Völker vorläufig zumindest untereinander einen Ausweg gefunden. Einer der wesentlichen Faktoren für das Funktionieren dieses Auswegs war der Massenwohlstand! Was allerdings immer klarer wird, auf die kapitalistische Ökonomie ist dabei von Jahr zu Jahr weniger Verlaß. Längst sind überall Menschen, die liebend gerne arbeiten würden, arbeitslos, weil ihre Firmen zerschlagen, aufgelöst oder in andere Länder verlagert wurden. Längst haben viele Jugendliche kaum mehr Aussicht auf eine akzeptable Ausbildung und diejenigen jungen Menschen mit selbst bester Ausbildung haben oft keine Chance auf einen angemessenen Job. Längst ist klar, die kapitalistische Industriekultur verwirklicht von einer Produktivitätssteigerung zur nächsten mehr und mehr den lange gehegten Traum, die Menschen von der Arbeit zu "erlösen". Sie kann den Weg aber nicht bis zu Ende zu gehen, weil unsere moderne Zivilisation noch keinen Ersatz für die Monokultur der Erwerbsarbeit bietet, weder materiell, noch sozial. Anstatt das unermessliches Potential dieser Industriekultur intelligent und individuell zu nutzen, lassen wir es zu, dass kollektive Sachzwänge aufbaut werden und Rückschritte stattfinden. Paradigmatisch der Fall eines 28-jähriger amerikanischer Ingenieur, der in einer Autowaschanlage arbeitete und in einem Interview sagte: "Wenn Kapitalismus bedeutet, mit immer weniger Arbeitskräften, die immer weniger bezahlt bekommen, immer höheren Gewinn zu erwirtschaften, dann ist das nicht meine Sache. Wofür habe ich eigentlich so lange studiert, wenn der Arbeitsmarkt nur Jobs ohne spezifische Anforderungen bereithält?"
( ... jedoch, in diesem Weblog wird mitnichten ein antikapitalistische Position vertreten. Es kann heute auf keine einzige moderne Kraft verzichtet werden!)

Sollten die Völker Europas und Nordamerikas den sicheren Boden des Wohlstandes verlieren, werden sie dann wieder zurückfallen in die Mechanismen gegenseitiger Feindschaft bis zum bitteren Ende?
Entsteht die ersehnte "Eine Welt" durch Angleichung der ehemals "Ersten Welt" an die instabilen 1/10-Gesellschaften der "Dritten"? Anders gesagt, bedeutet Globalisierung das Aufholen der "Dritten Welt" durch den Abfall der "Ersten Welt"?
Werden wieder immer totalitärere Gesellschaften entstehen, in denen die wenigen Reichen oben die vielen Armen unten mit Gewalt in Schach halten? Totalitäre Gesellschaften sind jedoch mitnichten gefeit vor dem Rückfall in die Kriegs- und Gewaltkultur, im Gegenteil!


Nun sind in den vergangenen zwei Jahren Dinge geschehen, die die ökonomische Globalisierung von der Top-Agenda der Weltöffentlichkeit und der Zukunftsträume verdrängt haben. Der Anschlag am 11.09.2001 auf das WTC in New York, die von der Bush-Administration begonnenen Kriege in Afghanistan und gegen Saddam Hussein, sowie die erwähnten kriegerischen Wahrnehmungen von Muslimen überall auf der Welt sind ein deutliches Zeichen. Die Welthistorie ist nach dem Ende des Kalten Kriegs und dem Zwischenspiel der ökonomischen Globalisierung wieder in eine Ära des Politischen, ja des Kriegerischen zurückgekehrt? Aber auf welche Art und Weise!

Den fundamentalistischen Terroristen würde niemand Verantwortung für die friedliche Zukunft der Welt zusprechen, sondern genau das Gegenteil. Aber haben wir nicht alle mehr und mehr das Gefühl, dass auch die Führung der Weltmacht Nr. 1 den Friedenserhalt und die Garantie für die gedeihliche Entwicklung der Welt dauerhaft nicht wird leisten können?

Wann, wenn nicht jetzt ist der Moment gekommen, in all diesen Vorgängen und Bewertungen nicht mehr zuerst den Mangel und die Bedrohung zu erblicken. Es ist höchste Zeit, sich nicht mehr alleine(!) auf Macht- und Funktionseliten zu verlassen, seien es amerikanische, seien es andere. Das heutige Weltsystem ist so komplex geworden, dass es sich durch die repräsentative (theoretische) Intelligenz, auf die diese Eliten angewiesen sind, nicht mehr alleine beherrschen läßt. Daher muss das Wagnis eingegangen werden, die Ordnung der Weltgesellschaft im wesentlichen auf die Selbstverantwortung der Menschen überall dort, wo sie leben, zu gründen und nicht mehr primär auf die "von oben ordnende Hand", heisse diese nun Markt oder Staat. Damit wird der endgültige gesellschaftspolitische Übergang von der "Außensteuerung" der Menschen auf ihre innere Selbststeuerung postuliert. Diesen Übergang hatte schon der Philosoph Sokrates im Augen, als er im antiken Athen, der ersten Demokratie der Weltgeschichte, wirkte.

Es geht also darum, den Freiraum, über den unzählige Personen überall auf der Welt verfügen, zu nutzen, um quasi von unten, besser vom Einzelnen aus eine grundsätzlich friedliche und vor allem stabile Weltzivilisation aufzubauen. Die verantwortliche Macht als Verfügung über Ressourcen muss in einem kreativen technischen wie ökonomischen Prozess hin zu den Menschen vor Ort verschoben werden. Die demokratisch verfasste staatliche Macht, die bedeutet, vielfältige Funktionen, auch Rechts-, Ordnungs-, Erhaltungs- und Schutzfunktionen für das Allgemeinwohl zu erfüllen, wird dadurch nicht in Frage gestellt. Aber die Bürger sind darauf angewiesen, sich immer mehr Kontrollfunktionen zuzusprechen und auszuüben.
Je selbstbestimmter wir werden, desto endgültiger verlassen wir das Reich des Obrigkeitsstaates! Das wollten wir doch auch alle so, als wir uns für die westliche Demokratie entschieden.

Den Netzen, dem Welthandel und Weltfinanzsystem, den politischen und kulturellen Verbindungen, der Globalisierung etc. kann die dringend nötige Stabilität nur zuwachsen, wenn sie ein Stück weit entkoppelt werden, indem die Existenzen der Menschen vor Ort immer unabhängiger werden von den großen Zusammenhängen.
Die abendländische Tradition, die sich im 20. Jahrhundert beinahe selbst zerstört hat, kann sich nur verwirklichen, wenn sie sich materiell und institutionell bis zu Ende ausindividualisiert. Erst dann wird sie universell und ist in der Lage, als Maßstab zu dienen. (Siehe ergänzend dazu "Die neue politische Dimension")
Gerade in den ärmeren Ländern der Erde ist eine lokale materielle Basis als Argument für die individuelle persönliche Emanzipation von größter Bedeutung. Wenn die Menschen dort den Westen direkt vor allem durch die profitorientierten, international agierenden Konzerne oder vertreten durch unsensible Touristen kennenlernen, von denen sie abhängig sind, wird die Verheissung der individuellen Freiheit oft als Hohn empfunden und die alten, vormodernen Machteliten haben immer wieder leichtes Spiel, die westliche Zivilisation zu verunglimpfen!
Aber wer sollte mit dieser Kultur modernster lokaler Subsistenz beginnen, wenn nicht die Leute in den reichen Länder?

Nochmal, damit dieser Punkt kein Missverständnis mehr erlaubt. Der hier vorgestellte Ausweg aus der oben skizzierten Gefahrenlage für die Weltwirtschaft hat nichts mit der alten Frontstellung Protektionismus und Isolationismus versus Freihandel und Internationalismus zu tun. Im Gegenteil, indem lokale Subsistenz, die örtliche Unabhängigkeit in jeder denkbaren Hinsicht, materiell wie kulturell, ein tragender Teil unseres praktischen Lebens wird, entsteht erst die Voraussetzung dafür, dass die Offenheit und Durchlässigkeit der ganzen Welt erhalten bleibt, ja sich friedlich weiterentwickelt und immer mehr Menschen miteinbezieht! Die örtliche Autarkie bewirkt, dass alle überregionalen und globalen Zusammenhänge und Kooperationen Krisen durchlaufen können, dass sie im Falle ihres Verfalls durch Korruption sogar ausgesetzt werden können, ohne dass ihr erneutes Wiederaufblühen oder gar der Frieden auf dem Spiel steht. Und nur auf dieser Ebene lassen sich letztendlich auch die auf Dauer unausweichlichen Erfordernisse der ökologischen Nachhaltigkeit verwirklichen.

Pragmatisch, in einer undogmatischen Geisteshaltung, vor allem mit größter Lust an einer neuen Unabhängigkeit soll jede Person an ihrem Platz und in der Gemeinschaft mit anderen Personen, die das wollen, dem Ziel entgegenarbeiten, eine lokale materielle wie geistige Kultur zu etablieren. Je mehr Potential, je mehr Mittel eine Person hat, desto mehr kann sie in die lokale Unabhängigkeit investieren. Selbstverständlich sollen die Starken die Schwachen unterstützen.

Es ist wesentlich, dass die Leute das Ziel einer wachsenden Autarkie als einen Weg begreifen, auch ihre Ängste verringern und auf die Feindschaft gegenüber Fremden verzichten zu lernen. Je weniger die Leute ihre negativen Gefühle und projektiven Schuldzuweisungen im Griff haben, desto anfälliger sind sie für die Mechanismen der Kriege und der kollektiven Gewalt aus der alten Geschichte.

Vielleicht waren die Mächtigen der Welt noch nie in der Lage, die Geschicke ihrer Untertanen gut zu regeln, weswegen es immer wieder zu geschichtlichen Katastrophen kam. Heute ist eine kollektive geschichtliche Katastrophe definitv nicht mehr tragbar, weil wir durch die zerstörerischen Kapazitäten unserer Zivilisation jegliche geschichtliche Unschuld verloren haben, die uns zum "muddling through" ermächtigen würde.


Wenn ich an dieser Stelle abbreche, dann weil ich zu den Einzelheiten, die uns zu einer dezentralen Kultur der Selbständigkeit verhilft, im allgemeinen kaum mehr zu sagen habe, als hier, bzw. was auf den adstring.org-Seiten sonst zu lesen ist.

Sie sind gefragt, von Ihrer Stelle aus, mit Ihren Kompetenzen, mit Ihren Ressourcen, im Kleinen wie in der Öffentlichkeit, in der Linie des Citoyen (des Bürgers), in Ergänzung(!) zu ihrer Profession (als Bourgeois) den Weg zu erfinden und aufzubauen, der die traditionellen gesellschaftlichen Kollektivmächte endlich des Teils ihrer Verantwortung entledigt, den sie nicht mehr für uns tragen können. Finden Sie heraus, was das ist und wie Sie es in Ihre aktive Verantwortung bekommen! Denken Sie an Ihre Mitmenschen und vergessen Sie den Humor nicht.


Ach ja, die "Weltschuldenfalle", darum ging es doch hier. Gibt es dazu noch etwas zu sagen? Vielleicht dies: Beobachtet man die aktuelle Politik, gespiegelt in den Artikeln und Kommentaren der großen Zeitungen oder in der Berichterstattung des Fernsehen, dann hat man durchaus immer wieder den Eindruck, dass vieles geschieht, was man nicht weiß oder worauf man keinen Einfluß hat, obwohl es einen betrifft. Es nützt sicher nichts, darüber viel zu spekulieren. Nützen tut nur, das durch eine neue weltumspannende Ära lokaler Demokratie, aufgeklärter Lebenshaltung und moderner Subsistenz abzustellen!

Das geht aber nicht von heute auf morgen!

Stimmt!

Ob wir das Glück haben, keinen großen wirtschaftlichen Crash zu erleben?

Oder brauchen wir eine solche Katastrophe, um endlich zu verstehen, was zu tun ist?



Wolfgang Behr



adSTRING.org - Weltpolitik für Individuen



[In der Wirtschaftszeitschrift "www.brandeins.de", Ausgabe 7/2001 (Archiv) zum Thema "Geld" gibt es unter dem Titel "Eine Welt, eine Währung und mehr Wert" eines der vielen im Netz verfügbaren Interviews mit dem belgischen Wirtschaftswissenschaftler und Fondsmanager Bernard Lietaer, indem Bestandteile einer Lösung der "Weltschuldenfalle" aufgezeigt werden. Wichtig ist immer der Ergänzungsansatz anstatt des Ersetzungsansatzes.
Wie schon oben angedeutet, nicht um die überholten Frontlinien Kapitalismus versus Sozialismus, Staat versus Markt etc. geht es. Stattdessen ist das jeweils Beste und sich Ergänzende aus allen Institutionen und Konzepten jenseits aller Ideologien nötig, um diese gigantische Krise zu meistern.]





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